Die Revolution saurer Vaginen

18 Apr

Wird das Buch eines westlichen Schriftstellers als „Skandal“ umschrieben, kann man sicher sein, dass dieses Buch alles ist, bloß kein Skandal. So ist es auch mit dem Buch der Schwedin Maria Sveland. „Bitterfotze“ nennt sich ihr garantiert sterbenslangweiliges Werk, in dem sie die ach so originelle These aufstellt, wie sehr Frauen in der westlichen Welt immer noch unterdrückt würden. Die „Welt“ hat sich herabgelassen, mit der verwöhnten, saturierten Pseudorevoluzzerin ein Interview zu führen: Was heißt es eigentlich eine „Bitterfotze“ zu sein?

Maria Sveland: Eine Bitterfotze ist eine wütende Frau. Sie ist das Gegenteil einer weiblichen Märtyrerin, sie leidet nicht still vor sich hin oder schluckt ihren Ärger herunter.

Nimmt man diese Definition als Maßstab, gibt es im heutigen Deutschland mehr als genug Bitterfotzen, denn seit den späten 60er Jahren gehört es zum guten Ton der holden Weiblichkeit, sich darüber zu beklagen, wie grausam Hausarbeit im Allgemeinen und überhaupt das Bügeln im Besonderen ist. Insbesondere in einer Gesellschaft wie der unserigen:

Eine Bitterfotze zu sein ist eine gesunde Reaktion auf unsere total kranke Gesellschaft.

Was damit gemeint ist, scheint klar:

Die brüskierende Ungleichheit zwischen Männern und Frauen.

Womit natürlich die angebliche Benachteiligung letzterer gemeint ist. Brüskierend an dieser Behauptung ist lediglich der absolute Realitätsverlust einer Frau, die nicht zur Bundeswehr muss, der man nicht von Kindheit an beibringt, dass es ihre Verpflichtung ist, Zeit ihres Lebens für Partner und Kinder zu sorgen, die durchschnittlich länger lebt und die die reale gesellschaftliche Perspektive hat zu wählen: zwischen der emanzipatorischen Selbstverwirklichung mittels Halbtagsarbeit – der ganztags arbeitende Mann ist ja da um sie notfalls zu versorgen – oder der Option, entspannt zu Hause zu bleiben um sich zwei, maximal vier Stunden am Tag der ach so schweren Hausarbeit zu widmen.

Ja, die Benachteiligung der Frau ist wirklich kaum zu ertragen:

Vor zehn Jahren war es noch in Mode, Feminist zu sein. Sogar unser Premierminister Göran Persson nannte sich so. Dann kam der 11. September und alles wurde überrollt von konservativen Werten in Bezug auf Familie, Mutterschaft, Ehe. Das gilt immer noch. Jetzt ist Zeit für einen neuen Kampf.

Insbesondere in Schweden, wo Frauen die nicht gebären und keine Familie gründen wollen, per richterlichen Beschluss in Fortpflanzungskliniken gesperrt werden um sie mittels Gehirnwäsche auf ein Leben als Mutter vorzubereiten.

Es heißt immer, schon aus biologischen Gründen sei die Mutter besser darin, die Kinder aufzuziehen. Was für ein Mist. Das ist nur ein effektiver Weg, Frauen zu Hause zu halten.

Und noch einmal: Wer zwingt Frauen zu Hause zu bleiben? Der Mann? Vielleicht in Neukölln aber ganz sicher nicht in Prenzlauer Berg.

Und dann ist da noch die leidige Sache mit dem Sex:

Einerseits ist es ist schön, wenn junge Frauen heute viele sexuelle Erfahrungen machen, ebenso wie Männer es immer getan haben. Aber ich habe das Gefühl, dass sie benutzt werden.

So ist das, wenn das Gefühl den Verstand beherrscht. Man sieht Dinge die sonst keiner sieht, weil sie nicht existieren. Früher haben die Frauen gejammert, dass ihnen die sexuelle Selbstbestimmung verweigert wurde. Nehmen Frauen diese jedoch in Anspruch kommt Schwester „Bitterfotze“ daher und sieht diese Frauen „benutzt“. Wie man es dreht und wendet: schuldig ist seit eh und jeh der Mann. Beziehungsweise das „System“:

Wir Frauen sind mit dieser Differenz aufgewachsen. Wir denken, sie sei normal. Es ist einfacher, dem System zu folgen als sich dem entgegenzustellen.

Woraufhin die „Welt“ ausnahmsweise eine interessante Frage stellt:

Also hindert weibliche Bequemlichkeit daran, für die eigenen Rechte zu kämpfen?

Natürlich nicht Bequemlichkeit, sondern die Tatsache, dass es für Frauen in unserem Lande nichts mehr gibt, was sie sich erkämpfen müssten. Was Frau Sveland natürlich anders sieht:

Ich glaube, es geht um Angst. Die Männer müssen Macht abgeben, wenn die Frauen anfangen nach draußen zu gehen. Das ist schmerzhaft.

Hallo, Frau Sveland! Aufwachen! Wo leben Sie eigentlich? In Saudi-Arabien? Waren Sie mal draußen? Da wimmelt es von Frauen: emanzipiert, kess, aufdringlich… Äh, ach klar, unter Feministen heißt das natürlich „benutzt“.

Wie dumm es einen macht, wenn die Vagina nicht mehr so süß ist wie gewohnt, erkennt man auch an dem guten alten Vergleich mit wirklich unterdrückten Menschen:

[…] ich denke schon, es ist fragwürdig, wenn man Dinge sagt wie, ich bin glücklich mit der Hausarbeit. Da stelle ich mir einen Schwarzen in der Apartheid vor, der für eine weißen Familie die Hausarbeit macht und sagt: Oh, sie behandeln mich gut. Das mag wahr sein für ihn, aber man muss das System darüber sehen.

Hausarbeit, Hausarbeit, immer wieder Hausarbeit. Es ist kein Wunder, dass westliche Feministen wie Frau Sveland beständig wegen der Hausarbeit klagen, weil es das einzig greifbare „Problem“ ist, an dem sie die Ungerechtigkeit des „System“ überhaupt noch darzustellen vermögen. Dabei steckt dahinter kein System. Hausarbeit muss gemacht werden, weil die Wohnung sonst verdreckt. Das ist alles. Doch nur eine Feministin kann dahinter eine böse Verschwörung sehen und seitenlang darüber lamentieren.

In einem schwulen Haushalt dagegen wird die notwendige Arbeit einfach gemacht. Und anschließend wird einander benutzt, d. h. man hat Sex. Der natürlich Spaß macht. Was unter anderem an fehlenden „Bitterfotzen“ liegt.

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4 Antworten to “Die Revolution saurer Vaginen”

  1. Neuer Peter 4. August 2013 um 02:28 #

    Jetzt weiß ich auch, warum sich so dermassen über den Waschmaschinenspot während der Frauen-EM aufgeregt wurde.

    Da ging es gar nicht um Stereotype.

    Nein, auf die Existenz von elektronischen Haushaltshelfern hinzuweisen, ist per se schon frauenfeindlich, weil man damit ihrer Jammerei die faktische Grundlage entzieht!

  2. DerdieBuchstabenzählt 4. August 2013 um 07:33 #

    Gut erkannt. Ich frage mich immer warum die Qualitätszeitungen immer wieder so einen Mist schreiben. Wollen die mit aller Gewalt auf die Auflagenstärke von „EMMA“ kommen? (Man bedenke hierbei, daß es „EMMA“ wohl ohne die Stützkäufe der Frauenbeauftragten nicht gäbe)

    „Wie man es dreht und wendet: schuldig..“Da musste ich an eine alte Volkswesheit denken.

    *Du kannst Dich drehen und wenden wie Du willst, der Arsch bleibt immer hinten.*

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    […] Europa ihre Forderungen entgegen, auch die Ehefrauen und Mütter, haben einiges zu sagen. Die Bitterfotzen unter ihnen haben sich in der selbst erklärten feministischen Partei „Die Frauen“ […]

  2. Die Partei der Semi-Liberalen « L for Liberty - 6. Juni 2009

    […] Sollen die Medien noch immer wegen der bösen Hausfrauenwerbung von einem Expertengremium von Bitterfotzen zensiert werden? Wird die EU auch in Zukunft jedem Land vorschreiben, dass es beispielsweise […]

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