Warum es Schwulen zwangsläufig an Umweltbewußtsein fehlt, erklärt der Papst im Neujahrsgottesdienst

2 Jan

Wenn der Papst im Neujahrsgottesdienst ein

tiefer gehendes Umweltbewußtsein

fordert, könnte man ihm Ähnliches entgegenhalten wie Thomas Schmid Margot Käßmann angesichts ihrer Forderung nach einem Rückzug aus Afghanistan:

Käßmanns Kritik kommt mit dem Pathos der Unangepasstheit daher – und ist doch ziemlich das genaue Gegenteil davon. Es braucht keinen Mut, gegen die deutsche Beteiligung am Afghanistan-Einsatz zu sein: Hier schwimmt die EKD-Ratsvorsitzende im Strom deutscher Mehrheitsmeinung. Hinzu kommt ein Ton der Anmaßung, der nicht gut zu einer Repräsentantin einer christlichen Kirche passt, die die Menschen doch aufruft, einander in Achtung zu begegnen. Glaubt Frau Käßmann wirklich, die Parlamentarier, die diesen Einsatz beschlossen haben, seien gedankenlose Kriegstreiber? Glaubt sie wirklich, den Verantwortlichen der Bundeswehr wäre nicht klar, dass man mit Waffen allein keinen Frieden schaffen kann?

Indem sie einzig den puren Friedenswunsch in Stellung bringt, setzt sich die EKD-Ratsvorsitzende leichtfertig und hochmütig über die Zwänge und die Dramatik hinweg, in die Politik hienieden immer kommen kann. Was wohl die deutschen Soldaten in Afghanistan davon halten werden?

Kaum anders verhält es sich mit Ratzinger: Als wäre der Einsatz für die Umwelt nicht längst Bestandteil aller Parteiprogramme und als wäre die drohende Klimaerwärmung nicht das größte anzunehmende Übel, gegen das wir alle jetzt fest zusammenstehen müssen, wie wir tagein tagaus in Funk und Fernsehen um die Ohren gehauen bekommen.

Ein anderer Aspekt aber verdient ebenfalls Beachtung. Ratzinger begründet seine Forderung nämlich damit, dass

ein neues weiter gefasstes und tiefer gehendes Umweltbewusstsein

notwendig sei,

um Frieden zu schaffen und zu sichern.

Wie das geht, dafür hat Ratzinger, neben dem Umweltding, noch einen weiteren Vorschlag:

Frieden beginnt mit einem respektvollen Blick auf den anderen, der in diesem den Mitmenschen erkennt – unabhängig von seiner Hautfarbe, seiner Nationalität, seiner Sprache und seiner Religion.

Man sollte daraus nicht verfrüht schließen, Ratzinger werde in Zukunft auch Homosexuellen diesen respektvollen Blick nicht länger verweigern. Nicht ohne Grund fehlt die sexuelle Orientierung in der Aufzählung. Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass der Papst

Bedrohungen der „traditionellen Familie“ als Bedrohung des Weltfriedens bezeichnet

hatte. Zudem hatte Ratzinger Ende vergangenen Jahres eine Erklärung unter dem Titel

Willst du den Frieden fördern, so bewahre die Schöpfung

veröffentlicht. Und Schöpfung meint, soviel ist sicher, wenn es aus dem Vatikan kommt, ausschließlich die heterosexuelle Variante. Insoweit braucht man auch den nächsten Satz nicht ernst zu nehmen, außer man versteht die Homosexualität als eine der globalen Krisen, der dann mit Nächstenliebe abgeholfen werden soll:

Die herrschende Umweltkrise berge zudem die „historische Gelegenheit“, eine gemeinsame Antwort auf die globalen Krisen zu erarbeiten, die der Schöpfung und der Nächstenliebe größeren Respekt zollt.

Einer Nächstenliebe allerdings, die ihrem Namen keine Ehre macht, weil sie Menschen von ihrem Erhalt ausschließt, bloß weil diese anders lieben als Ratzinger es für richtig hält.

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