Katholische Kernspaltung

29 Jul

Die katholische Tagespost hat bei uns bereits des öfteren für Erheiterung gesorgt. Mal ging es um nackte junge Männer in Liegestühlen auf dem Dach eines amerikanischen Priesterseminars, mal um Erwägungen bezüglich der Nützlichkeit von Homosexuellen für den Volkskörper. Jetzt versucht man sich in der Tagespost an der Kernphysik. Den Wissenschaftlern im Auftrag des Herrn gelten

Mann und Frau als anthropologischer Kern der Familie, als historische Konstante der Menschengesellschaft, „als erste natürliche Gemeinschaft“, als „Prototyp jeder sozialen Ordnung“.

Doch es naht Gefahr:

Genau dieser Kern, diese natürliche Gemeinschaft, dieser Prototyp soll gespalten werden.

Von wem? Den 68ern:

Es ist die alte Stoßrichtung der familienverachtenden 68er, derer, die die Natur des Menschen nicht anerkennen und die Geschlechter einebnen wollen.

Alles Schlampen, außer Gaby. Und jetzt kommt ein lustiger Verschreiber:

Es geht bei dem Adoptionsrecht für Gleichgeschlechtliche wieder um ein Stück Menschlichkeit,

gemeint ist natürlich „weder“, nicht „wieder“,

nicht um die Beseitigung von Diskriminierung und schon gar nicht um die Freiheit. Der falsche Begriff von Freiheit als Bindungslosigkeit, vor allem von natürlichen Gegebenheiten, und die angebliche Diskriminierung werden als Waffen gebraucht.

Verzeihung, aber wer übersetzt denn „Freiheit“ mit „Bindungslosigkeit“? Die Lesben und Schwulen, die für ihre Freiheit kämpfen, einander heiraten und Verantwortung für Kinder übernehmen zu dürfen? Angebliche Diskriminierung? Wie würden Sie das nennen, wenn Menschen etwas verwehrt wird, was anderen gewährt wird? Aber vielleicht gibt es einfach gute Gründe für die Diskriminierung? Nein, gibt es nicht:

Zwar hat die SPD-Ministerin Zypries eine Studie vorgelegt, nach der die Kinder mit zwei Müttern oder Vätern keine Nachteile hätten. Aber die Methodik, die zu solchen „Studienergebnissen“ führt, ist höchst zweifelhaft. Eine Befragung von betroffenen Kindern und ihren Bezugspersonen kann den wissenschaftlichen Ergebnissen der letzten Jahrzehnte nicht das Wasser reichen.

Ob man mal Näheres über diese wissenschaftlichen Ergebnissse erfahren dürfte? Überhaupt ist es mit Wissenschaftlichkeit dieser katholischen Argumentation nicht weit her:

Fehlt bei den Eltern ein Geschlecht, kann es zu Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung kommen.

Sagt wer?

Es wäre interessant zu untersuchen, wie die Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Paaren erzogen werden, sich in puncto Essverhalten entwickeln oder sich bei der Partnersuche verhalten. Aber dazu braucht es längerfristige Studien, keine Befragungen.

Die gibt es und ihre Ergebnisse sind eindeutig. Die deutsche Studie hat das bestätigt, was im angelsächsischen Raum längst erforscht wurde.

Man muss sich auch fragen, warum das ansonsten angesehene Institut an der Universität Bamberg sich für solche politischen Manipulationen hergibt.

Warum fragt man sich nicht einfach bei der Tagespost, ob das ansonsten angesehene Institut an der Universität Bamberg möglicherweise weniger ideologisch vernagelt ist als man selbstt? Vielleicht weil man dann zur Kenntnis nehmen müßte, dass man auf dem Forschungsstand der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts stehen geblieben ist?

Auch wenn Politiker von CDU/CSU sich gegen das Adoptionsrecht für Gleichgeschlechtliche wehren, ihren Argumenten fehlt bisweilen der Mut. Diese Argumentation muss ja nicht den Katechismus zitieren, aber sie sollte wenigstens die Väter-Forschung bemühen und überhaupt entwicklungspsychologische und neurobiologische Argumente anführen.

Dann müßte man sich allerdings auch eingestehen, dass man einzig und allein aufgrund von Vorurteilen argumentiert. Das hier nämlich ist bloß vorgeschoben:

es geht um die Hauptfunktion, die Pflege der Gefühlsbeziehungen. Das ist das Kerngeschäft der Familie. Man könnte auch sagen: Die Liebe ist das Kerngeschäft der Familie. Dieser exklusiven Aufgabe soll sie nun auch noch beraubt werden.

Schwule und Lesben wollen diese Aufgabe niemandem wegnehmen, sie wollen sich tatkräftig und mutig dieser Aufgabe stellen und ihren Beitrag dazu leisten. Merkwürdig, dass dafür seitens mancher Christen nicht die geringste Anerkennung wahrzunehmen ist.

7 Antworten zu “Katholische Kernspaltung”

  1. thorben 29. Juli 2009 um 18:19 #

    „Alles Schlampen, außer Gaby.“

    Dazu ist zu bemerken, dass Gaby, die ja in Viten und Kurzportraits regelmäßig als bekehrte Alt-68erin vorgestellt wird, weiland an dieser familienverachtenden Stoßrichtung eifrig mitgewirkt hat. Dass sie sich nun, nachdem sie dank der Wirkung höherer Mächte oder herzegowinischer Erweckungserlebnisse die Seiten gewechselt hat, um nun umso eifriger für die Gegenseite zu arbeiten, darf man wohl als Treppenwitz der Geschichte betrachten. Leider kein Grund zum Lachen.

  2. Karsten 29. Juli 2009 um 18:44 #

    Der falsche Begriff von Freiheit als Bindungslosigkeit, vor allem von natürlichen Gegebenheiten,(…)

    Du musst schon den zweiten Satz beachten. „Natürliche Gegebenheit“ ist für den netten Autor die Tatsache, dass es zwei Geschlechter gibt und diese Sexualität jeweils paarweise mit einem Mitglied des anderen Geschlechts ausüben. Dass dieses Argument der „Natürlichkeit“ schon vielfach widerlegt wurde, lässt er außen vor. Auf jeden Fall aber geht es wohl nicht um die erwünschte Bindungslosigkeit der Schwulen und Lesben.

  3. Bodo Wünsch 30. Juli 2009 um 11:51 #

    Das Argumentationsmuster der „natürlichen Ordung“ oder, man traut sich nicht, schärfer zu formulieren: der „natürlichen Gesetzmäßigkeit“ (lex naturale, vgl. Augustinus) ist jahrhundertealter, spätestens mit Thomas Hobbes längst widerlegter Quark, der aus Denkfaulheit oder schlicht aus Bosheit (was anderes soll deren „K(r)ampf“ gegen Schwule und Lesben sonst sein?) kommt. Und dann: Die Behauptung der Frommen, eine solche Ordnung sei „gottgewollt“, ist eine unglaublich dreiste Überheblichkeit gegenüber – Gott!

    Es gibt keine natürliche Zweckordnung, die sich der Mensch zu unterwerfen hätte – schon deswegen haben sich Staat und Gesetzgeber an das zu halten, was allein Recht sein kann: Die Freiheit eines jeden, sofern sie mit der Freiheit aller anderen übereinstimmt.

    Als verheirateter Hetero, der keine Kinder mehr „bekommen“ will, möchte ich noch anmerken: Die gesetzliche Ehe gehört ersatzlos abgeschafft. Niemals ist die „Familie“ die hegelsche Keimzelle des Staates, sie ist purer biologischer Zufall. Wenn man diesen unsäglichen Begriff von der „Keimzelle“ menschlicher Gemeinschaft überhaupt verwenden darf, dann ist es die moralisch verantwortliche Vernunft des Einzelnen mit seinem Recht, in gesetzlich-harmonisierter Weise sich auf dieser Kugel zu vertragen.

    PS: Frage… schickt Ihr Eure Beiträge eigentlich regelmäßig an die „eigentlichen“ Adressaten Eurer Kritik? Ich hoffe das 🙂

  4. Thommen 30. Juli 2009 um 17:01 #

    Ich empfehle allen den Text des Basler Biologen Adolph Portmann! Aus dem Jahr 1946! (Siehe den Link unter meinem Namen!)

    “Es ist schon fast selbstverständlich geworden, zur Verteidigung der Familie auf ihren natürlichen Ursprung hinzuweisen. Die Familie, die natürliche Grundlage unseres Staates – wie oft hören wir doch das. Und die so sprechen, sind überzeugt, dass sie auf etwas ganz besonders Wichtiges hingewiesen haben, auf einen besonders tiefen Grund unseres menschlichen Zusammenseins. Das Natürliche – das erscheint ja so oft als der letzte Trumpf in der politischen Diskussion.

    Ich muss fürchten, man werde es kaum verstehen, wenn gerade der Biologe sich gegen dieses viel gebrauchte Argument wendet, oder mindestens zur Vorsicht bei seinem Gebrauche mahnt. Darum ist es vielleicht nicht ganz abwegig, das eben erwähnte Urteil einmal etwas sorgfältiger zusammen zu betrachten.” (siehe weiterer Text!)

  5. blogterium 30. Juli 2009 um 20:29 #

    Worüber ich mich immer wieder wundere, ist die unglaubliche Besessenheit von Leuten wie unserer lieben Gaby. Wen um alles in der Welt interessiert es, wer mit wem zusammen lebt? Prüft bei Heten irgend jemand, ob sie in der Lage sind Kinder zu erziehen?
    Woher kommen diese absurden Ängste dieser „Christen“? Wie soll das aussehen, wenn „Geschlechter eingeebnet“ werden? Ist sich die Kuby ihrer eigenen Sexualität so unsicher, dass sie deshalb glaubt, man könne für Homosexualität werben? Haben die Kinder der Kuby nach der Scheidung Essstörungen entwickelt?

  6. thorben 30. Juli 2009 um 21:12 #

    Man sollte nicht übersehen – und das sage ich auf die Gefahr hin, mich einmal wieder unbeliebt zu machen -, dass es oft genug gerade Schwule sind, die selbst mit dem Natur-Argument daherkommen: Aber Homosexualität ist doch natürlich, es gibt ja auch schwule Tiere! Oder auch und besonders heikel: Homosexualität ist doch angeboren/vererbt, also ist sie auch natürlich. Solche Verteidigung impliziert ja geradezu, dass die Gegenseite im Grund Recht hat mit ihrer Vermutung, dass die moralische Qualität einer Handlung von ihrer Naturgemäßheit abhängt. Aber was bitte soll das bedeuten? Warum sollte zwischen Natur und Moral überhaupt ein Zusammenhang bestehen? Dass es in der Tierwelt homosexuelles Verhalten gibt, ist für die Frage, ob Menschen sich homosexuell verhalten sollten oder nicht, so oder so ohne Belang.

    Ein anderer Punkt ist, dass das Natur-Argument, das von christlicher Seite gegen Homosexualität ins Feld geführt wird, häufig nicht richtig verstanden wird. Das ist jedenfalls mein Eindruck, der entsteht, wenn jemand hier z.B. schreibt, es sei längst „widerlegt“ worden. Natürlich gibt es gute Gründe dafür, das Natur-Argument für falsch, unklug oder sinnlos zu halten. Das ändert aber nichts daran, dass die christliche Seite einen normativ aufgeladenen Naturbegriff benutzt, der sich von dem hier vorausgesetzten von vorneherein deutlich unterscheidet. Mit anderen Worten: Solange die Diskussion mit diesen christlichen Positionen nicht an der Wurzel ansetzt (nämlich in der Theologie), wird es über diese Frage keine Verständigung geben können. – Vielleicht braucht es eine Verständigung auch gar nicht, dann sollte man sich aber trotzdem darüber im Klaren sein, dass man hier nicht mit „den Christen“ diskutiert, sondern nur Selbstvergewisserung betreibt – was ja auch in Ordnung ist.

  7. Bodo Wünsch 31. Juli 2009 um 17:33 #

    @blogterium

    Prüft bei Heten irgend jemand, ob sie in der Lage sind Kinder zu erziehen?

    Ja, die Jugendämter. Aber mehr schlecht als recht, was die ungezählten misshandelten oder vernachlässigten Kinder angeht… Stichwort: Beton im Blumenkübel!

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