1:0 für die Familie

26 Jun

Halil Ibrahim Dincdag, Schiedsrichter aus dem türkischen Trabzon, hat sich geoutet. Nun ist Homosexualität in der Türkei nicht strafbar, trotzdem müssen Schwule in der Türkei um Leib und Leben fürchten. Auch Dincdags Outing blieb nicht ohne Reaktion, er verlor seine Schiedsrichter-Linzenz. Der Fußballverband bestreitet allerdings, dass das Outing die Ursache hierfür sei:

Der Verband beruft sich auf eine Regel, wonach nur Schiedsrichter sein kann, wer auch seinen Militärdienst abgeleistet habe. Dincdag sei überdies „nicht fit“ und ohnehin ein unbegabter Unparteiischer, der es wohl nie in die erste Liga schaffen werden, lautete die offizielle Begründung von Verbands-Vizepräsident Lutfi Aribogan. Merkwürdig nur, dass dies den Verbandsfunktionären just in dem Moment auffiel, als sich der 33-Jährige outete.

Die Repression gegen Dincdag beschränkt sich nicht auf den Sport:

Nicht nur seine Schiedsrichterkarriere ist beendet, auch seinen Job bei einem Rundfunksender in seiner Heimatstadt Trabzon hat er verloren.

Dincdag hat sich unterdessen für einen Umzug entschlossen:

Aus der erzkonservativen Stadt an der Schwarzmeerküste ging Dincdag inzwischen ins „selbstgewählte Exil“, das weltoffenere Istanbul. Von der Stadt am Bosporus aus will der geschasste Schiedsrichter jetzt die Justiz bemühen, um seine Lizenz zurückzubekommen. „Notfalls gehe ich bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte“, kündigt Dincdag an.

Es freut mich, wie sehr er von seiner Familie Beistand erfährt, ohne dass der religiöse Hintergrund dem im Wege steht:

Unterstützt wird er nach eigenen Worten von seiner Familie, vor allem von seinem Bruder, einem islamischen Geistlichen.

Mut macht auch Dincdags Appell an die türkischen Schwulen in der Sportschau des TV-Senders Habertürk, frei von dem Anspruch, jeder Schwule habe die Pflicht zum öffentlichen Coming-Out:

Wehrt Euch, wenn Ihr unfair behandelt werdet – tut das, was für Euch richtig ist!

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