Von nicht abnormer Magersucht und geistlicher Logorrhoe

26 Jan

Der Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Andre-Joseph Leonard, hat erklärt

Anorexie (Magersucht) sei eine Abweichung vom normalen Verhalten, Appetit zu haben. Deswegen würde er eine magersüchtige Person aber noch lange nicht als abnormal bezeichnen.

Warum äußern sich Geistliche eigentlich immer wieder über Dinge, von denen sie erkennbar keine Ahnung haben? Anorexie sagen die Mediziner zu dem, was wir Laien Appetitlosigkeit nennen. Dein Problem, Leo, ist allerdings, dass Du Anorexie mit Magersucht („Anorexia nervosa“) verwechselst. Letztere ist eine Sonderform der Anorexie. Zugegeben, dumm gelaufen, aber man kann eben nicht von allem Ahnung haben. Wie Du dann aber noch auf die Fragestellung kamst, ob Anorexie bzw. Magersucht, die Du ja vermutlich meintest, mit Homosexualiät gleichzusetzen sei …? Da müssen Dir schon einige Sicherungen durchgebrannt seien vorher. Immerhin, Du kamst schlussendlich zu dem Ergebnis

dass Anorexie und Homosexualität nicht gleichzusetzen seien.

Vielleicht hattest Du Dich auch erinnert an Deine Äußerung als Bischof von Namur 2007. Damals hattest Du

in einem Interview Homosexualität als abnormal beschrieben.

Und jetzt, als frischgebackener Erzbischof, hast Du Dir vielleicht gedacht, Abweichungen von der Norm müssten ja nicht unbedingt bedeuten, dass der Träger der Abweichung auch abnorm ist. Jedenfalls wenn es um Anorexie Magersucht oder Homosexualität geht. Du verfügst also im Grunde genommen über erstaunliche Differenzierungsfähigkeit, weshalb Du schon damals ausdrücklich erklärt hast, es sei Dir dabei 

auch nur darum gegangen, eine Verhaltensweise zu beschreiben, nicht aber die betroffenen Personen.

Das hast Du echt nett gesagt, Leo. Ich bin voll normal, nur mein Verhalten ist krass abnormal. Dumm nur, wenn mein Verhalten so zentral zu meinem Sein gehört. Eine Frage hätte ich allerdings zum Ende noch: Wenn einem angesichts von soviel geistlicher Logorrhoe der Appetit vergeht, ist das dann nicht auch voll normal?

3 Antworten zu “Von nicht abnormer Magersucht und geistlicher Logorrhoe”

  1. martin783 27. Januar 2010 um 00:07 #

    Kann man „Anorexie“ und „Anorexia nervosa“ verwechseln? Immerhin ist eine Magersucht schon begriffslogisch immer auch eine „Anorexie“.
    Wie dem auch sei: Dein (homosexuelles) Verhalten, Damien, mag zwar zentral zu Deinem Sein gehören. Von mir kann ich das allerdings nicht sagen. Mein (homosexuelles) Verhalten gehört zwar irgendwie zu meinem Sein, „zentral“ ist es aber bestimmt nicht. Leonard würde möglicherweise sagen, dass es nicht „normal“ sei, wenn homosexuelles „Verhalten“ „zentral“ zum Sein einer Person gehört. Mir ist es, offen gestanden, ziemlich egal, wie andere Menschen mit ihrer Sexualität umgehen. Ich wundere mich lediglich darüber.
    Mein mitternächtlicher Erdbeerjoghurt eben hat mir übrigens trotz bischöflicher Logorrhoe gut geschmeckt. Eine Randbemerkung: Wir Katholiken sind im Differenzieren nicht nur sehr erfahren, es macht uns auch große Freude. Wir können sogar zwischen Substanz und Akzidenz von gewandeltem Brot und Wein unterscheiden 🙂 Der Joghurt war allerdings nicht bloß akzidentell wohlschmeckend, sondern auch substantiell nicht Bio – ein Schritt weiter zum klimatisch-ökologischen Weltuntergang. Mahlzeit!

  2. mina 28. Dezember 2011 um 13:31 #

    Lieber Schreiber,
    ich finde die Aussage des Geistlichen sehr wertvoll und sehr wertend. Wir Ms werden leider allzu oft als abnormal bezeichnet, umso schlimmer, wenn ich deinen Bericht lese. Was hat Ms mit Homosexualität zu tun? Muss man denn alles gleichstellen? Homosexualität ist eine sexuelle Ausrichtung, weder ungesund noch schlecht, manchmal von der Gesellschaft nicht so akzeptiert wie sie sein sollte, aber dennoch völlig in Ordnung. Ms ist eine psychische Krankheit, wo man meist die Betroffenen „zwangsheilen“ möchte, weil sie ja ach so totdesgefährdet sind. Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun! Außerdem schließe ich aus deinen Aussagen, dass auch du nicht wirklich Ahnung hast, was Ms betrifft, aber das hat der vorherige Kommentator bereits angesprochen… Ich finde es wirklich gut, wenn gerade ein Geistlicher so eine Aussage tätigt, denn man hört oft, dass man „abnormal“ sei. Ich möchte schon gar nicht mehr „normal“ sein, so wohl fühle ich mich. Und ich bin kein Teenie, sondern lebe schon seit Jahren so, und das auch noch sehr gut. Auch möchte ich keine „Heilung“, so wie du wahrscheinlich auch keine „Heilung“ möchtest, denn wir fühlen und beide wohl so. Bitte überlege dennoch, was man vergleichen kann, und was nicht. Ich bin nicht sehr religiös, aber ich finde die Aussage von Hrn. Leo wirklich toll.
    Alles Liebe für deine Zukunft, Mina

  3. Damien 28. Dezember 2011 um 14:25 #

    Hallo Mina,

    Du hast den Beitrag nicht verstanden.

    Alles Liebe
    Damien

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