Warum es nicht möglich ist, dass Schwule sich einfach nur küssen – wie alle andere Menschen auch

13 Mrz

In Berlin wird diesen Monat eine neue Kampagne starten, die sich u.a. gegen die in der Stadt verbreite Unsitte richtet, homosexuelle Menschen zu verprügeln. „Unter anderem“ muss man deshalb sagen, weil von drei bisher veröffentlichten Plakaten auch eines dabei ist, welches ein heterosexuelles Paar zeigt. Zeigt man sich als Homo zunächst irritiert darüber, seit wann denn nun auch heterosexuelle Paare unter einer Flut von Gewalt wegen ihrer sexuellen Orientierung zu leiden haben, relativiert sich dieser Einwand sehr schnell, berücksichtigt man, an wen sich die Kampagne größtenteils richten soll: Alle Plakate ziert nämlich der kernige Spruch „Liebe verdient Respekt“ und das auch auf arabisch und türkisch. Die Homepage des Projekts ist ebenso auch auf türkisch gehalten.

HeteroVielleicht wird nun klarer, warum man es für nötig erachtet, auch auf den Respekt hinzuweisen, der heterosexuellen Paaren gebührt, denn auch die haben unter Vorurteilen und Gewalt zu leiden, zumindest, wenn die Frau aus einer Familie stammt, welche sich den patriarchalen Regeln ihrer Kultur bzw. Religion verpflichtet sieht. Da passiert dann schon mal ein Ehrenmord, insbesondere dann, sollte die Frau  so leben „wie eine Deutsche“, z. B. indem sie ihren Freund mitten auf dem U-Bahnhof küsst und das auch noch ganz ohne Kopftuch.

Doch natürlich werden bei der Kampagne nicht nur Heteros berücksichtigt, denn immerhin geht es bei der ganzen Veranstaltung ja hauptsächlich um Homos.

Die Lesben können sich glücklich schätzen, ein Plakat mit abbekommen zu haben, werden sie doch ansonsten nur allzu oft vergessen, und das selbst in der homosexuellen Community, wie uns http://www.zeig-respekt.de anklagend berichtet:

Schwule und Lesben teilen die Liebe zum gleichen Geschlecht. Sie erfahren ähnliche rechtliche Diskriminierungen. Ansonsten sind die Welten der Lesben und Schwulen mitunter recht verschieden. Das Coming-out wird Lesben schwerer gemacht als Schwulen. Sie müssen nicht nur mit Anfeindungen wegen der Homosexualität fertig werden, sondern auch mit der Benachteiligung als Frau. Die ungleiche Verteilung von Macht, Geld und Einfluss zwischen den Geschlechtern spiegelt sich in gewissem Maße auch im Organisationsgrad von Schwulen und Lesben wider. Es gibt ein Vielfaches an Schwulenbars gegenüber Lesbenkneipen. Schwule Zeitschriften erscheinen weit auflagenstärker als Lesbenmagazine. Und lesbisches Engagement im Rahmen der Frauenbewegung wird oft nicht als solches wahrgenommen.

LesbischDas mit der „Benachteiligung der Frau“, trifft  zwar auf die Lebenswelt der Migranten zu,  allerdings muss man schon einige Chuzpe besitzen um ernsthaft zu kolportieren, Frauen seien grundsätzlich auch dann benachteiligt, wenn sie eben nicht lesbisch sind.

Ja, Lesben haben nichts zu lachen, denn immerhin werden sie ja durch geheimnisvolle böse Mächte daran gehindert, ihre eigenen Zeitschriften und Bars in genau demselben Umfang zu betreiben, wie das Schwule tun. Und das sie in Deutschland nichts so stark verfolgt wurden wie eben Schwule, setzt der Benachteiligung natürlich die Krone auf:

Schwulen wird in der Öffentlichkeit weit mehr Beachtung geschenkt als Lesben, im positiven wie negativen. Der berüchtigte § 175 stellte nur männliche Homosexualität unter Strafe. Die Straffreiheit der Frauenliebe hatte nichts mit Toleranz zu tun, sondern mit Geringschätzung der Frau und Ignoranz gegenüber weiblicher Sexualität. Männliche Homosexualität wird seit jeher stärker als Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung wahrgenommen. Sie hat Verfolger wie Verteidiger meist mehr mobilisiert. Lesben haben dagegen immer damit zu kämpfen, dass sie totgeschwiegen werden.

Tot geprügelt werden dagegen die Schwulen, nicht nur, weil man sie als eine Bedrohung der natürlichen Ordnung sieht, sondern auf sie überhaupt alle Unsicherheiten projeziert werden, die sich aus einem, auch von Frauen geforderten, zwanghaft männlichen Rollenbild ergeben. Schwule sind die Kollateralschäden einer Gesellschaft, in der es tabu ist, Männer nicht nur als herrische Arbeitspferde zu sehen, sondern auch als Menschen mit Emotionen, Wünschen und Sehnsüchten.

SchwulUnd natürlich springt auch die Zeig-Respekt-Kampagne auf diesen Zug auf und stellt das schwule Paar seiner Plakataktion nicht etwa romantisch – wie die Heteros – und erotisch – wie das Lesbenpaar -, sondern auf eine geradezu primitiv „männliche“ Art dar: von hinten genommen, von vorne gewürgt.

Denn so sind sie die blöden Schwuchteln! Können sich nicht einmal auf einem U-Bahnhof benehmen…

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