Unerträglich arrogant – Der Bischof, die Juden und der Holocaust

11 Feb

Was macht ein katholischer Bischof, der nicht über Missbrauch in den eigenen Reihen sprechen will? Er entdeckt die Juden als Feindbild. Eberhard von Gemmingen entdeckte kürzlich das von Juden begangene Unrecht und zog seine Äußerung nach ordensinternen Protesten wieder zurück. Bereits Ende Januar, pünktlich zum Holocaust-Gedenktag, kritisierte der polnische Bischof Tadeusz Pieronek, die Juden missbrauchten [sic!]

die Verfolgung durch die Nationalsozialisten als Propaganda-Waffe.

Den Satz „Der Holocaust an sich ist eine jüdische Erfindung“ zog er am Montag ausdrücklich zurück. Seine Aussagen seien manipuliert worden und er habe die Veröffentlichung nicht autorisiert, sagte der ehemalige Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz im Fernsehen.

Wie kann man etwas zurückziehen, das man gar nicht gesagt hat? Keinesweg zurückgezogen, jedenfalls nicht ausdrücklich, hat Pieronek die folgenden Äußerungen:

Aber die Juden erhalten eine gute Presse, weil mächtige Finanzmittel hinter ihnen stecken, eine riesige Macht und die bedingungslose Rückendeckung der Vereinigten Staaten und das fördert eine bestimmte Arroganz, die ich unerträglich finde.

Auf die Frage, ob der Holocaust ausgenutzt werde, antwortete er: „Sicherlich wird er das. Er wurde als Propaganda-Waffe benutzt, um Vorteile herauszuschlagen, die oft ungerechtfertigt sind.“

Laut Neuem Deutschland bereicherte Pieronek die Debatte auch noch um diese Erkenntnis:

Dass der Begriff »Schoah« von Juden geprägt wurde, sei immerhin Tatsache, die verbrecherischen Planer und Ausführer waren jedoch die Deutschen.

Immerhin.

PS: Lautet nicht eine postmoderne, -strukturalistische oder wie auch immer geartete Wahrheit [Tschuldigung für das böse Wort!], dass der, der etwas benennt, die Macht darüber hat? Hätten die Juden also nicht mal lieber, statt sich auf ihrer Sprachhohheit auszuruhen bzw. diese so arrogant auszunutzen, den Holocaust verhindern können? Dann müssten heutzutage weder Deutsche noch Polen immer wieder erklären, dass sie „eigentlich“ gar keine Antisemiten sind – und wenn doch, wäre das vielleicht gar nicht so schlimm, so ganz ohne Holocaust. Schließlich sind wir doch alle ein bischen antisemitisch katholisch. Oder?

8 Antworten zu “Unerträglich arrogant – Der Bischof, die Juden und der Holocaust”

  1. admontmonks 11. Februar 2010 um 21:08 #

    tja, differenzieren müßte man: nicht alle Katholiken sind Antisemiten. Nicht alle Priester und Ordensleute sind Kinderschänder. Vielleicht sogar die wenigsten…
    Jetzt tu doch nicht so, als ob die Kleriker nichts anderes tun würden als Juden beschimpfen und Kinder zu vergewaltigen.

    • Damien 11. Februar 2010 um 21:16 #

      Du hast Recht: Manchmal beleidigen sie auch Schwule.

  2. admontmonks 11. Februar 2010 um 21:25 #

    ok, dann rede nie mehr von Toleranz. Nie mehr. Weil das ist MENSCHENVERACHTEND.

  3. Adrian 11. Februar 2010 um 22:02 #

    Na DAS. DAS eben.

  4. martin 11. Februar 2010 um 22:39 #

    Na ja, was soll man dazu sagen? Natürlich sind nicht alle Katholiken und auch nicht alle katholischen Priester antisemitisch, pädophil oder homophob. Was die ersten beiden Punkte angeht, sind sie es vermutlich auch nicht überdurchschnittlich oft. Dass das in den Medien regelmäßig und unangemessen skandalisiert wird ist vollkommen klar; insbesondere der „Spiegel“ ist immer vorne mit dabei, wenn es um antikatholische Hysterie geht. Aber die Kirche braucht sich darüber auch nicht zu beklagen, wenn man bedenkt, was manche ihrer Vertreter so alles von sich geben. Was Herr von Gemmingen in Bezug auf die Juden gemeint hat oder auch nicht gemeint hat, trifft jedenfalls auf die katholische Kirche vollkommen zu: Dass sich antikatholische Vorbehalte und katholische Dummheiten/Fehler/Verbrechen seit Menschengedenken gegenseitig bedingen. Es gibt also nichts Neues an der römischen Front, und das ist selbst auch keine neue Nachricht.

  5. prediger 12. Februar 2010 um 00:23 #

    zu martin: die verharmlosung der pädophilie in der katholischen kirche möchte ich nicht so stehen lassen.

    ob der unfug mit dem zölibat tendenziell eher menschen in ein priesteramt lockt, die in beziehungstechnischer hinsicht zu psychologischen problemen neigen, und dass somit auch pädophile hier überdurchschnittlich oft landen, das mag man ja von mir aus anzweifeln.

    aber es gibt mehrere faktoren, die den eindruck untermauern, dass pädophilie innerhalb der katholischen kirche häufiger vorkommt als im durchschnitt der gesellschaft.

    da ist die enge sexualmoral innerhalb der katholische kirche, die es denen, die sich zu pädokriminalität hinreißen lassen, sehr viel schwerer macht, ihr problem zu bekennen und psychologische hilfe zu suchen. da ist die tatsache, dass den opfern pädokrimineller priester sehr viel seltener geglaubt wird als denen anderer täter – was einige täter (nach belegten aussagen!) perfide ausnutzen. und da ist vor allem die absolut skandalöse systematische vertuschung innerhalb der katholischen kirche, die mehr an ihr eigenes image als an die opfer denkt und die aufgedeckte fälle lieber dadurch löst, dass sie die täter deckt und an andere stellen verschiebt als – wie es ihre pflicht wäre! – die staatanwaltschaft einzuschalten.

    das kann man nicht damit verharmlosen, dass es ja schließlich überall schwarze schafe gibt. ja, die gibt es natürlich auch. aber hier geht es um ein spezifisches strukturelles problem der katholischen kirche.

  6. martin783 12. Februar 2010 um 19:00 #

    zu prediger: Nichts steht mir ferner, als irgendetwas zu verharmlosen. Es ist offenbar eine empirische Frage, ob katholische Priester öfter zu Pädophilie neigen als durchschnittliche Familienväter oder sonstige Menchen; aber gibt es dazu belastbare Zahlen?
    Wie dem auch sei, zweifellos ist es richtig, dass der Umgang der katholischen Kirche mit Sexualität im Allgemeinen, und zumal der mit der Sexualität von Priestern, zu dieser Problematik beiträgt. Inwieweit auch immer der Zölibat dafür verantwortlich zu machen ist, es ist zweifellos wahr, dass katholische Priester jedwede vorhandene sexuelle Neigung, wenn sie sie denn ausüben, möglichst verborgen und vertuscht ausüben. Wenn ich mich recht erinnere, hat der Leiter des Canisus-Kollegs ja auch genau darauf hingewiesen. Insofern handelt es sich um ein spezifisches strukturelles Problem der Kirche, das mit der systematischen Vertuschung einhergeht. Allerdings ist dabei ja weniger die Vertuschung gegenüber der Presse kritikwürdig, als die gegenüber der Staatsanwaltschaft, auch wenn gewisse Medien in diesem Zusammenhang besonders beleidigt sind, wenn sie nicht als erste davon berichten können, was etwa in den 1970er und 80er Jahren an mancher Jesuitenschule geschehen ist.
    Aus meiner katholischen Perspektive hat sich diesbezüglich zwar kommunikationspolitisch manches geändert, doch solange Priester weitgehend damit alleingelassen werden, wie sie mit ihrem Zölibat zurechtkommen oder nicht, wird das Glaubwürdigkeitsproblem fortbestehen – um so mehr, solange man sich innerhalb der Kirche vorrangig um das eigene Image sorgt (wie Du richtig bemerkst), obwohl man genau dadurch das eigene Image in der Vergangenheit systematisch ruiniert hat..

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