Darf man Schwule hinaus in die Welt lassen?

25 Okt

Nun ist es offiziell: Guido Westerwelle wird der neue Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Weite Teile der Öffentlichkeit schwanken zwischen Häme und Verwunderung, attestieren ihm einerseits mangelnde Englischkenntnisse gepaart mit typisch teutonischer Überheblichkeit, andererseits zu wenig Erfahrungen im schwierigen Geschäft der auswärtigen Beziehungen. Völlig unverständlich, denn seit wann braucht man als Außenminister Erfahrung auf internationaler Bühne? Erstens hat das Auswärtige Amt einen bewährten Stab von Mitarbeitern und zweitens ist deutsche Außenpolitik nun wirklich nicht allzu schwer: Alles was man zu tun hat, ist darauf zu insistieren, gute Beziehungen zu allen Ländern dieser Erde zu unterhalten, egal ob sie nun demokratisch oder diktatorisch regiert werden, und den Befindlichkeiten Russlands größeres Gewicht einzuräumen, als den ehemals von Russland geknebelten osteuropäischen Staaten. Dazwischen streut man Floskeln von gegenseitigem Respekt ein, betont die Wichtigkeit  der europäischen Integration und mahnt mit erhobenem Zeigefinger, wie entscheidend es ist, das größte Übel unserer Welt zu besiegen: höhere Temperaturen.

Noch abstruser als die Fragen nach der Befähigung Westerwelles waren die in letzter Zeit täglich zu vernehmenden Einwände, wie sich denn dessen Homosexualität mit seinem Job als Außenminister unter einen Hut bringen lasse, denn immerhin könnte es den diplomatischen Beziehungen schaden, wenn irgendwelche islamischen oder afrikanischen Länder, Anstoß am Privatleben des deutschen Außenministers nehmen. Worin der Schaden bestünde, wenn sich die Beziehungen eines Landes zur Bundesrepublik alleine deshalb abkühlen würden, das wurde relativ selten erläutert. Als ob sich Deutschland rechtfertigen muss, gesellschaftlich weiter zu sein als irgendwelche repressiven Erziehungsdiktaturen, die es als ihre volkstümliche Verpflichtung ansehen, ihre Bürger für deren Privatleben in den Knast oder an den Galgen zu bringen.

Wie auch immer, das Ausland ist jedenfalls recht neugierig auf Westerwelle. So etwa die USA

Mit Westerwelles Amtsantritt verbindet sich in den USA die Hoffnung, dass er in der Tradition früherer FDP-Ressortchefs großen Wert auf die transatlantischen Beziehungen legen wird. Neugier ist Westerwelle gewiss: Alle großen US-Zeitungen thematisierten seine Homosexualität. Die „New York Times“ etwa wertet seinen Aufstieg als „Zeichen für die gesellschaftlichen Veränderungen im einstmals traditionsverhafteten Deutschland“.

als auch die „Grande Nation“

Auch in Frankreich ist Westerwelle gänzlich unbekannt. Französische Medien wie die Tageszeitung „Libération“ beschreiben ihn als eine Art „perfekten Schwiegersohn“ – mit dem Hinweis darauf, dass er sich zu seiner Homosexualität bekennt. Das Nachbarland ist vor allem gespannt darauf, was aus Westerwelles Wahlkampfforderung nach einem Rückzugsplan für Afghanistan und seiner Haltung zu einem möglichen EU-Beitritt der Türkei wird.

aber auch die Türkei, wo sich die hiesige Presse bereits mokiert, und das nicht etwa über Westerwelles Homosexualität, sondern über die eigene Regierung nebst Landsleuten, bei denen man in dieser Hinsicht, eine allzu traditionelle Sicht vermutet:

Das Privatleben des FDP-Chefs wird in der Türkei mit Interesse und mit einigen Seitenhieben auf die eigene konservative Regierung und Bevölkerung kommentiert.

Doch die türkische Presse ist nicht nur in dieser Hinsicht ziemlich fortschrittlich. So macht man sich auch schon Gedanken ums Protokoll:

Mehrere Zeitungen fragten, was geschehen werde, wenn Westerwelle bei einem Besuch seinen Lebensgefährten mitbrächte. Türkische Diplomaten wurden zitiert, dass es für Michael Mronz natürlich ein Begleitprogramm geben werde – doch Mronz wird wohl kaum mit der Ehefrau des türkischen Außenministers einen Tee trinken.

Und wieso nicht? Immerhin hat sich auch der Ehemann unserer Kanzlerin, beim Begleitprogramm mit den Ehefrauen der anderen Staatschefs köstlich amüsiert. Ich bin sicher, ein charmantes Gespräch mit Emine Erdogan, ist für Herrn Mronz eine seiner leichtesten Übungen.

2 Antworten zu “Darf man Schwule hinaus in die Welt lassen?”

  1. cologneman 25. Oktober 2009 um 17:31 #

    ich glaube der gute guido wir nocheinmal die schulbank drücken müssen, was seine englisch kenntnisse angeht.

  2. christian 25. Oktober 2009 um 18:00 #

    Ist doch bestimmt lustig, etwas mit den ganzen First Ladys zu unternehmen.

    Viel schöner wird der erste Staatsbesuch in Saudi-Arabien oder einem anderen Land, in dem Schwule nicht besonders gerne gesehen sind.

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