Schwule Wodkahasser auf Mission

22 Nov

Die Reise unseres Außenministers ins Russische Reich hat für einigen Wirbel gesorgt. In Moskau mussten Journalisten und die Staatsführung mit der Tatsache zurecht kommen, wie unrussisch Westerwelle ist. Zunächst einmal natürlich in Fragen der Sexualität:

Es warten besonders viele junge russische Reporterinnen. Einige sitzen neben mir und diskutieren kichernd über einem eingeschalteten Laptop. Auf dem Bildschirm: viele Fotos von Westerwelle und seinem Lebenspartner Michael Mronz. „Der ist richtig attraktiv“, sagt eine Russin über Mronz.

Attraktiv ist Mronz in der Tat. Umso schlimmer, dass er sich der Frauenwelt verweigert und das tut, was sich einfach nicht gehört:

Die Homosexualität des neuen deutschen Vizekanzlers ist die eigentliche Sensation für die Russinnen. Die blonde Interfax-Reporterin Olga Golovanova sagt mir: „Ich war schockiert, als ich hörte, dass er mit einem Mann zusammenlebt. Und das auch noch ganz öffentlich! Bei uns wäre das undenkbar!“

Richtig! Denn in Russland verweigert man sich noch dem Kult um die Schwulen. Und damit das auch in Zukunft so bleibt, tut man das, was man zwischen St. Petersburg und Wladiwostok am Besten kann: diffamieren, verbieten, draufhauen.

Für Westerwelle gilt das natürlich nicht, denn als offizieller Repräsentant eines befreundeten Staates, genießt man russische Ganzfreundlichkeit in vollen Zügen. Oder zumindest fast:

[Der russische Außenminister] Lawrow lässt Wodka ausschenken. Westerwelle nippt nur vorsichtig. Lawrow lässt in das eigentlich volle Glas nachschenken. Wieder ein russischer Trinkspruch. Motto: „Unter dem Tisch sehen wir uns wieder.“ Wieder nur ein nippender Vizekanzler. Lawrow fragt, warum er nichts trinke. Westerwelle: „Ich muss leider sagen: Wodka bin ich nicht gewohnt. Eher Wein.“ Sofort lässt der „liebe Sergej“ Wein einschenken.

Erstaunlich, dass der liebe Guido damit durchkommt. Denn als Mann in Russland keinen Wodka zu trinken, ist eigentlich ein größeres Verbrechen, als mit einem anderen Mann das Bett zu teilen. Doch womöglich weht seit dem Amtsantritt von Dmitri Medwedew tatsächlich der Wind of Change:

Staatspräsident Dmitri Medwedew ist auch neugierig auf den Neuen. Als besondere Ehre lädt er den Außenminister in seine Residenz, das Schlösschen Maiendorf, ein. Der Präsident hat schon von Lawrows Wodka-Test gehört, schlägt ihm auf die Schulter, sagt: „Wenn Sie einen Partner für Rotwein brauchen, dann nehmen Sie mich!“ Dann schiebt der Präsident nach: „Welchen Rotwein trinken Sie eigentlich gern?“

Worauf Westerwelle, dreist wie er nun einmal ist, antwortet:

„Deutschen Rotwein, Burgunder.“

Also wirklich, Herr Westerwelle, so geht das nun wirklich nicht! Zunächst  Heterosexualität samt Wodka verschmähen – und damit geheiligte kulturelle Werte des Gastlandes mit Füßen treten – und dann noch teutonisch überheblich, deutschem Rotwein seinen Segen erteilen. Und so einer vertritt die Bundesrepublik!

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