Katholisch human

15 Jul

Werner Thissen ist Erzbischof von Hamburg. In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt äußert er sich zu einigen kontroversen Fragen, die immer wieder an die katholische Kirche gestellt werden. Beginnen wir mit der Frage nach Priesterinnen. Thissen begründet die Ablehnung von Priesterinnen damit, es gehe dabei

nicht nur um Fähigkeiten, sondern vor allem um Berufung

– und damit ja keine Frau auf die Idee kommt, sich berufen zu fühlen, soll Jesus selbst für die Diskriminierung verantwortlich sein:

Vor etwa sechs Jahren hat Papst Johannes Paul II gesagt, dass wir uns als katholische Kirche nicht befugt fühlen, Frauen zu Priestern zu weihen. Weil Jesus die amtlichen Aufgaben in seiner Kirche den Männern anvertraut hat.

Bei Emergent Deutschland gibts dazu einen interessanten Podcast, in dem auch die geschichtliche Entwicklung der heutigen Männerkirche aufgezeigt wird: Es war einmal anders.

Thissen lässt sich im Weiteren aus zum Thema Kondomgebrauch. Der bringt nach seiner Ansicht, jedenfalls in Afrika gar nichts. Warum? Weil er Rassist ist

die afrikanische Seele ist anders.

Die Lösung?

Die Fragen des sexuellen Miteinanders müssen humanisiert werden, um der Krankheit entgegen zu wirken.

Auf die Frage des Abendblatts,

Was heißt das konkret?

bleibt Thissen bezeichnend unkonkret:

Wir müssen die Humanisierung in Afrika auch im sexuellen Bereich fördern.

Das Abendblatt lässt nicht locker:

Was meinen Sie denn mit Humanisierung der Sexualität?

Die Antwort mag typisch katholisch sein:

Dass wir dafür sorgen, dass menschliche Entwicklung möglich ist. Dazu gehört auch, dass jemand Arbeit, Nahrung und eine vernünftige Wohnung hat. Und das versucht die katholische Kirche auf vielen Wegen, etwa durch ihr Entwicklungshilfswerk Misereor.

Auf die Frage des Abendblatts:

Im relativ wohlhabenden Kreis Stormarn lebt jedes siebte Kind in Armut. Müssen wir uns an diesen Gedanken gewöhnen? Was kann die Kirche da tun?

hätte ich übrigens als Antwort erwartet:

Die Fragen des sexuellen Miteinanders müssen humanisiert werden.

Das sagt er natürlich nicht. Gegen Schwule hat er auch nichts, seine besten Freunde sind schwul:

In unseren Kirchen haben wir ja auch Menschen, die homosexuell veranlagt sind. Wir richten uns also nicht gegen Homosexuelle, sondern dagegen, Homosexualität als Norm zu propagieren.

Wenn, andererseits, Jesus tatsächlich nur Männer berufen hätte, wäre das nicht ganz schön homo-normativ?

4 Antworten zu “Katholisch human”

  1. ondamaris 15. Juli 2009 um 18:48 #

    thissens äußerungen zum kondomgebrauch empfinde ich schlichtweg als realitätsfremd und zynisch. sexualität findet statt, ob mit oder ohne thissens segen. seine äußerungen führen direkt nur zu rechthaberei und dogmatismus, indirekt zu steigenden infektionszahlen. wie sich das mit menschen würde und nächstenliebe vereinbaren lässt, wird mir immer unerklärlich bleiben

  2. thorben 15. Juli 2009 um 20:35 #

    @ ondamaris:
    Was heißt hier, Thissen sei realitätsfremd?
    Die zynische Antwort darauf lautet: Desto schlimmer für die Realität.
    Eine andere Antwort wäre: Gesetze gegen Mord und Totschlag sind auch realitätsfremd.

  3. einleser 15. Juli 2009 um 20:53 #

    Was in Thissen gefahren ist, dass er den Kondomgebrauch veurteilt und die afrikanische Seele für „anders“ hält, weiß ich nicht. Allerdings weiß ich auch nicht, was in die Leute gefahren ist, die offensichtlich ernsthaft glauben, Afrikaner seien in der Regel von religiösen Führern ferngesteuerte Schwachköpfe, die nicht selbst wissen oder gar entscheiden können, wie sie Sexualität leben und praktizieren können oder sollen. Lebt da nicht die (rassistische?) Überzeugung weiter, dass man in Europa (und nur dort) am Besten weiß, was gut und zu tun ist – und dass die afrikanische Seele womöglich „anders“ ist?
    Dass ausgerechnet die überwiegend nicht-katholische Bevölkerung des südlichen Afrika auf Grund katholischer Anti-Kondom-Propaganda zu Millionen mit HIV infiziert worden ist – wer, der sich mehr als drei Gedanken zu dem Thema gemacht hat, will das eigentlich glauben?
    Die katholische Kirche verlangt Enthaltsamkeit – offensichtlich eine Forderung, die von den meisten ihrer Gläubigen, auch in Afrika, nicht erfüllt wird. Aber woher kommt dann eigentlich die Idee, dass dieselben Katholiken, die sich schon an diese Forderung nicht halten, ausgerechnet deshalb auf Kondome verzichten, weil es ihnen von Priestern und Bischöfen eingeredet wird? Wahrscheinlich rührt sie daher, dass sich viele Westeuropäer immer noch einbilden, außerhalb ihrer Länder gäbe es nur vormoderne Irre und Halbaffen auf der Welt.

  4. ondamaris 15. Juli 2009 um 21:37 #

    so einfach (zb nur individuelle ebene) ist die debatte nicht.
    die katholische kirche betreibt viele sozialdienste – auch und insbesodnere in zb afrika. die können kondome anbieten, evtl. auch aktiv promoten – oder nicht.
    katholische organisationen haben in einigen staaten grossen einfluss auf die regierungspolitik. die gesundheitspolitik kann entweder lebensnahe, realistische aids-prävention machen – oder nicht.
    die (traurigen) „erfolge“ bestätigen selbst manche katholische geistliche, die vor ort waren / arbeiteten / lebten … und werden im zweifelsfall gemobbt (siehe fall hippler)

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