„Brüno“: Einfach witzig – und mehr nicht

9 Jul

Was wurde Sacha Barons Cohens neuestem Film „Brüno“ nicht alles nachgesagt: Homophob sei er, da er das Klischee des Schwulen als einer exaltierten Tunte bediene. Im Gegenteil, meinten andere, der Film würde die Homophobie ganz normaler Menschen bloß stellen und deshalb aufklärend wirken. Die „Weltwoche“ hieb gar in eine höchst originelle Kerbe, denn „Brüno“ sei eigentlich eine Parodie auf die Schwulenbewegung selber, eine Parodie des „Kultes“ der um Homosexuelle gemacht werde.

In Wirklichkeit ist „Brüno“ nichts von alledem – außer lustig. Wer Klamauk bis über die Schamgrenze mag; wer seinen erhobenen Zeigefinger daheim lässt („Darf man das?“); wer bereit ist, einen Witz als Witz zu sehen und  nicht als satirischen Form der Aufklärung; wer also bereit ist, das deutsche Streben nach „Tiefe“ über Bord zu werfen, der wird eine Menge zu lachen haben. Der einzige Makel dürfte dabei die deutsche Synchronisation sein, die viel vom Charakter und der originellen Stimme des Original-Brüno entstellt.

Zu den Highlights des Films gehören Brünos Friedenslied, mit dem er hofft, Israelis und Palästinenser zu versöhnen; sein Auftritt als allein erziehender Vater mit seinem für ein iPod erstandenen schwarzen Adoptivkind „O.J.“  in einer Talkshow vor schwarzem Publikum; sein Versuch, mit drei Südstaaten-Rednecks auf der Jagd eine Gespräch über „Sex and the City“ zu führen;  und seine Bemühungen, sich durch einen Besuch bei Swingern von seiner Homosexualität heilen zu lassen.

Cohen ist durchaus mutig. Sein Spaziergang durchs Viertel streng religiöser Juden in Jerusalem, bekleidet mit einer sehr sexy Variante orthodoxer Tracht; oder sein Gespräch mit einem Terroristen der Al-Aqsa-Brigade, dem er versichert, Osama bin Laden sehe wie ein schmuddeliger Weihnachtsmann aus; all das verblasst allerdings vor seinem Auftritt als Moderator in einer „Free-Fight“-Veranstaltung, besucht von einer Horde aufgepeitschter, asozialer Dummköpfe (man kann es nicht freundlicher beschreiben), die zwar begeistert sind, wenn sich zwei Männer aufs Maul hauen, sich aber in einen rasenden Lynchmob verwandeln, als Brüno beginnt, sich mit seinem Assistenten „Lutz“ im Ring zu küssen.

Cohens „Brüno“ ist ein Freak; ein eitler, saturierter, geltungssüchtiger Paradiesvogel; schamlos, grenzenlos, ein wenig naiv und gerade deshalb irgendwie sympathisch. Wer ihn ihm das Abbild des Schwulen an sich sieht, sagt damit mehr über sein Weltbild aus, als über Schwule. Im Gegenteil, kann man den Film stellenweise sogar als eine Verarsche von Heterosexuellen interpretieren. Die Abgedrehtheit von Brüno und sein geltungssüchtiger Zwang, der „berühmteste Österreicher seit Adolf Hitler“ zu werden, führt ihn in Randzonen der Gesellschaft, die dem gewöhnlichen Menschen normalerweise verschlossen bleiben. Brünos Gesprächspartnern fehlt das „normale“, das „gewöhnliche“, die „Nachbar von nebenan“-Attitüde. Er bewegt sich als Freak in einer Welt von Freaks. Die exotische Fremd- und übertriebene Albernheit der Figur Brüno ist wohl auch ein Grund dafür, dass einige der Provokationen bei den arglosen Protagonisten nicht so einschlagen, wie es von Cohen wohl geplant war. Das und das Milieu in dem sich Brüno bewegt sorgen dafür, dass dem Film der aufklärende Effekt fehlt, denn von dummen, reichen Blondinen mit aufgepumpten Möpsen, erwartet man als Zuschauer nun mal nichts anderes, als dass sie sich beim Gespräch, mit dem ebenfalls auf seinem eigenen Planten lebenden Brüno, lächerlich machen. Ebenso wenig ist man überrascht, wenn Eltern, die davon träumen ihre Kleinkinder ins Fernsehen zu bringen, nichts dagegen haben, das Kind dafür als Hitler zu verkleiden und bereit sind, dieses für Filmaufnahmen gleich Jesus an ein Kreuz zu „nageln“. Und dass ein Pastor, der davon lebt Schwule zu „heilen“, kein Freund der Schwulen ist, sorgt auch nicht gerade für ein Aha-Erlebnis.

Doch das sind alles eher Nebensächlichkeiten. Denn dass der Zuschauer nichts lernt, dass es nicht darum geht, ihn dazu zu bringen, seine Vorurteile zu hinterfragen, macht den Film durchaus nicht weniger sehenswert. Denn eigentlich ist es schön sich einen Film anzuschauen, über den man einfach mal nur lachen kann. Auch, wenn er bei weitem nicht an seinen Vorgänger „Borat“ heranreicht.

3 Antworten zu “„Brüno“: Einfach witzig – und mehr nicht”

  1. Georg Bruckner 10. Juli 2009 um 10:30 #

    Selbstverständlich muß Klamauk keine „Tiefe “ haben und auch keinen „erzieherischen Wert“, aber außer billigem Wiederkäuen von Stereotypen scheint der einfältige Streifen nichts zu bieten! Anspruchslosen und Unkritischen wird er daher bestimmt gut gefallen.

  2. Adrian 10. Juli 2009 um 11:34 #

    „Anspruchslosen und Unkritischen wird er daher bestimmt gut gefallen.“

    Stimmt! Solchen Leuten wie mir eben 😀

  3. Dagny 10. Juli 2009 um 13:30 #

    Super! Ich werd mir den Film (dessen Marketing erstaunlicherweise bis vorgestern an mir vorbeigegangen ist) aufgrund Deiner Empfehlung sicher ansehen.

    Herzhaft Lachen ohne pseudointellektuell verbiestert sein zu muessen? Herrlich.

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