Vom schweren Leben der Schwulenprügler

7 Apr

Berlin wirbt für sich gerade wieder als „Welthauptstadt der Toleranz“. Toleranz für Straftäter. Denn das wieder einmal zwei Schwule von irgendwelchen Idioten angegriffen wurden, werden Sie in den Medien der Hauptstadt nur am Rande erfahren. Waren ja auch nur Schwule. Wen juckt das? Fortpflanzen tun die sich nicht, Aids verbreiten sie auch noch und unsere Kinder werden durch ihren Einfluss eh nur verdorben.

Und anstatt dass man dem homophoben Pack das Fürchten lehrt, ist bereits jetzt absehbar was passieren wird. Sollten sich die fünfköpfige Bande als rechtsextrem herausstellen, haben wir zumindest die Chance auf ein wenig Entrüstung. Bei nicht rechten und lediglich gelangweilten, nichtmigrantischen Deutschen, werden dagegen schon bald die ersten Allesversteher aufschlagen um die Gründe zu ermitteln, welche die Täter dazu getrieben haben, dermaßen um sich zu hauen. Haben die Eltern ihnen das neueste Handy verweigert? Haben sie zuviele Killerspiele konsumiert? Ist ihr Penis zu klein?

Sollte es sich bei den Tätern um  Migranten handeln, steht die Schuld schon jetzt fest: Du bist schuld! Ja, Du! Du, der in einem Land lebt, das Migranten diskriminiert und stigmatisiert. Du, der sich nicht dafür schämt, das jugendliche Migranten die Schule abbrechen und daraufhin keinen Job bekommen. Du, der nicht nur über den Papst, sondern auch über Ajatollah Chomeini lästerst. Du, der nicht begreift, dass Minderheiten um jeden Preis zusammenhalten müssen und dass der einzige Feind der weiße, männliche Banker im Dienste des Systems ist.

Wann wirst Du endlich kapieren, dass Gewalt nur ein stummer Schrei nach Liebe ist. Das es keine Täter gibt, sondern der einzige Täter die Gesellschaft ist? Dass Schwule nur deshalb verprügelt werden, um die Verzweiflung gegenüber der eigenen Diskriminierung  zu artikulieren? Dass Diskriminierung zu Diskriminierung führt? Dass die Opfer die wahren Täter sind, wie es Kollege Böss so unnachahmlich auf den Punkt bringt:

Weil ein Täter erst durch sein Opfer zum Täter wird, ist natürlich das Opfer schuld an der sozialen Ausgrenzung des Täters. Das Opfer ist der Täter, der Täter das eigentliche Opfer.

Dabei zeigt doch ein Blick auf die Schwulen selbst, dass der Erklärungsversuch eines Opfers, der durch Diskriminierung zum „Täter“ wird, auf tönernen Füßen steht. Welcher Schwule wird denn in dieser Gesellschaft nicht diskriminiert, belächelt und verspottet?

Und was hat das zur Folge? Marodieren wir deshalb durch die Straßen und schlagen andere Menschen zusammen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: