Hat Peter Tatchell einen an der Schüssel oder sucht er nach dem Schlüssel?

3 Feb

Papst Benedikt XVI. hat in Großbritannien mit offensichtlicher Kritik an einem Gleichstellungsgesetz Empörung ausgelöst.

Was Benedikta diesmal für eine Begründung hatte?

In einer Ansprache an katholische Bischöfe aus England und Wales hatte der Papst am Montag nahegelegt, dass Teile der britischen Gesetzgebung zur Gleichstellung „gegen das Naturgesetz“ verstoßen.

Letztlich geht es um das ureigene Recht Roms, Menschenwürde in erster Linie heterosexuellen Männern zuzusprechen:

Derzeit geht ein Gesetz durch das Parlament, das der Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen am Arbeitsplatz entgegenwirken soll.

Wie würde das denn aussehen, wenn Rom plötzlich offen schwule Männer beschäftigen würde, statt der ganzen Klemmschwestern?

Katholische Kirchenvertreter befürchteten, dass sie dadurch auch Homosexuellen oder Transsexuellen Zugang zu hohen Ämtern gewähren müssen.

Ob jemand mal den Unterschied zwischen gerechten und ungerechten Einschränkungen erklären könnte? Ich vermute mal, sobald die Einschränkung Schwulen zugute kommt, ist sie ungerecht:

Der Papst sagte am Montag nach Angaben von Radio Vatikan, die Gesetzgebung könnte zu „ungerechten Einschränkungen“ für Religionsgemeinschaften führen, nach ihrem Glauben zu handeln.

Kurz angetäuscht

„Euer Land ist bekannt für sein festes Bekenntnis zur Chancengleichheit für alle Mitglieder der Gesellschaft“, sagte Benedikt XVI. demnach zu den Bischöfen.

und rasch dialektisch ausgebremst:

Doch Teile der Gesetzgebung, um dies zu erreichen, verletzten „in mancher Hinsicht das Naturgesetz, auf dem die Gleichstellung aller Menschen basiert und nach dem sie garantiert ist“.

Okay, Leute, vielleicht bin ich dafür einfach zu protestantisch, um das zu verstehen. Aber ich versuch‘ es trotz allem: Ein Gesetz zur Gleichstellung verletzt ein übergeordnetes Gesetz, das eben diese Gleichstellung begründet. Bloß, wie macht es das? Kann mir das einer erklären? Da scheint sogar der notorische Peter Tatchell zu versagen:

Der Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell erklärte, die Bemerkung des Papstes sei ein „verschlüsselter Angriff“ auf die Rechte von Frauen und Homosexuellen.

Was um alles in der Welt ist an der Erklärung des Papstes verschlüsselt? Tatchell hat eindeutig einen an der Schüssel, seit er die Vorzüge der Homosexualität ökologisch zu begründen versuchte. Aber vielleicht ist die diplomatische Formulierung ja auch dem Wunsch geschuldet, Papa Benedikt eine Brücke zu bauen, um sich dann gemeinsam der Rettung des Weltklimas widmen zu können? Ob man sich dann nicht auch noch mit dem da verbrüdern könnte? Zumindest was die Furcht vor der Klimaerwärmung angeht, scheint man sich ja einig zu sein.

Eine Antwort zu “Hat Peter Tatchell einen an der Schüssel oder sucht er nach dem Schlüssel?”

  1. martin 3. Februar 2010 um 21:26 #

    Wenn man einmal von der ganzen Homosexualität-und-Kirche-Problematik absieht, ist der Sachverhalt eigentlich recht einfach: Die Einen wollen den Anderen vorschreiben, anhand welcher Kriterien sie zu handeln, wie sie ihre Arbeitskräfte auszuwählen und wie sie ihr Geld auszugeben haben, weil sie sonst Kriterien folgen würden, die angeblich Zwecken höherer Art widerspräche. Damit möchte man der Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen vorbeugen bzw. sie bekämpfen (wobei es allerdings nicht darum geht, dass jemand an Leib, Leben oder Eigentum geschädigt werden könnte, sondern schlimmstenfalls darum, dass er seinen Arbeitsplatz verliert, weil er Erwartungen seines Arbeitgebers nicht erfüllt). Offen gestanden halte ich all das für eine ziemlich krude Idee, die allenfalls öffentlichen Arbeitgebern gegenüber ihre Berechtigung hätte (wobei die Kirche zugegebenermaßen genau das ist); wobei unser Staat bei seiner Mitarbeiterauswahl auch gerne mal auf die Weltanschauung schaut (verstößt es eigentlich gegen das AGG, wenn man Neonazis aus dem Staatsdienst entlässt?).
    Wie dem auch sei: Tatchell beispielsweise scheint der Ansicht zu sein, dass Menschen ein Recht haben, z.B. bei der katholischen Kirche arbeiten zu dürfen. Wenn die Kirche Homosexuelle nicht anstellt oder entlässt, sollte sie dafür bestraft werden. Es gibt nicht nur ein Recht darauf, nicht verletzt zu werden, sondern obendrein auch noch ein Recht darauf, gemocht zu werden. Das ist wirklich ein netter Gedanke, bloß leider mit freiheitlichen Grundsätzen unvereinbar. Nein, ich werde das Wort vom „schwulen Totalitarismus“ nicht in den Mund nehmen!
    Was die päpstliche Argumentation angeht: Die Religionsfreiheit und die Gleichbehandlung werden jeweils aus dem Naturrecht und der Menschenwürde abgeleitet. Die britische Politik verfolgt in diesem Sinn einen naturrechtlich gebotenen Zweck (Gleichbehandlung), jedoch mit naturrechtlich verbotenen Mitteln (Einschränkung der Religionsfreiheit). Ich finde, auf dieser formalen Ebene kann man das Argument gut verstehen. Von tieferen inhaltlichen Erläuterungen bitte ich Dich abzusehen, sonst müsste ich mir Gedanken darüber machen, was um Gottes Willen die Kirche für ein notorisches Problem mit Homosexuellen hat – und das wäre doch bloß frustrierend.

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