Ja zum Homo-Unterricht!

24 Mrz

Liebhaber der Berliner Politik haben es vielleicht irgendwie mitbekommen: Am 26. April dieses Jahres, dürfen wir Hauptstädter darüber abstimmen, ob das vor einiger Zeit neu eingeführte Fach „Ethik“ ein Pflichtfach für alle Schüler bleiben soll, oder die Schüler statt dessen zwischen Ethik und einem Religionsunterricht wählen müssen. In meiner Eigenschaft als Fan der amerikanischen Verfassung war die Sache für mich von Anfang an klar: Religion hat an einer öffentlichen Schule nichts zu suchen, demzufolge werde ich das nächstbeste Angebot annehmen, und für das Pflichtfach Ethik, also der Beibehaltung des Status quo, stimmen.

Dennoch habe ich mich immer gefragt, was die Schüler im Ethik-Unterricht eigentlich lernen. Wer bestimmt die Lehrpläne? PETA, attac und Greenpeace? Das wäre für die armen Schülerseelen fürwahr eine Katastrophe, zumal der ideologische Unsinn dieser Organisationen mittlerweile auch bei gewissen hauptstädtischen protestantischen Kirchen en vogue ist.

Vom LSVD erfuhr ich jetzt aber, dass im Ethikunterricht immerhin 90 Prozent der Aufklärungsveranstaltungen zum Thema Homosexualität stattfindet. Das will zwar nicht viel heißen, ist aber doch schon mal ganz erfreulich.

Übrigens, mein Tipp zum Ausgang des Volksentscheides: meine Ethik-Fraktion wird verlieren.

12 Antworten zu “Ja zum Homo-Unterricht!”

  1. melodiensammler 24. März 2009 um 14:42 #

    Auch wenn ich von berlinerischer Politik so ziemlich keine Ahung habe, sehe ich das etwas anders. Ich denke man sollte Religion und Ethik in einem Fach unterbringen – oder zumindest beides untterichten. Allerdings nicht als Wahlfach, sondern beides als Pflichtfach. Man könnte es ja zeitlich trennen: erst Ethik dann Religion o.Ä.

    Die starke Trennung zwischen Staat und Kirche/Religion in den USA bewundere ich auch sehr. Aber muss das heißen, dass man Religion verschweigt? Gerade das treibt in meinem Augen unwissenden bzw. interessierte Jugendliche in die Hände dieser Institutionen. Für mich ist das so als ob man Gewalt verschweigt, um Gewalt zu verhindern.

    Religionsunterricht darf meiner Meinung nach nicht einseitig sein. Das soll bitte dem Kommunions- oder Konfirmationsunterricht – also den Kirchen – überlassen werden. Relgigionsunterricht sollte die verschiedenen Religionen, deren Vielfalt und Werte vermitteln, sodass sichd er Schüler seine eigene Meinung bilden kann.

    Ich bin heute noch meinen Lehrern sehr dankbar, dass ich im Rahmen dieses Unterrichts eine Moschee besuchen durfte. Das half mir den damit zusammehängenden Kulturkreis nicht mehr als so fremd und unheimlich anzusehen.

    Natürlich darf in diesem Zusammenhang auch die Aufklärung über Homosexualität und Bisexualität nicht zu kurz kommen.

    Vielleicht habe ich aber auch ein falsches Bild vom Ethikunterricht in Berlin und dieser umfasst schon oben genanntes.
    Ich verbinde mit Ethikunterricht leider auch hauptsächlich den ziemlich ekligen Kategorischen Imperativ – gruselig.

    Aber wie gesagt, ich hab hier eh nichts zu sagen ;).

  2. Daniel 24. März 2009 um 15:39 #

    Mein Tipp: Die relative Mehrheit wird für die Annahme stimmen, aber das Quorum wird verfehlt werden. 25% der Berliner Bevölkerung muss zustimmen, dazu wird es hoffentlich nicht kommen.

  3. Adrian 24. März 2009 um 17:17 #

    @ melodiensammler
    „Aber muss das heißen, dass man Religion verschweigt?“

    Wo wird denn Religion verschwiegen, wenn es keinen Religionsunterricht gibt? Die allermeisten dürften Religion mit dem Elternhaus aufsaugen und auch danach ist es ja nicht so, das man davon nichts mitbekommt.

    Ich z. B. stamme aus einem ungläubigen Haushalt und hatte niemals Religionsunterricht, was den besonderen Verhältnissen in Brandenburg geschuldet war. Dennoch kam ich sehr schnell mit Religion in Berührung, zum ersten Mal, als ich meine Eltern fragte, was das für Gebäude neben den Friedhöfen sind.

    Ich habe nichts dagegen, wenn Kinder etwas über Ursprünge und Geschichte von Religionen lernen, weil diese ja auch kultur- und gesellschaftsprägend sind. Womit ich mich aber nicht anfreunden kann, ist ein nach Konfessionen getrennter Unterricht an öffentlichen Schulen, bei der Kinder

    (1) bestärkt werden, sich durch die Bank einer bestimmten Religion zuzuordnen

    (2) die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass es zu einem Austausch zwischen den Religionen kommt, sondern eher eine Gruppenbildung anhand religiöser Grenzen gefördert wird.

  4. ondamaris 24. März 2009 um 21:46 #

    ich freue mich, mal mit dir einer meinung zu sein – in sachen ethik-unterricht 🙂
    und – für den ausgang bin ich optimistisch …

  5. Adrian 25. März 2009 um 09:46 #

    @ ondamaris
    „ich freue mich, mal mit dir einer meinung zu sein“

    „mal“?

  6. melodiensammler 25. März 2009 um 13:03 #

    @Adrian
    „Womit ich mich aber nicht anfreunden kann, ist ein nach Konfessionen getrennter Unterricht an öffentlichen Schulen“

    Ich ebenso nicht. Würde ich den politischen Hintergrund besser kennen würde ich vielleicht auch für den Ethikunterricht stimmen. Nur grundsätzlich sollte das Thema Religionen in der Schule behandelt werden, um radikalen Ansichten entgegenzuwirken. Die Schule hat dabei glaube ich sicherlich nicht die Kraft alle freikirchlichen Schwulenhassern entgegenzuwirken, dafür ist die Macht des Elternhauses oft zu stark. Aber vielen Kinder/Jugendliche wird von den Eltern keine eindeutige Religion zugeschrieben. Man geht vielleicht Weihnachten mal in die Kirche, das war’s. So sollten zumindest alle Schüler gleichermaßen über Religionen aufgeklärt werden, wofür sie stehen und wogegen sie sind. Wenn dies im Zusammenhang mit anderer Aufklärung geschieht denke ich, dass dies durchaus sinnvoll ist.

  7. ondamaris 25. März 2009 um 18:28 #

    @ Adrian:
    nun …, nicht immer (eher, nicht so häufig) bin ich mit den auf eurem blog geäußerten meinungen d’accord 😉
    aber in diesem fall – gerne .-)

  8. lukas 26. März 2009 um 20:03 #

    Brrrrr, staatlicher Ethik-Unterricht. Schädlicher als das könnte höchstens noch staatlicher Religionsunterricht sein…

  9. Martin 28. März 2009 um 11:19 #

    Ich bin immer noch hin- und hergerissen. Ich gebe zu, für den Volksentscheid gestimmt zu haben (nicht allzu überlegt, sondern wohl hauptsächlich als eine Remineszenz an meine gutkatholische Vergangenheit auf schwäbischem Dorfe, ausserdem hatte ich kurz vorher Besucher&mich akustisch benebelt in einer Kathedrale). Allerdings wirbt ProReli schon irgendwie aggressiv (vollmundig sehen sie sich als „Freiheitskämpfer in der Tradition von 1848“ etc.: http://www.ekbo.de/7517_23849.php?liste=ja&seiten_id=23149&nav_id=). Die Freiheit, *zu*zuwählen, besteht aber bekanntermaßen, und der, zugegeben, Sonderweg scheint für Berliner Verhältnisse (multikulti, Erfordernis, dass man andere Lebenswelten kennt und als anders eben auch akzeptieren lernt) durchaus praktikabel und bewährt. Dass die Homothematik in Ethik kompetenter behandelt wird, ist wohl anzunehmen, der LSVD ruft ja auch dazu auf, dagegen zu stimmen.
    So werde ich mir wohl demnächst untreu werden…

    Martin

    PS Es gibt durchaus auch prominente innerkirchliche Gegner von ProReli und seinen Zielen…

  10. ondamaris 26. April 2009 um 20:45 #

    und – adrian zufrieden mit dem überraschend eindeutigen ergebnis?

  11. Adrian 27. April 2009 um 10:54 #

    @ ondamaris
    Wie gesagt, meine Anschauung zum Ethikunterricht ist eher differenziert. Abgesehen vom Homo-Aufklärung traue ich einem Ethik-Unterricht in Berlin nicht allzu viel Sinnvolles zu, was andererseits aber auch für den Reli-Unterricht gilt. Insofern ist mir das Ergebnis recht gleichgültig.

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  1. Ethik für alle – Berlin hat sich klar entschieden (akt.) – ondamaris - 29. Februar 2016

    […] und pro Religion für die die es wollen“. Aus schwuler Sicht ist zudem ein klares „Ja zum Homo-Unterricht“ zu begrüßen […]

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