Ethik eines Ungläubigen

20 Apr

Nachdem uns Bischof Mixa zu Ostern bereits erklärt hat, dass jeder der nicht an Gott/Jesus glaubt, zwangsläufig zum Nazi oder Kommunist werden muss, hat nun auch der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb,  die These aufgestellt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle nur Gottes Regeln befolgen würden. Welche Regeln und welcher Gott denn nun genau gemeint seien, ließ Steeb relativ offen, die zehn Gebote  aber seien schon mal ein guter Anfang:

Laut Steeb bildet insbesondere das Beherzigen der Zehn Gebote ein tragfähiges Fundament für ein „Leben mit Ewigkeitswert“. Beispielhaft nannte er die Hochachtung der Ehe, die Unantastbarkeit menschlichen Lebens von der Geburt bis zum Tod sowie den Rhythmus von Arbeits- und Feiertagen.

Meiner laienhaften Bibelkenntnis zufolge, lassen sich aus den Zehn Geboten tatsächlich solche Schlussfolgerungen ableiten. Und auch trotz (bzw. wegen) meiner atheistischen Affinität, finde ich die Steebschen Beispiele recht vernünftig. Die Ehe z. B. schätze ich sogar mehr als große Teile der Kirchen, denn diese wollen sie einer privilegierten Schicht vorenthalten, während ich sie auch auf homosexuelle Paare ausgeweitet sehen möchte. Gegen die Unantastbarkeit des Lebens habe ich ganz bestimmt nichts, mein grausames atheistisches Gemüt würde jedoch ergänzen, dass die Unantastbarkeit des Lebens anderer deutlich über dem des eigenen Lebens angesiedelt sein sollte. Was nun Feiertage angeht: Die sind echt cool!

Doch wie hält man es eigentlich mit den ethischen Positionen der Evangelikalen?

Nach Angaben des Theologieprofessors Thomas Schirrmacher (Bonn) genießen Evangelikale außerhalb der Medien häufig große Sympathie. So sei die Weltweite Evangelische Allianz vor kurzem von Spitzenrepräsentanten der Vereinten Nationen gelobt worden, weil sie die internationalen Millenniumsziele unterstütze. Diese sehen unter anderem eine Halbierung der Armut bis zum Jahr 2015 vor.

Nun ist es keine große Kunst sich hinzustellen und laut in alle Welt zu posaunen, dass man es voll gut fände, wenn die Armut der Welt schnellstmöglich halbiert würde. Wie das geschehen soll, sagen uns die Evangelikalen – genau wie die UNO – allerdings nicht. Dabei wäre die Lösung relativ einfach: Man schaue auf den Westen und ignoriere die heroisch revolutionären Pfade Afrikas.

Laut Schirrmacher vertreten Evangelikale zwar feste ethische Positionen, etwa in der Ablehnung von Abtreibung, Scheidung, Suchtmitteln und Homosexualität. Sie bildeten aber häufig auch diejenigen gesellschaftlichen Gruppen, die sich am wirkungsvollsten um Frauen, die abgetrieben haben, um Drogenabhängige, Scheidungswaisen und Homosexuelle kümmerten, die Hilfe für eine heterosexuelle Lebensweise wünschen.

Ja, ja, ohne die Evangelikalen würden wir im Handumdrehen alle ethischen Maßstäbe verlieren. Man sieht das ja an Menschen wie mir, die weder Abtreibung, noch Scheidung, noch „Suchtmittel“ oder Homosexualität kategorisch ablehnen und auch noch die völlig absurde Ansicht vertreten, dass Menschen, welche die Liebe zweier Menschen zueinander auf die gleiche Stufe stellen  wie Abtreibung und Suchtmittel, nicht mal wissen was ethische Positionen überhaupt sind.

Was nun die Hilfe der Evangelikalen für Frauen in Kindernot, Drogenabhängige und Waisen angeht, bin ich bereit zuzugeben, dass ihre Hilfe die meine bei weitem übersteigt. Wenn die Hilfe für dieses Klientel allerdings so aussieht wie die, welche Evangelikale im Allgemeinen den Homos angedeihen lassen wollen, erscheint mir die Option, nicht zu helfen jedoch weitaus menschlicher.

14 Antworten zu “Ethik eines Ungläubigen”

  1. Schirrmacher 23. April 2009 um 07:30 #

    Lieber Adrian, da ich direkt angesprochen bin: Die Weltweite Evangelische Allianz stellt sich nicht hin und fabuliert über Armut, sondern ist vor allem vor Ort aktiv. Immerhin sind 80% ihrer Millionen Mitglieder aus dem Globalen Süden und die Menschen vor ort entscheiden, was mit den zur Verfügung gestellten Geldern am besten geschieht. Ehrliche Frage: Was hast Du den persönlich schön gegen Armut beigetragen, dass du so abfällig über andere reden kannst, die das tun? Dein Thomas

  2. Adrian 23. April 2009 um 10:23 #

    „Die Weltweite Evangelische Allianz stellt sich nicht hin und fabuliert über Armut, sondern ist vor allem vor Ort aktiv.“

    Beeindruckend. Bleiben Sie am Besten gleich vor Ort.

    „Was hast Du den persönlich schön gegen Armut beigetragen“

    Kennen Sie den elterlichen Erziehungsspruch: „Iss Deinen Teller leer, denk an die Kinder in Afrika, die gar nichts zu essen haben.“
    Nun, ich habe meinen Teller immer leer gegessen.

  3. Schirrmacher 23. April 2009 um 12:13 #

    Tja, sowas habe ich schon befürchtet, dass nur Witze über die Armut in Afrika usw. machen können, die verstecken, dass sie nicht nur selbst nichts tun, sondern über andere den Kopf schütteln, die – aus welchen Gründen auch immer – Hand anlegen. Ich dagegen rede davon, vor Ort durch Kleinkredite für Arbeit zur sorgen, vor Ort durch Brunnenbau von Dorfgemeinschaften lebenswichtiges Trinkwasser zu beschaffen oder aber tagelang am Bett von AIDS-Kranken zu sitzen und Hilfe zu organisieren.

  4. Adrian 23. April 2009 um 12:20 #

    „Tja, sowas habe ich schon befürchtet, dass nur Witze über die Armut in Afrika usw. machen können“

    Es waren eigentlich weniger Witze über die Armut in Afrika, als eher Witze über Sie.

    „sondern über andere den Kopf schütteln, die – aus welchen Gründen auch immer – Hand anlegen.“

    Och, ich habe nicht dagegen Hand anzulegen. Ich selbst tue das mehrmals in der Woche.

  5. Steven 23. April 2009 um 21:11 #

    @ Adrian:

    „Nun, ich habe meinen Teller immer leer gegessen.“

    Ich hoffe, Du hast Ausgleichsmaßnahmen ergriffen.

  6. Adrian 23. April 2009 um 21:19 #

    Hä?

  7. Steven 23. April 2009 um 21:48 #

    @ Adrian:

    Na, ich nehme an, es war bei Dir zu Hause nicht anders als bei mir: 1. Hat’s meistens gut geschmeckt und 2. waren die Portionen riesig.

    Ich musste da schon was tun, so sportmäßig meine ich, um W 30 L 32 hinzukriegen (das Problem war das W, an L kann man nicht so viel machen).

  8. Adrian 23. April 2009 um 21:57 #

    Ich finde es gibt Wichtigeres als ständig auf seine Figur zu achten.

  9. Steven 23. April 2009 um 23:18 #

    @ Adrian:

    Stimmt! 😉

  10. Damien 24. April 2009 um 10:08 #

    @Steven:
    Puh, jetzt bin ich aber beruhigt. Ich dachte schon, mit meinen 38/32 müßte ich beim Lesertreffen an den Katzentisch, um all den Männern mit den genormten Körpern nicht den Appetit zu verderben 😉

  11. Steven 24. April 2009 um 22:03 #

    @ Damien:

    38/32 ist aber doch auch eine Norm… 😉

  12. Damien 25. April 2009 um 09:21 #

    @Steven:
    Ja, aber es gibt nicht wenige Schwule, die tun so, als seien es Untermenschen, die diese Norm erfüllen und nicht ihre. Und darauf reagiere ich mittlerweile allergisch, weil ich es als Zumutung empfinde, wenn Menschen so herabgewürdigt werden. Abgesehen davon, dass es einfach albern ist, den eigenen Geschmack zu verallgemeinern.

  13. Steven 25. April 2009 um 10:43 #

    @ Damien:

    Hm, irgendwie habe ich da wohl ungeschickterweise etwas angestoßen, was ich gar nicht wollte. Nur soviel: Würde ich ‚meine Norm‘ als Maßstab für andere Menschen nehmen, hätte ich weder meinen Freund, noch überhaupt Freunde, noch Sexpartner.

  14. Damien 25. April 2009 um 13:22 #

    @Steven:
    Eigentlich gehört die Diskussion gar nicht hierhin, sondern unter Deinen W 30/L 32-Beitrag. Und da schreib ich jetzt auch noch mal was. Damit das Durcheinander nicht noch größer wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: