Knutscherei und andere Peinlichkeiten

27 Mrz

Ich habe neulich – und weiß nicht mehr genau wo – gelesen, dass es doch irgendwie ganz normal sei, dass eine gewisse Zahl der heterosexuellen männlichen Jugend es eklig findet wenn sich zwei Schwule küssen. Erklärt wurde dieser „Ekel“ damit, dass diese Jugendlichen nun mal nicht auf Männer stehen würden.

Gleichzeitig wurde postuliert, dass viele Schwule es gewiss auch irgendwie unangenehm fänden, wenn sich zwei Heteros küssen.

Dazu einige Anmerkungen, aus meiner bescheidenen Perspektive:

1.) Ich versteh nicht, warum Heteromänner küssende Männer eklig finden sollten, nur weil sie auf Frauen stehen, denn dann müsste ja umgekehrt auch ich als Männerliebhaber, knutschende Frauen für den Abgrund der Barbarei halten. Dies ist aber nicht der Fall. Sicher, knutschende Frauen sind ungefähr so erotisch wie Staub wischen, aber eben nicht eklig.

2.) Aus dieser Einschätzung ergibt sich zwangsläufig, dass ich natürlich kein Problem mit küssenden Heteros habe. Zugegeben, wenn der Mann hübsch ist, werde ich neidisch, nicht nur auf die Frau, sondern auch ob der Selbstverständlichkeit mit der Männlein und Weiblein das Ritual der Liebe praktizieren ohne befürchten zu müssen, einen Tritt in die Weichteile zu bekommen.

3.) Ganz im Vertrauen: Gewisse Balzrituale vornehmlich heterosexueller Pärchen können einen tierisch nerven. So finde ich es unerträglich, wenn Küsse mit einem lauten Schmatzen besiegelt werden. Da schüttelt es mich und ich habe Lust die Turteltäubchen anzufahren, dass sie ihre sexuelle Orientierung gefälligst in ihren eigenen vier Wänden praktizieren und diese nicht penetrant zur Schau stellen sollen.

4.) Zum Abschluss sei noch gesagt, dass die Menschheit vielleicht mehr küssen und sich weniger schlagen sollte. Das klingt vielleicht nach Flower-Power-Romantik-Kitsch, aber auch so etwas hat zuweilen seine Berechtigung.

6 Antworten zu “Knutscherei und andere Peinlichkeiten”

  1. melodiensammler 27. März 2009 um 18:56 #

    Der Ekel vor gleichgeschlechtlichen Näherungen in unserem Land ist sowieso sehr stark. Bestimmte Dinge werden nur heterosexuellen Liebenden vorbehalten.

    In Senegal – wo homosexuelle Handlungen wohlgemerkt unter hohen Strafen stehen! – ist zum Beispiel „Händchen-Halten“ unter Jungs und Männern vollkommen normal (abgesehen von der geschlechtlichen Orientierung, die leider nicht in Frage gestellt wird). Als Europäer wirkte das zunächst befremdlich, wodurch ich mir der Absurditäten der eigenen Kultur bewusst wurde.

    Ich persönlich (als heterosexueller Leser dieses Blogs) wünsche mir zumindest noch mehr küssende Männer im Fernsehen. „Brokeback Mountain“ hat es so wunderbar vorgemacht. Vielleicht kann so der Ekel abgebaut werden.

    Auch gerade die Medien für kleinere Kinder sollten Homosexualität behandeln, was ja gerade in den USA häufiger abgelehnt wird. Kinderbücher wie „Zwei Papas für Tango“ oder das berüchtigte „König und König“ sollte in jedem Kindergarten vorhanden sein. Ich denke so kann diesem Ekel entgegengewirkt werden.

    Letzlich finde ich aber, dass man einen gewissen Ekel nicht verurteilen sollte. Ekel ist schließlich immer ein Gefühl, wenn auch manchmal ein antrainiertes durch gesellschaftliche und soziale Erfahrungen in frühen Jahren. Trotzdem denke ich, dass man tolerant sein kann und sich trotzdem ekeln darf. Ich ekel mich auch vor Spinnen, obwohl ich sie auch recht nützlich finde. Der Vergeich hinkt etwas, aber ich hoffe er ist verständlich.

    lg melodiensammler

    • Adrian 27. März 2009 um 19:15 #

      Vielleicht kam das im Beitrag nicht ganz rüber, aber ich glaube eben, dass sich diese Jungs nicht wirklich „ekeln“, im Sinne von erschaudern, schütteln, brechen, was auch immer. Sie kennen es eben nicht, es ist ihnen ungewohnt und in gewohnt männlicher Manier, machen sie dann gleich ein Fass auf: „Ey, Alter ich muss kotzen wenn ich das sehe, weil ich nur somit beweisen kann, dass ich Eier im Sack habe!“ – so in etwa.

      Insofern verurteile ich nicht, wenn sich jemand wirklich ekelt, aber es will mir nicht in meinen Kopf, wie man den Kuss eines Mannes und einer Frau normal finden kann und den gleichen Kuss zwischen zwei Männern eklig. Wenn dem so wäre, müsste man doch auch den Kuss zwischen Mann und Frau zumindest „halbeklig“ finden, oder?

      Und als ich schrieb, micht schüttelt es, wenn ein Kuss schmatzt, war das auch ein wenig übertrieben. Ich finde es unangenehm, wie wenn jemand beim Essen schmatzt; also hat eher mit dem Ton zu tun und nicht mit dem Kuss an sich.

      Und ja: „Ekel“ kann abgebaut werden. Alles eine Frage der Gewöhnung.

  2. Steven 27. März 2009 um 21:15 #

    „Mit Adrian beim Knutschen“

    Ich bin auf die Fortsetzung der Reihe gespannt!

    • Adrian 27. März 2009 um 21:19 #

      Jetzt habe ich mich vor Lachen verschluckt 😀

  3. Thommen 28. März 2009 um 12:02 #

    Wir sollten vielleicht näher hinschauen, was diese „Eklerei“ vertuschen soll: Dass es der Ekel ist, der die Hierarchie zwischen den Menschen aufrechterhalten kann, ohne dass mann/frau das erklären muss. Denn schliesslich ekelt sich jedeR vor irgendetwas, zB Spinnen.. (Wobei ich gerne nachtragen darf, dass die Spinne ein Symbol der Weiblichkeit ist!Diese Arachnophobie bei mir als Schwulem also völlig i.O erscheint.)

  4. phrixuscoyote 31. März 2009 um 02:08 #

    Hi! Mich überfällt sehr oft das Bedürfnis, laut rumschmatzende Pärchen zu hauen – egal, wer da wen küsst, kann also den Punkt 3) sehr gut nachvollziehen. Diverse übertriebene displays of affection find ich ziemlich abstoßend, aber mir wird ja auch eine gewisse Prüderie nachgesagt. Für den Weltfrieden würde ich mich da aber überwinden und bei einem Flower-Power-Megaküssen mitmachen. Punkt 4) hat also meine vollste Unterstützung.

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