Willkommen in der Kirche

17 Dez

Als ich vor zwei Jahren auf einige Weihnachtsgottesdienste für Schwule und Lesben hinwies, hätte ich nicht zu träumen gewagt, worauf ich in diesem Jahr verweisen kann. In Berlin-Schöneberg hat eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Ende November ein Gemeindeforum „Sexualethik“ veranstaltet. Konkret ging es um Homosexualität. Als Referent eingeladen war Pfarrer Klaus Douglass, der eindeutig erklärte:

„Homosexualität ist keine Sünde.“ Nur, so deutlich habe er das nicht immer gesehen, ganz im Gegenteil, erzählt er. Auch er habe lange Zeit das geglaubt, was ihm von klein auf immer erzählt wurde: dass Menschen, die ihre Homosexualität ausleben, unter dem Zorn Gottes stünden. Er habe erleben müssen – erzählt Douglass – dass Menschen deshalb aus Gemeinden gedrängt wurden, dass persönliche Beziehungen zu Bruch gingen.

Statt der Frage nach der Sünde stellte Douglass schließlich eine ganz andere:

Ob es richtig ist, Menschen dazu zu zwingen, einen wichtigen Teil ihrer Persönlichkeit zu verstecken oder gar zu leugnen, um weiter Teil einer Gemeinde zu bleiben. Und da vertritt Douglass erneut eine klare und eindeutige Position: „Statt darüber nachzudenken, ob wir heterosexuellen Christen nicht etwas falsch machen und wie es sein kann, dass in unseren Gemeinden eine Atmosphäre herrscht, in der unzählige Menschen sich nicht trauen, offen zu sagen, dass sie homosexuell sind, und warum die Kirche in einer alles andere als homosexuellenfreundlichen Kultur unter Homosexuellen nach wie vor als besonders intolerant gefürchtet wird, sinnieren wir über die vermeintliche „Sünde der Homosexualität“ und werfen den Betroffenen auch noch jene Lüge vor, in die wir sie hineintreiben.

Und mal wieder hilft ein Blick nach Amerika, um sich vielleicht auch hieran ein Vorbild zu nehmen:

In seinem Vortrag erzählte Douglass von amerikanischen Gemeinden, die sich bewusst als „Welcoming Churches“ bezeichnen – als Kirchen, in denen alle willkommen sind – unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Ausrichtung, ihrem Einkommen. Kirchen, in denen dies alles nur Randthemen sind, und im Zentrum der Glaube, das Evangelium, Jesus Christus stehe.

Zurück zu den Baptisten nach Schöneberg. Es gab nicht nur Vortrag und Diskussion, es gab auch ein Meinungsbild. Und das war deutlich, sehr deutlich:

Mit kleinen Klebepunkten haben sich die Teilnehmer in einer halbgeheimen Abstimmung zu der Frage positioniert, wie sie zu Homosexuellen stehen, die zu uns in die Gemeinde kommen. Und fast ausnahmslos alle haben deutlich gemacht, dass sie kein Problem damit haben, dass sie jeden akzeptieren wollen, dass jeder kommen kann, mitarbeiten kann, willkommen ist.

Nachlesen kann man all das im aktuellen Gemeinebrief der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin Schöneberg.

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2 Antworten to “Willkommen in der Kirche”

  1. wolf dustmann 26. April 2010 um 12:12 #

    Da habe Homosexuelle wohl einen äußerst günstigen Stand in westlichen Ländern. Diese männlich oder weiblich sollten sich mal dafür interessieren, was in islamischen Ländern mit Homosexuellen geschieht, zumal die
    Grünenabgeornete Roth Ihren Wählern offensichtlich vorzumachen versucht, wie tolerant doch der Islam sei. Nun mit dem kompromißbereiten christlichen Glauben, offensichtlich in allen Dingen, man denke da an
    die unglaubliche jüngste Geschichte des Deutschen Reiches, auch da war die Kirche sehr offen in Kompromißbereitschaft!! Ein jüdischer Christ wurde geschnitten und das ist offensichtlich total normal. In Attenboroughs Ghandi
    gibt es diese Szene des befreundeten kathl. Geistlichen Charly, der es sich gestattet, die Gläubigen zum Nachdenken über die Ungerechtigkeit der neuen Paßgesetze gegenüber Farbigen nachzudenken.Was passiert, alle so Gläubigen verlassen den Saal. Es bleibt nur eine ältere D A M E
    sitzen, die zustimmend mit dem Kopf nickt. Was gleichgeschlechtliche
    Sexualität angeht, so muß man nicht den spektakulär relevanten Römerbrief erwähnen, die Bibel, analog das alte Testament ist eindeutig in der Aussage zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen.
    Aber diese Gesellschaft und mir fällt dabei auf, daß die Holde Weiblichtkeit, vor allem in der Politik die Bedenken sprngt, wenn es um Übertretungen geht. Mit fällt da die ehemalige schon spectakulär männderfreundliche Justizministerin B. Zypries ein. Was soll der ganze Zirkus mit der Homosexualität, die Lobby ist doch vorhanden in Politik und Gesellschaft. Ich jedenfalls werde mich keine Religionsgemeinschaft stellen, die quasi alles akzeptiert. Dann gehe ich geistig lieber in den Bereich der Antroposophie und werde überzeugter Atheist !!

  2. martin 27. April 2010 um 17:19 #

    @ wolf dustmann:
    Zwar habe ich nicht alles verstanden, was Sie schreiben, aber es könnte sein, dass ich Ihre Tendenz teile. Es könnte sein.
    Wie dem auch sei: Den Zusammenhang mit der Anthroposophie habe ich gar nicht verstanden. Vor allem habe ich nicht verstanden, wie man gleichzeitig Anthroposoph und Atheist sein können soll. Da scheint es mir schon einfacher, Anthrosoph und z.B. Katholik zu sein. Immerhin gäbe es da sozusagen Vorreiter.

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