Warum Katholiken weniger über Homosexualität als über ihren Glauben sprechen sollten

23 Mai

Ich finde es absolut zerstörerisch, wie heute, wenn es um die katholische Kirche geht, praktisch nur noch über ein schmales Segment von einigen wenigen Fragen wie Priesterzölibat, Homosexualität, Kondome oder Hexenverfolgung gesprochen werden darf. Da machen wir Katholiken dann oft auch selber noch mit und blockieren uns so gegenseitig. Das ist dann bloss noch peinlich. Dabei übersehen wir alle diese Vakuum-Existenzen rund um uns herum, wo Menschen wirklich sehnsüchtig nach Spiritualität sind!

Meint der österreichische Zisterzienser-Pater Karl Wallner und mahnt:

Zentraleuropa sei derzeit der einzige „religionsresistente Raum“ weltweit, stellen Forscher fest. Wir hatten ja auch eine böse Vergangenheit: Seit der Aufklärung und Voltaire gibt es einen Kirchenkampf, der sich auf brutalste Weise geäussert hat – im Juden- und Christenhass der Nationalsozialisten, im Atheismus der Sowjetdiktaturen. Insofern ist diese Verschämtheit und Privatisierung angesichts der Religion verständlich.

Doch wir müssen uns jetzt davon verabschieden. Denn in der Zwischenzeit haben wir einen hohen Prozentsatz von Muslimen bei uns in Mitteleuropa, für die Religion etwas höchst Öffentliches ist. Mir erzählen Eltern, dass ihre Kinder, die daheim keine Zeichen von Religiosität setzen, in der Schule sehr wohl antworten müssen auf Fragen der Klassenkameraden, die wissen wollen: Wie ist es mit eurem Jesus?

Das Reden über den Glauben muss wieder ein öffentliches Thema werden. Sonst wird es vereinnahmt von politischen Parteien, die das Christliche instrumentalisieren, und es kann daraus Fremdenhass entstehen.

Eine Antwort zu “Warum Katholiken weniger über Homosexualität als über ihren Glauben sprechen sollten”

  1. Ralf 23. Mai 2009 um 14:52 #

    Das Problem am Katholizismus scheint mir aber gerade zu sein, dass in seiner Dogmatik, zumindest soweit sie von den Hierarchen öffentlich vertreten wird, der Hass auf Schwule und Lesben die Hauptrolle spielt. Wenn katholische Amtsträger über ihren Glauben reden, sprechen sie also zwangsläufig gegen Freiheit und Rechte ihrer schwulen und lesbischen Mitmenschen, und zwar häufig in einer Diktion und mit einem Inhalt, die an unselige Zeiten erinnern.

    Was dagegen die Frage nach der Religion allgemein angeht, ist es ganz legitim, diese ggf. auch negativ zu beantworten, nämlich dahingehend, dass man sie weder hat noch braucht. Es gibt keinen Grund, sich insoweit von Religiösen unter Begründungszwang setzen zu lassen. Wer an altorientalische Legenden glaubt und sie im Europa des 21. Jh.s zur Richtschnur seines Lebens macht, muss das begründen – nicht wer das nicht tut.

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