Konservative Penetration – Wie die Schwulen allmählich die CDU unterwandern

9 Aug

Die „Lesben und Schwulen in der Union“ (LSU) können einem schon irgendwie leid tun. Einerseits gelten sie unter den sich in den Vordergrund spielenden „progressiven“ Homos als Schmuddelkinder, da sie nicht das korrekte schwule Klassenbewusstsein besitzen. Andererseits müssen sie sich zuweilen als Exoten in ihrer eigenen Partei fühlen. Kritik an der LSU und ihren Positionen zu üben – insbesondere ihrer Weigung den Begriff der „Ehe“ auch auf homosexuelle Partnerschaften auszudehnen – fällt nicht sonderlich schwer, doch gestehe zumindest ich ihnen zu, dass sie wertvolle Arbeit leisten; denn wie sonst sollen sich konservative Menschen für die Belange von Lesben und Schwulen öffnen, wenn nicht durch konsequenten Lobbyismus von innen her?

Nicht überraschend, dass dieser Lobbyismus nicht wenigen in der CDU stinkt, zumal, wenn man der Überzeugung ist, dass die Deutschen demnächst aussterben, und es darum die Pflicht eines jeden deutschen Mannes ist, seinen Samen für die heilige Aufgabe zur Verfügung zu stellen, die demografische Katastrophe abzuwenden. Und so muss man sich, wie es Eckhard Nickig tut, schon mal die Frage stellen

Wieviel Homosexuellen-Bewegung verträgt die CDU?

Gute Frage? Unbedingt! Nur fällt die Antwort darauf ein wenig, nun ja, speziell aus. Beginnen wir unsere Analyse zunächst mit einer ehrfürchtigen Erstarrung angesichts der ungeheuer fortschrittlichen Meinungen eines Mitgliedes der Union. Man sollte es nicht glauben:

Bei dem Beitritt zur CDU wird niemand nach seiner sexuellen Orientierung befragt. Deshalb ist es homosexuell orientierten Bürgern selbstverständlich unbenommen, sich in der CDU zu engagieren. Warum sollten sie nicht auch bürgerliche Werte vertreten? Wer sagt, dass alle Homosexuellen links sind oder sich bei exzessiven Nacktparaden wie dem Christopher-Street-Day entblöden müssen? Im Übrigen ist die sexuelle Orientierung ja auch Privatsache und Parteien sind nicht gerade Vereinigungen, in denen es darum geht, Bekenntnisse über die sexuelle Ausrichtung abzulegen.

Übergehen wir mal ganz großzügig die Frage danach, was für den Schreiber eigentliche „bürgerliche Werte“ sind; übersehen ganz nonchalant seinen Hinweis auf „Entblödung“ durch exzessive CSD’s; tolerieren wir diesen Einleitungssatz, der aller Welt versichert, dass man natürlich nichts gegen Schwule hätte, und konzentrieren uns statt dessen auf das unweigerliche „aber“, das in diesem speziellen Fall allerdings als ein „allerdings“ angeschwebt kommt:

Wenn sich Homosexuelle allerdings zu einer Lobby-Gruppe innerhalb einer Partei zusammenschließen, mit dem Ziel, reine Gruppeninteressen in der Partei durchzusetzen, wie zum Beispiel die völlige rechtliche Gleichstellung der Homo-Partnerschaft mit der Ehe, dann wird dieses Engagement problematisch.

Nun sind Lobby-Gruppen in Politik und auch innerhalb von Parteien etwas völlig normales und natürlich gibt es auch in der CDU eine Fülle derartiger Vereinigungen: Es gibt die Frauen-Union, die Senioren-Union, die Junge Union, die Marktwirtschaftler, die katholischen Sozialisten, die „Neoliberalen“ und die kulturkonservativen Meckerfritzen. Alle versuchen ihre Gruppeninteressen innerhalb der Union durchzusetzen und bei all diesen wird üblicherweise ihre Arbeit als Teil der Parteienvielfalt gewürdigt. Wenn allerdings ein paar Schwule das gleiche versuchen, ja dann, muss man schon mal mahnend den Zeigefinger erheben. Denn das geht nun wirlich nicht:

Genau dies ist offensichtlich das Anliegen der Gruppe -Lesben und Schwule in der Union- (LSU), die seit einigen Jahren in der CDU/CSU existiert, und die inzwischen auf beispiellose Weise von der Parteispitze hofiert wird.

Ja, isses denn die Möglichkeit? Dürfen die das? Wie haben die das gemacht? Obacht, es folgen pikante Details aus dem Inneren einer deutschen Volkspartei:

Bei ihrem sommerlichen Jahresempfang am 18. Juni in der Landesvertretung des Freistaates Sachsen in Berlin war in diesem Jahr erstmals CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zu Gast und er hielt ein Grußwort, das weit über eine Höflichkeitsadresse hinausging. Er umgarnte nicht nur die LSU mit den Worten wie „Die Christlich Demokratische Union braucht die LSU“ oder „Wir sind glücklich über das Engagement der Lesben und Schwulen in der Union“ – was bei einer Vereinigung wie den „Christdemokraten für das Leben“, die sich für den Schutz des ungeborenen Lebens einsetzt, völlig undenkbar waere -, Pofalla sagte der LSU sogar seine Unterstützung zu, falls es eine CDU-Untergliederung wagen sollte, der Homosexuellen-Vereinigung nicht den Raum zur Präsentation ihrer Arbeit zu geben, der ihr entspräche. Pofalla rief geradezu dazu auf, widerspenstige CDU-Mitglieder oder -Verbände beim ihm persönlich zu denunzieren, damit er sich einschalten könne. Ein solches Privileg hat bisher wohl noch keine CDU-Vereinigung.

Faszinierend fürwahr, und eine eindrucksvolle Bestätigung meiner politwissenschaftlichen These, dass es sich bei Parteien – mehr oder weniger – lediglich um Kindergartengruppen handelt, die darum ringen, wer das neueste Spielzeug ausprobieren darf, welches der Kita-Gruppenleiter gerade soeben neu für die Kinder gekauft hat. Man spürt förmlich den Neid des Schreibers, der es Onkel Pofalla Übel nimmt, dass er ihm und seiner Gruppe nicht die gleiche Aufmerksamkeit zukommen lässt, wie den doofen Schwulis da drüben. Zumal die doofen Schwulis Onkel Pofalla gar nicht verdient haben:

Dass die LSU in einem nicht ganz unwichtigen Programmpunkt der CDU, nämlich der Vorrangstellung von Ehe und Familie, eine völlig konträre Position vertritt und verlangt, die CDU soll sich den Forderungen der Homo-Lobby nach völliger rechtlicher Gleichstellung der Homo-Partnerschaft mit der Ehe anschließen, darauf ging der CDU-General nicht ein.

Natürlich vertritt die LSU mitnichten die Position, die Vorrangstellung von Ehe und Familie sollte innerhalb der Union aufgeweicht werden, sondern tritt lediglich für eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der konventionellen Ehe ein. Sicher, das erfordert die Revision bestimmer parteilicher Grundsätze:

Noch auf dem Parteitag 2007 hatte die CDU ein Grundsatzprogramm beschlossen, das nach eigenen Angaben für die nächsten 15 bis 20 Jahre Orientierung geben solle. Dort hieß es. „Eine Gleichstellung (gleichgeschlechtlicher Partnerschaften) mit der Ehe zwischen Mann und Frau als Kern der Familie lehnen wir jedoch ebenso ab wie ein Adoptionsrecht  für gleichgeschlechtliche Paare.“ Angesichts der Verbeugungen der CDU-Spitze vor der LSU muss man befürchten, dass Programmatik schon viel früher angepasst wird. Gerade hat die LSU Hessen der Ablehnung des Homo-Adoptionsrechtes durch die CDU Hessen öffentlich widersprochen und damit kurz vor der Bundestagswahl den verheerenden Eindruck erweckt, die CDU sei uneins in dieser Frage.

Verheerend? Mitnichten. Die LSU hat sich einfach nur nicht dem Druck heterolobbyistischer Kreise gebeugt, die sich Familie eben nur in der Konstellation Vater, Mutter, Kind vorstellen können; und das auch dann, wenn Papa schon längst auf der Flucht vor seiner Verantwortung ist, und Mama anstatt das Baby zu wickeln lieber ihre Fingernägel für die nächste Balz lackiert.

Doch das sind natürlich alles Petitessen, zumal wenn man sich der Gefahr vergegenwärtigen muss, dass die Homo-Lobby dabei ist, die altehrwürdige CDU zu penetrieren:

Leider ist es nicht so, dass eine Organisation wie die LSU für das Programm der CDU innerhalb der Homosexuellen-Szene wirbt, sondern vielmehr die Forderungen der Homo-Lobby in die CDU trägt.

Und wo soll das, bitte schön, enden? In der Türkei?

Ähnlich verhält es sich mit anderen Minderheiten-Gruppen, die die CDU heftig umwirbt, wie türkischstämmige Bürger. Die fordern in der Regel einen EU-Beitritt der Türkei, dessen Ablehnung bisher zum „Tafelsilber“ der CDU-Programmatik gehörte. Was ist, wenn sich weitere Gruppen mit Minderheitenstatus bzw. eigener sexueller Orientierung bilden?

Keine Ahnung, ich spekuliere mal, das wäre der Untergang des Abendlandes, Sodom und Gomorrha, die Apokalypse:

Warum sollte nicht eine Vereinigung „Bisexuelle in der Union“ die Legalisierung bisexueller Polygamie fordern? Warum sollten die „Transsexuellen“ nicht fordern, dass ihre Minderheit bei Parteiämtern künftig vorrangig zu berücksichtigen ist? Damit würde sich eine Partei wie die CDU nicht mehr am Gemeinwohl orientieren, sondern im Chaos von Minderheiten-Gruppen versinken.

Und das fehlte nun wirklich noch. Schließlich hat man mit den renitenten Rentnern schon Probleme genug.

4 Antworten zu “Konservative Penetration – Wie die Schwulen allmählich die CDU unterwandern”

  1. alivenkickn 10. August 2009 um 08:08 #

    Bis auf wenige Ausnahmen kann einem beim Duchlesen der Kommentare echt das kotzen überkommen . . .

  2. Sascha 11. August 2009 um 14:52 #

    Da tut sich ja eine gemeinsame Front auf: Schwusos und CDU-Kreistagler im gemeinsamen Kampf gegen die LSU; ohne Nazivergleich gehts auch nicht:
    http://www.queer.de/detail.php?article_id=10881

  3. MisterX 7. Oktober 2011 um 09:42 #

    Die CDU ist halt am Arsch. Und wenn man mal grad am Arsch ist, kann man natürlich auch mal da reinschauen.

  4. Georg Ahlers 8. November 2011 um 11:17 #

    Natürlich soll die LSU Lobbyarbeit betreiben, das tut doch jede Gruppe, die in der CDU als Unter- oder Sonderorganisation auftritt. Was Berufsvertretungen in der CDU wie CDA, MIT, etc. oder Schüler Union, RCDS, Frauen Union und so weiter zu steht, steht auch der LSU zu.

    In der Jungen Union gibt es zwei Positionen, die um die Mehrheit ringen (neben kleinen Splittermeinungen).

    a) Alle Rechte, die der Ehe zugestanden werden, um Paarbeziehungen zu schützen, müssen auch der Eingetragenen Lebenspartnerschaft zustehen. Hier ist insbesondere im Erbschaftssteuerrecht noch einiges zu verbessern. Alle Rechte, die familien mit Kindern finanziell entlasten, sollen auch nur familien mit Kindern zustehen, also weder Eingetragenen Lebenspartnerschafzen, noch kinderlose Ehen. Einem Adoptionsrecht steht dieser Flügel skeptisch gegenüber, da er der Ansicht ist, dass die psychologischen Folgen eines „Zwei-Männer-Elternpaares“ nicht geklärt seien.

    b)Der linke Flügel will die volle Gleichstellung einschliesslich Adoptionsrecht.

    Auf dem Deutschlandtag 2000 hat sich der rechte Flügel nach einem anfänglichen Patt mit einer Stimme mehrheit durchgesetzt.

    Soviel zur Lage in der JU.

    Georg Ahlers, Hannover

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