Halluzination und Homosexualisierung

27 Apr

Evangelikale Kompetenz in Sachen Internet sieht anders aus:

Den Grund für diese Unterdrückung sieht White in dem Versuch, die Gesellschaft homosexualisieren zu wollen. Eine solche Interpretation dürfte bei Vertretern der Lesben – und Schwulenbewegung vermutlich auf einigen Widerspruch stoßen. Verständlich und zulässig erscheint eine solche These jedoch mit Blick darauf, dass sich Teile der Schwulenbewegung in einer Form präsentieren, die den Eindruck einer Homosexualisierung vermittelt. So ist in einem Blog unter der Überschrift „Shocking! – Britain goes gay By Adria“ im Portal „Gay West“ zu lesen:

Armer Adrian, wo haben die Dein „n“ gelassen? Morgen heißt es dann sicher wieder, Schwule erkenne man daran, dass sie sich Frauennamen geben.

„Egal ob CDU in Deutschland, die Republicans in den USA und nun auch noch die Tories in Großbritannien, überall in diesen Parteien wimmelt es von Homo-Initiativen, Homo-Gruppen, Homo-Sympathisanten und sogar leibhaftigen Homos, bereit sich ins Getümmel zu stürzen und die linke Meinungsführerschaft auf diesem Gebiet, quasi in einem Überraschungsangriff von hinten, zu brechen. …
Wer hätte jemals gedacht, dass sich eine konservative Partei, die ansonsten in der Reproduktion den Grundstein ihrer Macht sieht, weil ja nur so “die Gesellschaft”, also der Staat, am Leben bleibt, so warme Worte für Gebär- und Zeugungsverweigerer findet


Solche Entwicklungen werden durch Blogs der Schwulenbewegung wie den Blog „Verschwulung der Welt“ bildhaft illustriert (siehe Grafik  aus dem WordPress Blog „Die Verschwulung der Welt).

„Verschwulung der Welt“? Ein Tag bei WordPress, kein Blog. Das müßte für bibeltreue Christen einfach nachvollziehbar sein. Ein Blog kommt schließlich nicht vor in der Bibel, ein Tag dagegen schon, am siebten ruhte Gott.

Bemerkenswerter noch aber als die zweifelsohne vorhandene terminologische Unkenntnis ist der Inhalt des inkriminierten Zitats. „Verschwulung der Welt“ also soll ein Programm von Teilen der Schwulenbewegung sein? Tatsache ist, dass in der etwas vornehmeren Variante der „Homosexualisierung der Welt“, diese Behauptung doch gerade von christlichen Hasspredigern in die Welt gesetzt wird. Substanz hat sie ebenso wenig wie die von der Verjudung der Welt. Beide sind der Ausdruck von Wahnideen christlicher Fanatiker, die damit jeweils ihre verschwörungstheoretische Variante präsentieren. Zwar ist es nicht zu übersehen, dass sich auch in bisher von naiven Zeitgenossen für „homo-frei“ gehaltenen Bastionen Schwule und Lesben zunehmend zu Wort melden. Das aber liegt nicht an einer „Unterwanderung“ von Bundeswehr und Kirche, CDU und Polizei, Burschenschaften und Unternehmerverbänden, sondern daran, dass sich immer weniger Schwule und Lesben die Gleichung, wer homosexuell sei, müsse automatisch Pazifist und antiklerikal, links und antikapitalistisch sein, zu eigen machen bzw. durch ihr Outing in entsprechenden Organisationen den praktischen Gegenbeweis antreten.

Das aber macht Menschen mit einfachem Weltbild Angst. Früher war alles so einfach: Die Schwulen waren die Schweine, die am CSD ihre nackten Ärsche präsentierten, nachts, wo anständige Menschen schliefen, in dunklen Räumen Gruppensexorgien feierten, Frauenkleider trugen oder Lack und Leder, anders waren. Wo aber soll das hinführen, wenn Herr Müller von nebenan, der doch stets korrekt im Anzug zur Arbeit und sonntags zur Kirche geht, jeden Samstag sein Auto wäscht und täglich seinen deutschen Schäferhund Gassi führt sich plötzlich auch als so einer herausstellt? Wie soll man sich da noch von denen abgrenzen? Wie ohne viel Aufwand demonstrieren, dass man selber nicht so einer ist? Da bietet die These von der geplanten Homosexualisierung einfache Abhilfe. Sie sind eben doch nicht wie wir, sondern wollen, dass wir alle wie sie werden. Einem Hetero würde so etwas nicht passieren. Man ist schließlich tolerant.

3 Antworten zu “Halluzination und Homosexualisierung”

  1. Konstantin 27. April 2009 um 21:11 #

    Wer wirklich heterosexuell ist, muss wohl keine Angst haben, plötzlich schwul zu werden, bloss weil in irgendeiner Stadt eine Gay-Parade stattfindet. Die Argumentation klingt ja so, als würde ein Heterosexueller automatisch schwul, wenn er ein paar Schwule in Lederklamotten herumtanzen sieht.
    Ein echter Heterosexueller steht auf Frauen und nicht auf Männer: Heterosexualität ist nicht umpolbar. Das sollte wohl allen Heteros klar sein – ausser jenen, die selbst irgendwo schwul sind und es sich nicht eingestehen wollen.

  2. lalibertine 27. April 2009 um 21:19 #

    Das ist ja köstlich!
    Diese Fundis sind so bekloppt, da fragt man sich wie die es schaffen unfallfrei eine Toilette zu benutzen.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Mediales Abendessen zum: April 27th | Gay-Blog.org - Schwules Weblog - 27. April 2009

    […] Shared 3 photos. — 6:00pm via wordpress.com Daniels Drag-Desaster Berliner Differenzen Halluzination und Homosexualisierung […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: