Abserviert, nicht konvertiert

16 Jun

Mit reichlicher Verspätung erklärt sich Michael Götz, Leitender Sekretär im CVJM, zur Diskussion um „Umpolungs“-Seminare auf dem Christival. Angesichts der kaum anders verlaufenden Debatten zum Marburger Kongress im vergangenen Monat lohnt sich eine Auseinandersetzung mit Götz‘ Text. Eines seiner – falschen – Argumente lautet, „die Homo-Lobby“ habe das „Umpolungs“-Seminar verbieten lassen:

Zudem fragen sich sicherlich viele junge Christival-Besucher, die sich in Jugendverbänden, Kirchengemeinden und in ihrem gesellschaftlichen Umfeld engagieren und eine eigene Meinung haben, warum sie sich nicht selbst ein Bild in diesem Seminar machen dürfen und ein Bundestagsabgeordneter Herr Beck sie bevormundet und das Seminar absagen lässt.

Jeder darf sich sein eigenes Bild machen. Das Problem bei der Sache war jedoch nicht das Seminar an sich, jedenfalls in der Argumentation von Beck, sondern die Steuerfinanzierung des Christivals und die Schirmherrschaft von der Leyens dafür. Vor diesem Hintergrund wurde gefordert, das Seminar abzusagen. Hätte man seitens der Veranstalter auf die Steuergelder und die Schirmherrschaft der Familienministerin verzichtet, wäre eine wesentliche Grundlage für die Forderung nach Absage des Seminars entfallen.

Zum anderen gibt es aber auch homophil empfindende Menschen, die mit ihrer homosexuellen Orientierung nicht leben wollen, sich freien Willens einer Therapie unterzogen haben und heute glücklich in einer heterosexuellen Beziehung leben.

Kennen Sie so einen? Alle „Umpolungs“-Organisationen sprechen zwar immer wortreich davon, nur präsentieren können sie nie eines dieser offenbar äußerst seltenen Exemplare. Hier (runterscrollen bis zum Ende der Seite) findet sich ein Interview mit Markus Hoffmann von Wüstenstrom, in dem deutlich wird, warum er trotz anfänglich homosexueller Empfindungen heute in der Lage ist, mit Frau und Kindern zu leben: Der Mann ist schlicht bisexuell und hat sich entscheiden, seine homosexuellen Empfindungen nicht mehr auszuleben. Das aber ist wohl etwas grundsätzlich anderes als wenn ein ausschließlich homosexuell empfindender Mann heterosexuell „werden“ soll. Das geht nicht.

Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass die Konvertierung in eine homosexuelle Lebensweise als Coming-Out gefeiert wird und eine Konvertierung in eine heterosexuelle Lebensweise als fundamentalistischer Skandal abgeklatscht wird.

Niemand konvertiert in eine homosexuelle Lebensweise. „Konvertieren“ meint die willentliche Entscheidung zum Wechsel. Das gibt es nicht im Bereich der sexuellen Orientierung. Mit dem Begriff des „Coming-Out“ wird folglich nicht eine „Konvertierung“ gefeiert, sondern etwas längst Empfundenes nach außen gebracht. Ebenso gibt es keine Konvertierung in eine heterosexuelle Lebensweise. Was es gibt, ist der Wunsch von Homosexuellen, aufgrund von Diskriminierung durch Gemeinde und Kirche, heterosexuell werden zu wollen. Hinzu kommen die unlauteren Angebote der „Umpoler“, die wider besseres Wissen verzweifelten Menschen vorgaukeln, eine „Umpolung“ wäre möglich. Mehr ist nicht dran, an den Märchen von der Konvertierbarkeit.

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15 Antworten to “Abserviert, nicht konvertiert”

  1. Manu 16. Juni 2009 um 17:48 #

    Nur weil du meinst, dass es keine Konvertierung in eine homosexuelle Lebensweise gibt, heisst das noch lange nicht, dass dies auch so ist.
    Ich aus meiner Sicht bejahe die Sicht, dass es sie gibt. Wobei Homosexualität nichts anderes ist, als das bewusste abwenden von der eigentlichen Sexualität.

  2. Damien 16. Juni 2009 um 20:12 #

    Es geht nicht darum, ob ich oder sonst jemand „meint“, dass es keine Konvertierung gibt, es geht darum, dass die Leute von Wüstenstrom niemanden vorweisen können, bei dem die Konvertierung gelungen ist.
    Warum hat Gott eigentlich Homo- und Heterosexuelle geschaffen? Damit Leute, die es besser wissen als er, ihm ins Handwerk pfuschen?

  3. Sergej 16. Juni 2009 um 20:50 #

    Gott hat mich schwul gemacht!

  4. Manu 16. Juni 2009 um 21:43 #

    Ne ne, die Sache sieht anders aus, Damien.

    Die Frage ist nicht „Warum hat Gott eigentlich Homo- und Heterosexuelle geschaffen?“.
    Sondern die Frage ist „Hat Gott eigentlich Homo- und Heterosexuelle geschaffen?“

    Diese Frage beantworte ich mit Nein.

    Er hat Menschen mit einer (also nicht mit 2 oder drei, sondern mit einer einzigen) Sexualität ausgestattet. Das heisst, es gibt nur eine Art und Weise der Sexualität, die von Gottt gewollt ist. Und wenn du die Bibel liest findest du in Nullkommanichts heraus, dass das bestimmt nicht das ist, was du „Homosexualität“ nennst.

  5. Damien 17. Juni 2009 um 08:25 #

    @Manu:
    Deine Frage ist eine andere, okay. Damit kann ich leben. Ich hoffe, Du respektierst auch, dass andere Christen zu einer anderen Antwort auf Deine Frage kommen.
    Tatsächlich glaube ich auch, dass Gott Menschen mit einer Sexualität ausgestattet hat, dass es jedoch unterschiedliche Möglichkeiten gibt, wie sie sich äußert, z.B. homo- und hetero. Das einzige, was zählt, ist, dass die Beteiligten einander dabei gut tun, sich verantwortlich für den anderen verhalten.
    In der Bibel findet sich über homosexuelle Menschen kein Wort. Das weißt Du, wenn Du die Bibel kennst, genauso gut wie ich.
    By the way: Was sagt Gott eigentlich über christlichen Metal? Ich wüßte nicht, wo Gott das in der Bibel erlaubt. Und trotzdem machst Du eine Page dazu? Tststs, wohin soll das noch führen… 😉

  6. Manu 17. Juni 2009 um 12:49 #

    Stück für Stück:

    Aus der Bibel kann ich ableiten, dass es nur eine einzige Sorte Christen gibt und diese in ihren Merkmalen auch ziemlich gleich sein sollte. Da dies aber heutzutage nicht der Fall ist, fällt die Bibel auch ein riguroses Urteil über jene, die sich Christen nennen, es aber nicht sind.
    Wenn jemand andere Meinungen hat als ich, ok.
    Aber dann muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er überhauot Christ ist.

    Nein, diese Sexualität beinhaltet keine Ausschweifungen, da \“Homosexualität\“ keine Sexualität im eigentlichen Sinne darstellt, sondern lediglich ein Gedanke zur Perversion des Ganzen ist.

    Und in der Bibel finde ich dutzende Stellen, die mir die \“Homosexualität\“ verbietete. Mal ganz abgesehen davon, dass die Bibel an keiner Stelle auch nur mildernd auf diese Sache einredet verurteilt sie es spätestens bei Stellen wie Leviticus 18, 22 oder Leviticus 20, 13.
    Nicht zu vergessen, dass Sodom und Gomorra wegen dieser und weiterer Perversionen von Gott vernichtet wurde (Gen. 19,4-13).

    Die Entscheidung \“homosexuell\“ zu sein, ist eine Auflehnung gegen den Schöpfer.

    Zu christlichem Metal: Auf der Homepage gibt es dazu eine Seite, die noch ausgebaut wird. Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion hierrüber lostreten.

  7. Damien 18. Juni 2009 um 08:05 #

    @Manu: Was für eine merkwürdige Bibelübersetzung benutzt Du? Ich kenne keine, in der steht, dass Christen „ziemlich gleich“ sein sollten. Was für ein Alptraum! In meiner Bibel steht „Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen!“ (Galater 5,13).
    Erschreckend finde ich das: „Wenn jemand andere Meinungen hat als ich, ok. Aber dann muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er überhauot Christ ist.“ Mit welchem Recht nimmst Du für Dich in Anspruch, zu definieren, was einen Christ ausmacht? Sicher weißt Du, wieviele unterschiedliche Denominationen es im Christentum gibt. Wer entscheidet denn, welche davon richtig sind?
    „Ausschweifungen“ – was immer das ist – gibt es bei Hetero- wie bei Homosexuellen.
    Was soll denn „pervers“ daran sein, wenn zwei Menschen sich lieben?
    Die Bibelstellendiskussion will ich hier nicht erneut führen, es gibt genug Möglichkeiten, dazu ausführlich zu lesen, z. B. hier: http://www.zwischenraum.net/themenframe.htm
    Niemand „entscheidet“ sich, homosexuell zu sein. Gott hat uns unterschiedlich geschaffen, die einen homo, andere hetero, wieder andere bi. Die einzige Entscheidung, die wir haben, ist die, ob wir Gottes Schöpfung ehren oder verachten.
    Gott befohlen!
    Damien

  8. Manu 18. Juni 2009 um 10:36 #

    Wieder mal Stück für Stück:

    Wenn du Freiheit mit Gesetzeslosigkeit gleichsetzt, müssen wir sowieso erst nochmal von vorn anfangen.
    Was du erschreckend findest oder nicht ist ziemlich egal. Fakt ist, dass Gott keine Denominationen will. Ortsgemeinden ja, aber Denominaionen nicht, da es keine unterschiedlichen Ansichten geben sollte, egal ob du das akzeptieren kannst oder nicht.

    Nochmal: Homosexualität gibt es nicht. Es gibt nur eine kranke Form dessen, wie man Sexualität leben will. Und da Homosexualität eine Krankheit ist brauchst du auch nicht zu glauben, dass Gott irgendjemanden mit diesem Defizit schafft, wenn genau das widerrum der Grund ist, warum er derartige Menschen verflucht.
    Du musst im übrigen rechnen mit dieser blasphemischen Einstellung in die Hölle zu kommen.

  9. Damien 18. Juni 2009 um 11:01 #

    @Manu: Wie kommst Du jetzt auf Gesetzlosigkeit?
    Woher weißt Du, dass Gott keine Denominationen will?
    Ich höre, dass Du der Meinung bist, dass es unter Christen keine unterschiedlichen Ansichten geben sollte. Das Gott in den Mund zu legen, grenzt für mich an Blasphemie. Ob Du dafür in die Hölle kommst? Ich glaube, Gott gibt Dir noch einmal die Chance zur Umkehr. Er liebt auch Dich, auch wenn Du ihn Satz für Satz beleidigst.
    „Homosexualität gibt es nicht.“? Und die Erde ist eine Scheibe?
    Homosexualität hälst Du für eine Krankheit? Damit fällst Du selbst hinter den evangelikalen Mainstream zurück, der zur Zeit verkündet, H. sei Resultat eines Ich-Defizits. Was natürlich auch Unsinn ist.
    Du weißt also, wen Gott verflucht? Gnade uns Gott vor „Christen“ wie Dir. Mit dieser Einstellung wurden schon viele Morde legitimiert.
    Aber, wie gesagt: Jesus liebt auch Dich. Kehre um. Noch ist Zeit.

  10. Manu 18. Juni 2009 um 11:07 #

    Damien?

    GOTT wird dich gnadenlos in die Hölle schmeissen. Und wenn es passiert, dann bist du selbst schuld.

    Dies ist mein Schlusspunkt in diesem Thema!

  11. wurstbrot 18. Juni 2009 um 12:43 #

    Als Christ schäme ich mich wirklich, wenn ich solche Äußerungen lesen muss. Da bekommt das Bild des Pharisäertums zu Zeiten Jesu heute eine neue schreckliche Gestalt. Als Nachfolger Jesu weiß ich mich von ihm angenommen wie ich bin, vor Gott muss keiner wegen seiner Sexualität streiten, weil es erst gar nicht nötig ist. Wenn Gott uns Christen zur Freiheit beruft, dann sicher nicht, um andere dafür in Ketten zu legen. Jesus hat sich stets gegen jede Art von verbohrtem Pharisäertum gestellt, weil ihm der Mensch immer wichtiger war. Jesu Liebe zu den Menschen muss grenzenlos gewesen sein, wenn er dafür sogar bereit war, sich für uns am Kreuz hinrichten zu lassen. Wenn ich Jesu Erlösungstat für mich in Anspruch nehmen darf weiß ich mich von Gott geliebt, die sexuelle Orientierung ist dann kein Ausschlusskriterium. Das ist das wunderbare, wenn man an Jesus Christus glaubt: ER macht keine Unterschiede. Wir Menschen schaffens aber irgendwie immer wieder schon. Deshalb schäme ich mich für derartige „Christen“, die nicht den Willen Jesu widerspiegeln sondern in selbstgerechter Art und Weise ihren Nächsten in Ketten legen und schlichtweg verdammen.

  12. Felix 19. Juni 2009 um 16:29 #

    Wo bin ich denn hier gelandet, ich dachte ich sei bei GayWest…

  13. Damien 19. Juni 2009 um 19:19 #

    @Felix: Ich verstehe Deine Frage nicht. Was irritiert Dich denn so?

  14. Sabine 19. Juni 2009 um 20:15 #

    wurstbrot: du bist ganz sicher kein christ, denn wenn ich die bibel lese, sehe ich einen jesus, der nie dazu aufgerufen hat, in aller freiheit zu vergessen, dass die gebote gelten, die die freiheit umrahmen. altes und neues testament sprechen sich gegen homosexualität aus. hast du mal den römer-brief gelesen?

  15. wurstbrot 19. Juni 2009 um 21:08 #

    http://www.soulforce.org/article/homosexuality-bible-gay-christian
    Du beziehst dich offensichtlich auf widernatürliche Praxis, das ist natürlich etwas anderes =) macht nichts, kann ja vorkommen.
    Und ja, wir sind gewissermaßen Geschwister, geistlich gesehen 🙂

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