Goldene Gänse schlachtet man nicht

3 Mrz

„Es gibt nichts, was es nichts gibt.“ Nimmt man sich diesen Spruch zu Herzen, kann einen nichts mehr überraschen. So auch nicht, dass es eine Karrieremesse gibt, die sich speziell an Homosexuelle richtet: die „Milk„, benannt nach dem ersten schwulen Stadtrat von San Francisco, Harvey Milk. In diesem Jahr findet die erstmalige Veranstaltung in München statt:

Gedacht ist die Veranstaltung als Plattform zum Netzwerken. Parallel gibt es Vorträge zu Themen wie „Sind wir anders? – Homosexuelle Führungskräfte auf dem Prüfstand“ oder „Outing am Arbeitsplatz – Fluch oder Segen?“ Außerdem soll ein Index präsentiert werden, der Firmen vorstellt, die sich für Gleichberechtigung einsetzen.

Über Sinn oder Unsinn einer solchen Veranstaltung mag man streiten, die Gründer sehen jedenfalls Bedarf. Und einige schwergewichtige Firmen scheinen das ebenfalls so zu sehen:

Acht Unternehmen werden persönlich auf der Milk 2010 vertreten sein, darunter Google, SAP, Cisco und Ford. Auch Volkswagen Financial Services und IBM wollen kommen.

Das Streben nach Profit, schließt eben eine Diskriminierung aus. Denn eine Gans schlachte man nicht, sofern sie goldene Eier legt – auch dann nicht, wenn sie lesbisch ist. Zumindest theoretisch:

„Wenn wir die besten Mitarbeiter für unser Unternehmen gewinnen wollen, können wir es uns gar nicht leisten, irgendjemand auszuschließen“, erklärt Uta Menges, bei IBM Deutschland für die Förderung der Mitarbeitervielfalt zuständig, ihr Engagement. Darüber hinaus sei eine bunte Mischung im Unternehmen etwas überaus wünschenswertes. Schließlich fördere das die Kreativität. Die anderen Unternehmen argumentieren ähnlich, verschweigen aber auch nicht, dass sich das Engagement positiv auf das Firmenimage auswirkt.

Warum sollten die Unternehmen das auch verschweigen? Das Image gehört nun mal zum A und O einer jeden Firma. Und zumindest bei mir, kommt die Strategie, sich freiwillig gegen Ausgrenzung zu engagieren, gut an. Besser als irgendwelche merkwürdigen staatlich erzwungenen Antidiskriminierunsgrichtlinien, sind solche Projekte in jedem Fall.

6 Antworten zu “Goldene Gänse schlachtet man nicht”

  1. Markus 3. März 2010 um 14:44 #

    Ohne Antidiskriminierungsrichtlinie und entsprechende Gesetze hätte es diese Initiativen nicht gegeben. Den Unternehmen bleibt durch die Gesetze aber nunmal nichts anderes übrig, als auch einen Teil offen homosexuell lebender Mitarbeiter zu haben. Manche Unternehmen machen aus dieser „Not“ eine Tugend und werden dann dafür gelobt, die Grundlage dafür aber wird gescholten. Verstehe einer diese Welt …

  2. Adrian 3. März 2010 um 15:12 #

    Klar Markus, wie wir wissen, sind alle Unternehmen böse und nur der Staat ist gut.

  3. Ralf 3. März 2010 um 17:26 #

    Da wird viel gelogen und geheuchelt. Wie ich woanders gelesen hab, nimmt auch die Bundesagentur für Arbeit teil. Für die arbeite ich, allerdings nicht unmittelbar, sondern durch eine Kommune abgeordnet. Wollte ich direkt zur Bundesagentur wechseln, würde zuallererst mir der Familienzuschlag gestrichen und meinem Mann die Hinterbliebenenversorgung aberkannt. Dass solche Behörden/Unternehmen sich öffentlich brüsten, Diversity zu betreiben, ist ein Schlag ins Gesicht der von ihnen diskriminierten Mitarbeiter.

    • Adrian 3. März 2010 um 18:38 #

      @ Ralf

      „Da wird viel gelogen und geheuchelt.“

      Natürlich. Es geht um Image und PR.

  4. Markus 3. März 2010 um 18:18 #

    Klar Adrian, wie wir wissen, liest man Äußerungen nur so, wie man sie lesen und verstehen möchte.

    Ich habe nie geschrieben, dass alle Unternehmen böse sind und der Staat gut ist. Beide Seiten haben sowohl positive als auch negative Aspekte. Dass du aber, der ja sonst auch immer alles kritisch betrachten möchte – schaffen tust du es leider manchmal nicht, da dich deine offensichtliche Phobie gegen jedes soziale und leicht links angehauchte blind werden lässt für Logik –, hier nun einseitig die Unternehmen lobst und staatlich erzwungene Antidiskriminierung scheltest, widerspricht doch jedweder Logik. Oder glaubst du tatsächlich daran, dass die Unternehmen gleiches Interesse zeigten, wären sie staatlicherseits nicht gezwungen, Menschen jeden Schlages als Mitarbeiter zu akzeptieren? Welchen Nutzen hätte das für die Unternehmen? Bis auf die wenigen Äußerungen derer, denen Gleichberechtigung wichtig ist, würde es doch niemanden interessieren, ob ein Unternehmen sich nun für Homosexuelle engagiert oder nicht. Damit hätte das Engagement keinen wirtschaftlichen Einfluss und das Unternehmen würde es keinen Deut interessieren, wie man aus Engagement für Homosexuelle Profit schlagen kann. Denn das ist das einzige, was die Unternehmen hier tun oder tun wollen.

  5. Adrian 3. März 2010 um 18:31 #

    „Dass du aber, der ja sonst auch immer alles kritisch betrachten möchte“

    Alles kritisch betrachten? Nee, das wäre mir echt viel zu anstrengend…

    „eine offensichtliche Phobie gegen jedes soziale und leicht links angehauchte“

    zuviel der Ehre

    „hier nun einseitig die Unternehmen lobst“

    Genau genommen habe ich die Unternehmen nicht gelobt.

    „Staatlich erzwungene Antidiskriminierung scheltest“

    Ich schelte sie nicht, ich finde sie überflüssig, vertragsfeindlich, antiindividualistisch, antiliberal und heuchlerisch weil inkonsistent. Antidiskriminierungsrichtlinien sind, sofern sie in die Vertragsfreiheit eingreifen, reine Wohlfühlgesetze, die dazu dienen, bestimmte Weltbilder vorzuschreiben.

    „Oder glaubst du tatsächlich daran, dass die Unternehmen gleiches Interesse zeigten, wären sie staatlicherseits nicht gezwungen, Menschen jeden Schlages als Mitarbeiter zu akzeptieren?“

    Allerdings.

    „Welchen Nutzen hätte das für die Unternehmen?“

    Profit. Wer an den Gewinn denkt, kann es sich nicht leisten, bspw. homosexuelle Mitarbeiter auszugrenzen, wenn sie sich als profitabel erweisen.

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