Dichtung und Wahrheit

3 Dez

Na gut, das mit dem Satzbau üben wir noch ein wenig:

Es ist modern geworden, daß man jedem, welcher objektiv gegen eine bestimmte Sache ist, bezüglich jener Sache eine Phobie anzudichten.

Obwohl man offenbar selbst Freude am Dichten hat:

Wer in Homosexualität eine negative Sache sieht, wird als homophob bezeichnet, so als ob er eine krankhafte Angst vor Homosexuellen hätte.

Wir bezeichnen einen, der in Homosexualität eine negative Sache sieht, als schwulenfeindlich. Homophobie als Ursache dieser Haltung ist damit keineswegs ausgeschlossen. Denn warum sonst sollte man eine Haltung gegenüber der sexuellen Orientierung von wildfremden Menschen einnehmen? Diese könnte einem doch schlicht egal sein.

Dasselbe Spiel spielt man mit jenen, welche im Islam eine unwahre Religion sehen und eine objektive Gefahr in diesem für die eigene Religion und das eigene kulturelle Gepräge erkennen: sie werden als krankhaft islamophob abgestempelt und belächelt.

Wäre es übertrieben, die Analogie so zu verstehen, dass Homosexualität eine unwahre sexuelle Orientierung ist und eine objektive Gefahr für die eigene (hetero) sexuelle Orientierung und das eigene kulturelle Gepräge?

Bei aller Skepsis gegenüber der Postmoderne: Eine Religion oder sexuelle Orientierung als unwahr, eine – und vermutlich nur eine – andere also als wahr zu bezeichnen, erschwert eine Diskussion erheblich. Insoweit fällt der nächste Satz auf den Verursacher zurück, sobald man „Phobie“ durch „Wahrheit“ ersetzt:

Durch diese Phobie-Bezeichnungen kann man sich sehr billig einer objektiven, mit Vernunftargumenten geführten Diskussion entziehen.

Selbstverständlich kann man seine Religion für wahr halten, sogar für einzig wahr. Dafür mag man streiten, wenn dies die religiösen Dogmen vorsehen oder wenigstens erlauben.

Zur Gefahr wird Religion, wenn sie die Trennung von Staat und Kirche aufheben oder verhindern will, ihren totalitären Anspruch auf die Gestaltung der Gesellschaft propagiert, Kritik an sich, gar die Abwendung von ihr, bestraft, vielleicht sogar mit dem Tod und nicht zuletzt, wenn sie ihren Wahrheitsanspruch auch gegen Nicht-Gläubige praktisch, also auch mit Gewalt, durchsetzt oder auch nur durchzusetzen bestrebt ist.

Eine Antwort zu “Dichtung und Wahrheit”

  1. Otto 3. Dezember 2009 um 19:45 #

    Dazu ein überaus niveauvolles Zitat des „eigentümlich frei“-Herausgebers André F. Lichtschlag:

    „Wenn erwachsene Männer sich gegenseitig in den Popo poppen, ist das – zurecht – deren Sache. Wenn andere sich davor ekeln, ist das ein Politikum, heute bereits unsagbar und morgen ein „hate crime“.“

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