Zwei Mal CSD – und Bushido war auch da

28 Jun

Vor drei Jahren war ich zum letzten Mal beim CSD in Berlin. Es wurde also höchste Zeit unserem „Weihnachtsfest“ mal wieder einen Besuch abzustatten. Und nichts hat sich verändert. Er ist immer noch genau so bunt, schrill, kommerziell und, ja, politisch, wie die Jahre zuvor. Aber er ist eben nichts besonderes und einen Termin extra dafür frei machen, würde ich nach wie vor nicht. Aber ich hatte eben nichts besseres zu tun.

Und weil das so war, ging es anschließend gleich zum transgenitalen CSD nach Kreuzberg. Zwar nur ein knappes Stündchen, aber das reicht um sich einen authentischen Eindruck zu verschaffen. Sicher, die Parolen, die von der kleinen Bühne erschallen sind so albern wie erwartet, aber auch nicht anders als auf jedem x-beliebigen autonomen Stadtfest. Kreuzberg halt. Das Gewese, das um diese Alternativveranstaltung gemacht wird, kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Trotz aller Beteuerungen einer geschlechtslosen, „queeren“ Gesellschaft, sehen die Jungs und Mädels auch nicht anders aus als beim großen CSD und sind auch als Jungen und Mädchen eindeutig zu identifizieren. Eine rosa Perücke macht eben aus einem Mann noch keine Frau, egal ob diese in Kreuz- oder Schöneberg getragen wird. Und Che Guevara und den Roten Stern als T-Shirt-Aufdrucke sieht man heute ja (leider) auch überall. Und das Bier? Ist auch so teuer wie in Schöneberg. Von wegen „nicht kommerziell“…

Um zwei häufig gestellte, leidige Frage zu beantworten:

(1) Nein, der TCSD ist nicht politischer als der echte CSD. Er ist eben bloß linker. Als politischer gilt er lediglich deswegen, weil Linke alles jenseits ihres Weltbildes als einer politisch-argumentativen Auseinandersetzung nicht für würdig erachten.

(2) Nein, politische Inhalte, Party und Kommerz schließen sich nicht aus. Was erwartet man denn von den Teilnehmern der Parade? Sollen die Demoteilnehmer auf den gesponsorten Trucks ihre Transparente und Plakate alle mit Trauermiene und geballter Faust zur Schau stellen? Dann doch lieber Farben, Drag und dralle Hintern.

Das Schlimmste am gestrigen Abend passierte mir übrigens nicht in Kreuzberg, sondern noch beim großen CSD am Potsdamer Platz. Urplötzlich stand ich Auge in Auge Renate Künast gegenüber. Einen solchen Schock vergisst man so schnell nicht. Dagegen sind die Kindergartensprüche auf dem TCSD wahrlich eine echte Erholung.

Ach übrigens: Bushido war auch beim Transgenitalen CSD. Und hat er sich wenigstens benommen? Natürlich nicht. Man hat schließlich einen Ruf zu verlieren.

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