Politik und Neurose

29 Mai

Gut zwei Wochen ist es her, dass Heinz-Christian Strache (FPÖ) während einer Rede bei einer „Anti-Moscheen-Demo“ in Wien plötzlich ein Kruzifix aus der Tasche zog und es der Menge entgegen hielt. Die Kritik daran ist zahlreich und kommt aus allen politischen Lagern. In der Presse äußerte sich jetzt Johannes Okoro, der alt-katholische Bischof in Österreich, zu dem Vorgang:

Ich habe es gesehen, und es wirkte sehr provokant. Besonders wenn man versucht, mit solchen Darstellungen Stimmung zu machen. Das Christentum hat für mich eine klare Botschaft: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst und liebe Gott. Deshalb ist Jesus am Kreuz gestorben. Wenn man ein Kreuz hält, ist das ein Zeichen der Liebe. Aber wenn man nicht die Liebe predigt, sondern Hass, dann ist das für mich fehl am Platz. Deshalb bin ich gegen eine solche Art von Politik, wenn man dabei versucht, Menschen zu manipulieren.

Diese Art der Politik, in der Minderheiten diskriminiert werden, ist neurotisch. Es wird versucht, eine Politik für die Mehrheit zu betreiben und zu unterscheiden zwischen Einheimischen und Fremden. Minderheiten sind für uns sehr wichtig. Das Andersdenken des anderen Menschen bringt eine gewisse Dynamik in der Gesellschaft. Was passiert aber, wenn man anfängt, Frauen und Menschen mit Behinderung, Ausländer und Homosexuelle zu diskriminieren – auch Altkatholiken und Moslems? Es führt zu einer Lebensart, die krankhaft ist. Als Bischof bin ich für Toleranz und Akzeptanz der Minderheiten. Das Miteinanderleben verschiedener Gruppen bringt eine neue Lebensqualität für alle. Ich habe zu Zeiten der Apartheid erlebt, wie viele Qualitäten, wie viele Fähigkeiten damals verloren gegangen sind, weil eine Gruppe diskriminiert worden ist. Deshalb ist meine Kirche immer für die Toleranz. Jeder Mensch ist ein Kind Gottes, und weil wir Kinder Gottes sind, haben wir auch das Recht zu leben. Herr Strache kann vielleicht die ganze Welt gewinnen, aber er verliert dabei seine ganze Seele.

Ich bin auch Psychologe und Psychotherapeut und ich weiß, dass Leute, die in gespalteten Verhältnissen leben, leiden und neurotisch sind. Dieses neurotische Menschenbild bringt Chaos in diese Welt. Man muss versuchen, Gestalt zu haben und eine Einheit in sich zu haben, bevor man den Menschen begegnet. Ich bin dagegen, dass solche Menschen Führungspositionen einnehmen.

Eine Antwort zu “Politik und Neurose”

  1. Marti 29. Mai 2009 um 19:06 #

    Der gute Johannes Okoro meist es da sehr gut, ich fürchte nur mit „Nächstenliebe“ wird man die Probleme um den Islam nicht lösen.

    Der Islam ist nämlich mehr als ein vom Kolonialismus traumatisiertes, zurückgebliebenes Christentum, das man mit Sozialarbeit und Nächstenliebe wieder resozialisieren kann.

    Der Mainstream-Islam ist eine eigenständige Religion mit ganz eigenen Regeln. So fehlt beispielsweise so etwas wie ein universales Tötungsverbot. Vielmehr ist das Töten eines Menschen erstmal kein Verbrechen, sondern ein Fall für „Wiedervergeltung“ (qisas), d.h. Schadensausgleich.

    Man muss also den Schaden bezahlen, oder kann, wenn die das Opfer gleichwertig war (also beispielsweise Muslim) auch nach dem Grundsatz Auge um Auge auch getötet werden.

    Tötet ein Muslim aber einen Christen, darf er nach klassischem recht niemals getötet werden, sondern muss nur bezahlen, natürlich weniger als für einen Muslim.

    Hat er kein Geld, dann geht er eben straffrei aus.

    Kommt das Opfer aus der gleichen Familie (etwa eine „Schlampe“, die vom Bruder umgebracht wird), kann das Familienoberhaupt dem Täter verzeihen. Schadensersatz entfällt, da ja die Familie den Schaden hat, weil die Frau ja der Familie gehört.

    Ob man da viel mit Nächstenliebe ausrichten kann?

    Übrigens fallen umgebrachte Schwule in eine ähnliche Kategorie wie „Schlampen“.

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