If you going to San Francisco… (be sure to ask, why this city is so much more productive)

7 Dez

Dass Klaus Wowereit so oft auf Reisen geht, muss man als Glücksfall für Berlin bezeichnen. Nicht nur wirbt er damit global für den Tourismusstandort Berlin, gleichzeitig jedoch bleibt der deutschen Hauptstadt seine Anwesenheit und somit ein mehr seiner Politik erspart. Denn eines sollte man auch angesichts des Hype um das „sexy“ Berlin nie vergessen: Berlin ist und bleibt das Schmuddelkind unter allen Hauptstädten entwickelter Länder; Berlin ist und bleibt eine Peinlichkeit unter den zivilisierten Metropolen dieser Erde. Die Wirtschaftskraft ist blamabel, die Cabriolet-Dichte gering, die Bürokratie uferlos, die Bildung grottenschlecht, die Zahl der von Staatsfürsorge abhängigen Menschen immens. Summa summarum ist es also ein Witz, dass ausgerechnet der Bürgermeister einer solchen Stadt um die Welt jettet, um irgendwelchen Zuhörern zu erklären, wie toll Berlin ist.

Man muss es wahrscheinlich so sehen wie es ist: Wowereit ist ein exzellenter Politiker und ein solcher brilliert vor allem mit einem: Darstellung und Vermarktung seiner selbst. Dass Wowereit gleichzeitig schwul ist, schadet ihm dabei wenig, im Gegenteil. In den aufgeklärten Schichten der sophisticated urbanites ist es schließlich chic, gilt es als Ausdruck von Weltoffenheit und Toleranz, sich einen Schwulen im Bekanntenkreis zu halten.

Noch besser für Wowi ist es natürlich, wenn ein Kongress irgendwo auf dieser Erde exklusiv auf ihn zugeschnitten ist, so wie bspw. die „International Gay & Lesbian Leadership Conference“, die natürlich in San Francisco statt fand und auf der Wowereit den Einführungsvortrag gehalten hat. Bei dieser Gelegenheit wurde von Seiten des obersten Tourismuschefs Berlins, Burkhard Kieker, auch damit geworben, wie arm und abgewrackt Berlin ist:

„Berlin ist sicher eine der günstigsten Weltstädte, die es im Moment gibt. San Francisco ist definitiv teurer, ganz zu Schweigen von London, Paris, Mailand oder New York“, sagte Kieker.

Und wenn man schon daraus einen Vorzug macht, wie günstig Berlin im Vergleich zu anderen, echten, Metropolen ist, muss man sich auch nicht mehr mit der Frage beschäftigen, warum das denn so ist.

Im Hinblick auf Wowereit kam auch das leidige Kanzlerthema wieder auf:

„Ich bin Bürgermeister von Berlin und muss meinen Job machen, alles weitere in einigen Jahren“. Natürlich sei ein schwuler Kanzler vorstellbar, „aber es ist keine Frage der sexuellen Neigung, sondern welche Partei die Mehrheit bekommt“

Wie gesagt, für Berlin wäre es besser, Wowereit würde weiter um die Welt reisen und eben nicht seinen Job machen, denn am Ende würde ja doch nur sozialdemokratischer Mumpitz bei raus kommen. Gleiches gilt natürlich auch für die Kanzlerschaft. Schwul ist okay, aber bitte keinen Sozialdemokraten! Andererseits muss man in Berlin ja schon froh sein, lediglich einen Sozen und keinen Kommunisten -als Chef! – im Roten Rathaus sitzen zu haben.

13 Antworten zu “If you going to San Francisco… (be sure to ask, why this city is so much more productive)”

  1. metrake 7. Dezember 2009 um 21:40 #

    Warum so kritisch gegenüber Berlin? Mir als – ganz freiwillig – Zugezogenem gefällt es trotz der unübersehbaren Schattenseiten hier sehr, sehr gut! Es gibt in Deutschland einfach keine Alternative zu Berlin, zumal für einen Schwulen.

  2. Adrian 7. Dezember 2009 um 23:53 #

    „Warum so kritisch gegenüber Berlin?“

    Einer muss ja dieser selbstzufriedenen, überkandidelten Primadonna Berlin mal sagen was Sache ist.

    „Es gibt in Deutschland einfach keine Alternative zu Berlin, zumal für einen Schwulen.“

    Nun übertreib mal nicht…

  3. guido 8. Dezember 2009 um 09:26 #

    offenbar ist unser sonst nicht zu verachtender adrian ein besonders fleissiger bz- & mottenpost-leser.
    wenn nicht, solltest du dich bei springer bewerben. die sind richtig scharf auf so einseitige autoren.

    (trotzdem) schönen tach noch, guido

    • Adrian 8. Dezember 2009 um 12:38 #

      Was ist denn die „Mottenpost“?

      Inwiefern ist Springer einseitiger als bspw. die taz oder die unlesbare SZ?

  4. guido 8. Dezember 2009 um 14:40 #

    unser adrian exhibitioniert sich ganz gern als medialer-und-noch-mehr schlaumeier, gell?

    mottenpost? nie gehört?

    ein bisschen mehr übers schmuddelkind (was ’ne geniale formulierung!!!) informieren, ehe du weiter drüber herziehst.

  5. Adrian 8. Dezember 2009 um 14:52 #

    „unser adrian exhibitioniert sich ganz gern als medialer-und-noch-mehr schlaumeier, gell?“

    Ja, unser Adrian tut das ganz gerne.

    „mottenpost? nie gehört?“

    Nö.

    „ein bisschen mehr übers schmuddelkind (was ‘ne geniale formulierung!!!) informieren, ehe du weiter drüber herziehst.“

    Meine Güte, man könnte meinen, ich hätte einen Berlin-Junkie auf Entzug gesetzt. Da hebt man Berlin mal nicht in den Himmel und schon wird man abgewatscht.

  6. guido 8. Dezember 2009 um 16:42 #

    du bist wohl von der „das-letzte-wort-haben-fraktion“?

    ps. ein geistiger höhenflug war dein antwort (leider) nicht. hatte mehr erwartet.

    adele

    • Adrian 8. Dezember 2009 um 16:57 #

      „du bist wohl von der „das-letzte-wort-haben-fraktion“?“

      Gelegentlich.

      „hatte mehr erwartet.“

      Eine wichtige Lektion des Lebens: Man bekommt nicht immer alles, was man will.

  7. metrake 8. Dezember 2009 um 16:58 #

    Wer schon mal in San Francisco und New York war, dem kann nicht entgangen sein, wieviel wirklich schreckliche Armut es dort gibt. Und da fühlt sich der Staat für überhaupt nichts verantwortlich. Von solchen Verhältnissen sind wir hier glücklicherweise doch weit entfernt.

    • Adrian 8. Dezember 2009 um 17:02 #

      „Und da fühlt sich der Staat für überhaupt nichts verantwortlich.“

      Hmmm, ganz bestimmt…

  8. guido 10. Dezember 2009 um 11:21 #

    ich bin dir noch eine (allgemeinwissen ergänzende) antwort schuldig:

    mottenpost, auch gerne mopo genannt oder „berliner morgenpost“ (springer), seit 1898, nach BZ (springer) und Berliner Zeitung drittgrösste zeitung berlins, mit einem leserdunstkreis, der sich aus gut-, spiess- und kleinbürgerlichen, rentnern, witwen, „alt-west-berlinern“ u.ä. zusammensetzt.

  9. Adrian 10. Dezember 2009 um 13:15 #

    Aha, eine reaktionäre Zeitung also, der es an echtem Klassenbewusstsein fehlt.

  10. Yadgar 28. Juni 2010 um 17:13 #

    Tja, eine derart verprollte Gesellschaft wie Deutschland verdient eben eine entsprechend prollige Hauptstadt… aber selbst dann sollte es wenigstens Köln sein! Schön prollig und viel schwuler, als es Berlin je sein könnte…

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