Der Preis unserer Liebe?

9 Dez

„Ich will das nicht mehr. Ich will keine Attraktion sein. Ich will nicht, dass alle uns anschauen, wenn wir uns küssen. Und sei es, dass diese Blicke auf uns ruhen, weil es ja so schön ist, dass ‚das heute so möglich ist‘. Mir ist das egal. Ich will keine Sonderrolle mehr spielen. Ich will nicht mehr aus der Rolle fallen, nur, weil ich so bin, wie ich bin.“

So beschreibt „Henning“ auf dem Blog „someabout.net“ seine Gefühle angesichts von Reaktionen der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft auf Liebe unter Männern. Und führt anschließend seine Hoffnungen aus, dass sich sein Wunsch recht bald erfüllen möge:

Natürlich weiß ich, dass ich weitaus nicht der einzige bin, dem das so geht. Das macht die Sache aber nicht besser. Und ich gebe mich auch nicht damit zufrieden, dass das „nun einmal so ist“. Das glaube ich nicht. Ich denke, sie wird sich ändern, diese Sicht auf uns, die wir als anders gelten. Und ich hoffe, dass wir, mein Freund und ich, das noch erleben.

Aber ist das realistisch? Bis vor kurzem habe ich geglaubt, dass es möglich ist. Immerhin: die Toleranz nimmt zu, die Akzeptanz steigt. Aber dennoch kann einen nichts vor der Tatsache ablenken, dass Schwule nun mal eine Minderheit sind, und nichts spricht dafür, dass sich dies jemals ändern wird. Was natürlich wiederum nicht heißen soll, dass Homosexualität immer ein Makel anhaften wird. Aber jenen „exotischen Touch“, eben die Tatsache, dass Homosexualität doch etwas ungewöhnliches ist, jene beschriebene „Sonderrolle“ – wie soll man der jemals entfliehen, wenn es eben nun mal Standard ist, dass die große Mehrheit der Menschheit auf das andere Geschlecht fixiert ist?

Das Sexual- und Liebesleben ist für den Menschen nun einmal viel zu elementar, es prägt das Leben jedes Einzelnen so entscheidend, dass es  nun einmal auffallen muss, wenn da plötzlich ein Mann ist, der Männer küsst. Wie gesagt, es  muss nicht negativ auffallen, aber auffallen, wird es eben wahrscheinlich auch in Zukunft.

Und womöglich ist das der Preis, den wir zu zahlen haben…

2 Antworten zu “Der Preis unserer Liebe?”

  1. martin 11. Dezember 2009 um 00:33 #

    Im Grunde ist die Sache recht einfach, auch wenn die Floskel einen ziemlichen Bart hat: „Wir“ sind „anders als die Anderen“. Das ist natürlich kein Grund zur Selbstbeweihräucherung, noch sollte es einer für Diskriminierung sein, aber es ist Faktum. Allerdings ist es im Kern ein banales Faktum: Haut- oder Haarfarbe, Kleidung, Religion, Sprache, Kunstgeschmack, Parteipräferenz… Menschen unterscheiden sich nun einmal voneinander und Differenzen fallen auf. Wenn Mann und Mann händchenhaltend durch die Fußgängerzone gehen, werden sie angestarrt. Das ist aber beileibe kein reines Schwulen- oder Lesbenproblem. Dieselbe Erfahrung dürfen Menschen mit anderer Hautfarbe, Behinderte, Über- und Untergewichtige, „falsch“ Gekleidete usw. machen – es wird sich wohl kein Mensch auf Erden finden, der nicht schon einmal die Erfahrung gemacht hat, unangenehm angestarrt zu werden. Wenn es nichts weiter wäre als das!
    Was aber will man dagegen tun? Von jenem großen Projekt der Einebnung aller zwischenmenschlicher Differenzen oder ihrer Irrelevantmachung via Gehirnwäsche halte ich nicht besonders viel. Allenfalls kann es darum gehen, dass Menschen nicht für ihre individuellen Eigenarten missachtet, misshandelt oder verfolgt werden – was, wie ich finde, als Menschheitsprojekt vorläufig ausreicht.
    Dem Einzelnen bleiben da, so sehr ich das Unbehagen daran verstehe, nur die Alternativen, sich mit der Neugier und dem Voyeurismus der Anderen abzufinden, oder aber sich zu verstecken. Um diese Entscheidung führt letztendlich kein Weg herum. Man muss das freilich nicht zum „Preis unserer Liebe“ verklären, letztendlich ist das der Preis unserer Individualität. (Womit ich nicht gesagt haben will, dass Individualität sich vor allem in Äußerlichkeiten ausdrückt.)

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  1. Liebe unter Gartenzwergen bei someabout.net | Ein queer Blog über Gesellschaft, Sexualität und Lifestyle – von Jungs für alle. - 10. Dezember 2009

    […] Foto: mickebear – flickr.com | CC-BY-NC-SA Das Sexual- und Liebesleben ist für den Menschen nun einmal viel zu elementar, es prägt das Leben jedes Einzelnen so entscheidend, dass es nun einmal auffallen muss, wenn da plötzlich ein Mann ist, der Männer küsst. Wie gesagt, es muss nicht negativ auffallen, aber auffallen, wird es eben wahrscheinlich auch in Zukunft. – Gay West […]

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