Zum Verhältnis homosexuellen Seins und dessen Praktizierung im Vergleich von Islam und Katholizismus

21 Feb

ZdK-Präsident Alois Glück sieht Identitätsprobleme. Überall:

Mein Eindruck ist, dass gegenwärtig weltweit eine Angst vor Identitätsverlust zu spüren ist. Auch Religionsgruppierungen suchen nach ihrer Identität, was meist mit Abgrenzung verbunden ist. Es gibt dann oft eine Sehnsucht nach einem Führer, nach einer Autorität, die Entscheidungen trifft. In dieser komplizierten Gemengelage bilden sich Verschwörungstheorien. Das ist hochgefährlich für konstruktive Prozesse in der Gesellschaft.

Die Lösung liegt, wie häufig, im Islam. Der nämlich ist viel progressiver als wir alle dachten. Zwar wirkt die Situation vor Ort auf den ersten Blick auch nicht gerade identitätsstabil:

In der Region herrscht laut Fox News eine sexuelle Identitätskrise. Demnach meiden paschtunische Männer Frauen wo sie können und haben stattdessen sexuelle Kontakte untereinander. Dennoch lehnen sie die Bezeichnung „homosexuell“ strikt ab.

Doch das ist alles eine Frage der Betrachtung. Wer will denn wissen, ob die Paschtunen eine sexuelle Identitätskrise überhaupt empfinden. Lustig finde ich, wie man der Identitätskrise auf die Spur kam:

Die zugrundeliegende Studie war angelegt, um den NATO-Truppen im Land ein besseres kulturelles Verständnis zu verschaffen. Nun hat sie allerdings eher zur Verwirrung derselben beigetragen. Demnach gab es teilweise bizarre Kontakte zwischen amerikanischen Armeeärzten und afghanischen Männern in Kandahar.

Bizarre Kontakte? Was man sich darunter wohl vorzustellen hat? Die Antwort eröffnet Abgründe: Sie trieben es von hinten (!!!). Ja ist es denn die Möglichkeit?

So hatte sich eine Gruppe von Übersetzern auf offensichtlich rektalem Wege einen Tripper zugezogen, obwohl sie sexuelle Kontakte rundweg leugneten, da sie „keine Homosexuellen“ seien.

Zugegeben, ein wenig kompliziert klingt das schon. Obwohl: Wer kein Homosexueller ist, kann auch keine (homo)sexuellen Kontakte haben. Ist doch eigentlich ganz einfach. Nur wir hier im Westen verstehen das wieder nicht, außer wir sind voll postmodern dekonstruiert und haben Identität als das Gefängnis erkannt, das sie ist. Vielleicht ist das Ganze ja auch ein – Achtung, Kalauer – Übersetzungsfehler. Kein Übersetzungsfehler, sondern Interpretationssache ist das Folgende:

Ein Ergebnis der Studie ist, dass paschtunische Männer den Koran offensichtlich so interpretieren, dass sie zwar keinen anderen Mann lieben dürfen, sexuelle Kontakte aber erlaubt sind.

Irgendwo hat wohl jede Religion ihren Hau weg. Bei den Katholen darf man schwul sein, aber nicht praktizieren. Im Islam darf man es praktizieren, aber nicht sein.

Das Reflektionsvermögen vor Ort ist im Übrigen weit entwickelt:

Eine Militärärztin berichtete weiter, sie habe einem Mann erklären müssen, wie er eine Frau schwängern kann. Als sie mit ihren Ausführungen fertig war, hätte der Mann mit Abscheu reagiert. Er habe gefragt, wie es denn sein könne, dass so ein Akt nötig sei, wenn Frauen laut dem Koran unrein sind, Männer hingegen rein und somit viel sinnvoller als Sexualpartner.

Eine Gemeinsamkeit mit der katholischen Kirche scheint es auch zu geben:

Weiterhin würden in dem Volk oftmals ältere, einflussreiche Männer Jungen bei der Hand haben. Ein Sprichwort laute: „Frauen sind für Kinder, Jungs für Spaß“.

Und während die katholische Kirche im Westen verzweifelt den Eindruck zu vermitteln versucht, mittlerweile eingesehen zu haben, etwas übertrieben zu haben mit dem Spaß in den eigenen Reihen bzw. die Schuldigen für ihre Verbrechen überall, nur nicht bei sich sucht, sollen die Missionare für Freedom and Democracy im Mittleren Osten ganz viel Verständnis für diese Form des Kindesmissbrauchs entwickeln:

NATO-Truppen sollten diese spezielle Form der Homosexualität nicht ignorieren oder ablehnen, da sie ein wichtiger Faktor der paschtunischen Kultur sei.

Ich persönlich finde die Kontakte zwischen amerikanischen Armeeärzten und afghanischen Männern moralisch dem sexuellen Missbrauch von Kindern haushoch überlegen, selbst wenn diese überhaupt kein Faktor der paschtunischen Kultur sind – und, nebenbei bemerkt, deutlich weniger bizarr als Kindesmissbrauch. Alois Glück würde derartige kulturfremde Kontakte unter Erwachsenen vermutlich als Materialisation der westlichen Zivilisationswalze problematisieren und sähe wegen Angst vor Identitätsverlust konstruktive Prozesse in der Gesellschaft in Gefahr. Dabei scheint mir die paschtunische Lösung eine ganz kreative. Die Kinder haben endlich ihre Ruhe und das mit dem Tripper bekommen die auch noch hin. Denn auch wenn die amerikanischen Militärärzte eher außerdienstlich beschäftigt sind, gibt es schließlich auch noch Militärärztinnen, die für die Behandlung zur Verfügung stehen.

2 Antworten zu “Zum Verhältnis homosexuellen Seins und dessen Praktizierung im Vergleich von Islam und Katholizismus”

  1. Hans-Georg 21. Februar 2010 um 18:34 #

    Es gibt in der Seefahrt den Begriff „arabische Winde“. Das soll ausdrücken, dass der Wind während der Seepassage – oder Teilen davon – von hinten kommt. Und jeder weiss, wie das gemeint ist und wo dieser Spruch seinen Ursprung hat.

  2. pedro luis 21. Februar 2010 um 21:00 #

    Wer Frauen meidet und es gern mit Männern treibt, hat also eine Identitätskrise?

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