Lasst Männer menschlich sein!

5 Mrz

Schon lange geistert durch die Medienwelt, dass Männer in einer Krise stecken, und parallel zum Aufstieg der Frauen, mit ihrer Geschlechterrolle und ihrer Identität als Mann hadern würden. Als Ausweg aus dieser Krise wird dem Mann üblicherweise geraten, sich neu zu definieren um sich, ähnlich wie es die „Neue Frau“ getan hat, zu einem „Neuen Mann“ zu entwickeln. Doch was bedeutet das eigentlich konkret?

Vielleicht kann uns das Interview der „Welt“ mit dem Sozialwissenschaftler Andreas Heilmann bei der Beantwortung dieser Frage behilflich sein. Heilmann zeigt zunächst Indizien für die „Krise des Mannes“ auf:

Der Befund ist dahin gehend richtig, dass Männer in vielen Bereichen unter Veränderungsdruck stehen. Was oft mit einem alarmierenden Ton als Krise der Männer bezeichnet wird, ist bei genauem Hinsehen jedoch eigentlich die Krise eines traditionellen Männlichkeitsideals. Man müsste also die Suizid- und Gewaltneigung, die Leistungseinbrüche und Identitätsprobleme mit dem in Bezug setzen, was sich die untersuchten Personen unter Männlichkeit vorstellen.

Anhand der dargestellten Problemfelder „Suizid- und Gewaltneigung, die Leistungseinbrüche“ und, ganz allgemein „Identitätsprobleme“ lässt sich das „Ideal der Männlichkeit“ recht einfach beschreiben, denn dieses Ideal ist immer noch so, wie seit Jahrhunderten: der Mann als Beschützer der Frau, als „Leistungsträger“, als Macher in Arbeitswelt und Gesellschaft, stark, heroisch, unbezwingbar, nie leidend, nie weinend, nie empfindet. Das mag überspitzt klingen, trifft im Wesentlichen aber den Kern der Sache. Problematisch an diesem Bild ist allerdings – abgesehen davon, dass es der Menschlichkeit des Mannes nicht gerecht wird – dass sich die Welt gewandelt hat, und vom Mann in unserer heutigen Zeit nicht mehr nur ausschließlich oben genannte Eigenschaften verlangt werden. Klar soll der Mann stark und durchsetzungsfähig sein, gleichzeitig aber auch emotional und empfindsam. Dummerweise haben Männer diese Eigenschaften aber nie gelernt, denn auch im Elternhaus ist es immer noch üblich, einem Jungen das Weinen eher zu verbieten („Jungs weinen nicht!“, „Du bist doch kein Mädchen, oder?“, „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“) als einem Mädchen, oft genug auch von Müttern, die sich außerhalb ihrer Mutterrolle darüber beschweren, dass Männer so wenig emotional sind und nicht über ihre Gefühle reden könnten.

Dass alles soll natürlich nicht bedeuten, dass sich beim Thema „Mann“ nichts getan hätte:

Es gibt beispielsweise mehr aktive Väter, mehr Männer, die sich nicht mehr ausschließlich über die Erwerbsarbeit definieren, und auch das gesellschaftliche Bild von schwuler Männlichkeit hat sich positiv gewandelt.

In der Tat hat sich das Bild schwuler Männlichkeit gewandelt, allerdings nicht so sehr, als dass sie traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit erschüttern konnten. Ist ja auch logisch. Denn das Bild des Schwulen unterscheidet sich von dem des „klassischen“ heterosexuellen Mann ja entscheidend: Er steht nicht auf Frauen. So trägt der Schwule einerseits zu einer Akzentuierung des Männerbildes bei, andererseits aber eben auch zur Abgrenzung vom „männlichen“, vom „richtigen“ Mann. Kurz gesagt: Der Schwule darf weiblicher sein, als der „gewöhnliche“ Mann, weil der Schwule schließlich schwul, also ohnehin „anders“ ist.

Nicht selten wird als Grund für die „Weigerung“ von Männern, sich „weiblicher“ zu geben, eine latente Frauenfeindlichkeit ausgemacht. Ich sehe das anders. Denn (heterosexuelle) Männer haben ja nichts gegen Weiblichkeit bzw. gegen Frauen – ganz im Gegenteil -, solange eben die Rollen klar verteilt und übersichtlich sind, d. h. solange es eben Frauen sind, die weiblich auftreten und nicht (heterosexuelle) Männer. Mit Frauenfeindlichkeit hat das m. E. nichts zu tun.

Doch Frauen werden insofern „männlicher“, als dass sie beginnen, sich in der klassischen Männerdomäne anzusiedeln, dem Berufsleben. Was natürlich Folgen hat:

Viele Männer erfahren den Veränderungsdruck als problematisch und suchen die Schuldigen unter den Feministinnen. Ihre Argumentation folgt dabei einer Null-Summen-Logik. Sie glauben, dass jede erfolgreiche Frau einen Mann von seiner Position verdrängt.

Wobei man die Männer „beruhigen“ kann, denn auch wenn Frauen ins Arbeitsleben übersiedeln, die gefährliche, schmutzige und körperlich anstrengende Arbeit bleibt weiterhin fast ausschließlich den Männenr vorbehalten und man wird auch keine feministische Organisation finden, die sich für eine Quotenregelung bei, sagen wir der Müllabfuhr oder dem Bergbau, starkt macht, geschweige denn für die Wehrpflicht auch für Frauen. „Frauenförderung“ ist nämlich eine ziemlich elitäre Angelegenheit, wie auch Herr Heilmann, unbeabsichtigt, feststellt:

Die Frauenförderung als ein politisches Instrument zur Gleichstellung der Geschlechter ist nach wie vor erforderlich. Die Karlsruher KIT-Studie zeigt, dass in den Aufsichtsräten der 600 wichtigsten deutschen Unternehmen nur acht Prozent Frauen sitzen, in der Vorstandsetage gar nur drei von Hundert. Das ist nur ein Beispiel.

Nun könnte man sich die Frage stellen, inwieweit es Sinn macht, als Beispiel immer nur die Topetagen der Wirtschaft für die Ungerechtigkeiten heranzuziehen, denen Frauen im Berufsleben angeblich ausgesetzt sind. Wie wäre es, statt dessen, einmal zu fragen, warum es so wenig Frauen sind, die in den Topetagen der Wirtschaft sitzen? Die Antwort gibt einem jedes Wirtschafts- und Managementseminar an der Universität, in denen Frauen, gelinde gesagt, selten die Mehrheit stellen. Wenn man davon ausgeht, dass Frauen nicht mit vorgehaltenem Bajonett daran gehindert werden, Manager zu werden, wenn trotz all der Frauenförderung, all der „Girls-Days“, all dem Gerede von der neuen, selbstbewussten Frau, Frauen weiterhin in den meisten gesellschaftlich relevanten Berufen unterrepräsentiert sind, könnte das nicht daran liegen, dass die klassische Rollenverteilung den Frauen mehr zusagt, als sie es zugeben wollen? Oder anders gefragt: Ist der Feminismus, sind Frauen, tatsächlich so scharf darauf, in der Gesellschaft den Platz einzunehmen, den bisher Männer inne hatten? Ich glaube nicht.

Was natürlich nicht bedeutet, dass Männer so scharf darauf wären, ihre gesellschaftliche Stellung zu räumen. Sowohl Frauen als auch Männer sind eben darauf „konditioniert“, so zu sein, wie sie sich geben müssen: vom Mann wird weiterhin erwartet, eine Familie ernähren zu können  – weil er eben sonst kein Frau „abbekommt“ – während die Frau zwar beruflich erfolgreich sein darf, aber eben auch nicht zu sehr, weil Männer dies nun mal nicht schätzen. Und auch wenn sich diese Ansichten akzentuiert haben mögen, mindestens unter der Oberfläche sind diese Rollenvorstellungen weiterhin vorhanden.

Und was kann Mann – und um den geht es hier schließlich – dagegen tun? Mehr „Männlichkeit“, mehr John Wayne?

Das wäre ein Kurzschluss. Ich bin überzeugt, dass John Wayne eben jenes enge Männlichkeitskorsett verkörpert, das die Ursache für das Leiden vieler Männer bildet. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, ausgerechnet das Bild vom einsamen Cowboy zu stärken. Ein Zurück zur alten Männerherrlichkeit kann und wird es nicht geben.

Hier stimme ich Heilmann zu. Das „John-Wayne-Bild“ von Männlichkeit halte ich im hohen Maße verantwortlich für die Probleme, die den Mann plagen: das Unterdrücken von Emotionen, das ständige Suchen nach Stärke bei Unterdrückung von Schwächen, der immerwährende Drang sich beweisen zu müssen, und daraus folgend ungesunde Aktivitäten wie exzessives Risikoverhalten, Gewaltbereitschaft oder übermäßigen Alkoholkonsum.

Statt dessen fordert Heilmann:

Die zunehmende Komplexität der Lebensverhältnisse fordert eine Vielfalt an männlichen und weiblichen Rollenmodellen. Die typischen Kennzeichen eines starren Männerbildes sind monotone und einseitige Verhaltensmuster: Nur stark, wettkampforientiert und leistungsfähig sein, nie weinen oder eine Frau über sich dulden. Für Jungen ist es heute besonders wichtig zu erfahren, dass sie auch einmal „unmännlich“ sein können, ohne dabei gleich ihre männliche Identität zu verlieren. Nehmen Sie Klaus Wowereit. Dieser beweist, dass sich Schwulsein durchaus mit der Rolle eines modernen und weltoffenen Staatsmannes vereinbaren lässt. Ich würde daher sagen: weniger Wayne, mehr Wowereit!

Oder anders gesagt: Lasst Frauen, lasst Männer nicht nur weiblich oder männlich, sondern auch menschlich sein. Und keine Angst: Zu einer geschlechtslosen Gesellschaft wird uns das nicht führen. Denn auch wenn beim Rollenbild von Mann und Frau vieles gesellschaftlich konstruiert sein mag, ein bisschen Biologie ist auch noch dabei. Zumindest wenn ma(n)n die Hosen runterlässt.

13 Antworten zu “Lasst Männer menschlich sein!”

  1. califax 5. März 2010 um 15:59 #

    Bei diesen Männerbildern wird immer wieder vieles durcheinandergewürfelt, das so nicht zusammengehört. Bei der Emotionalität beispielsweise gibt es zwar einen gewissen Druck (präskriptiv: Männer weinen nicht) aber eben auch eine starke hormonelle Disposition (deskriptiv: Männer weinen viel seltener als Frauen) und eine Disziplinfrage: Wer Entscheidungen treffen muß, hat in diesem Moment keine Zeit zum Flennen. Und wenn die Entscheidung richtig war, fällt hoffentlich auch der Grund weg.
    Die höhere Risiko- und Gewaltbereitschaft wiederum ist nicht das Ergebnis eines gestörten Männlichkeitsbildes. Welcher gescheiterte Freudianer denkt sich immer diesen Unsinn aus? Die höhere Risiko- und Gewaltbereitschaft der Männer ist eine anthropologische Konstante, läßt sich zum einen durch die medikamentöse Beeinflussung des Hormonspiegels beeinflussen und zum anderen auf geschlechtsspezifische Hirnstrukturen zurückführen. Das kriegt man nicht durch sozialwissenschaftliches Herumpfuschen an irgendwelchen Genderphantasien ändern.
    Beides, die angeblich gestörte Emotionalität und die höhere Bereitschaft zu Risiken und Gewalteinsatz, gehört zusammen und erfüllt auch eine wichtige Funktion im menschlichen Verhalten. Jungen Männern kommt in der menschlichen Sozialstruktur nicht so sehr eine Schutzaufgabe zu, die haben alle Mitglieder einer Gruppe unabhängig vom Geschlecht.
    Die Rolle der jungen Männer ist die der Übernahme hochriskanter Aufgaben, der aktiven Bekämpfung von Feinden der Gruppe und der Vorbereitung auf das Rangeln um den Status als Alphamännchen.
    Damit hat die Menschheit ziemlich lange überlebt und viele Krisen gemeistert. Das ändert sich nicht innerhalb von ein paar Jahrzehnten.

    Es gibt andere Erwartungen, die rein gesellschaftlich bedingt und teilweise noch sehr jung sind: Die Rolle als alleiniger Ernährer etwa oder die des Leistungssportlers am Zapfhahn.

    Jugendliche sind wandelnde Hormonbomben. Die suchen sich ihre Vorbilder meist nicht nach der ideologischen Ausrichtung irgendwelcher Genderstudien oder nach der „Ausgewogenheit“ einer alle denkbaren Minderheiten explizit aufzählenden Sprachverschwurbelung.
    Im Zweifel ist John Wayne cool. Schwäche darf so ein Held, anders als es das Soziologengewäsch behauptet, durchaus reichlich zeigen. Gebrochene Gestalten wie in Lethal Weapon, Bad Boys oder Apocalypse now sind beliebt. Kugelsichere Märchenprinzen will niemand sehen. Hollywood hat das frühzeitig kapiert und verdient gut daran. In jedem unter Teenagern erfolgreichen Actionfilm wird so gründlich geheult und versagt, daß Psychologen aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr rauskommen.

    Naja, keine Zeit mehr. Ich komme später nochmal vorbei. 🙂

  2. Adrian 5. März 2010 um 16:23 #

    Lieber califax, schön dass Du hergefunden hast 🙂

    Ich möchte den Beitrag nicht als eine wissenschaftliche Abhandlung, als reine Lehre, oder als Plädoyer für irgendwelche Gender-Experimente verstanden wissen. Das zum einen. Zum anderen stimme ich Dir zu, dass es biologisch determinierte Eigenschaften der Geschlechter gibt. Das habe ich auch nie bestritten. Andererseits halte ich Rollenbilder für nicht unwichtig.

    Es mag sein, dass Männer, hormonell bedingt, weniger weinen als Frauen, aber das widerspricht nicht der These, dass sie noch weniger weinen, als biologisch üblich. Als Beispiel nehme ich da mich selbst. Als ich noch nicht geoutet war (als Jugendlicher), habe ich nie geweint, weil mir unbewusst klar war, dass dies nicht Teil des männlichen Rollenbildes ist und ich somit mit gesellschaftlichen Sanktionen zu rechnen habe. Heute weine ich üblicherweise, wenn mir danach ist, aber interessanterweise dann nicht, wenn ich mit Heteros zusammen bin. Natürlich ist mir klar, dass ich nicht von mich auf die Allgemeinheit schließen kann, finde es aber bemerkenswert, wie ein heterosexuelles – d. h. klassisch „männlich“ konnotiertes Umfeld – mich dazu bringt, meine Tränen zurückzuhalten, etwas, was ich unter anderen Umständen nie tun würde.

    „Die höhere Risiko- und Gewaltbereitschaft der Männer ist eine anthropologische Konstante, läßt sich zum einen durch die medikamentöse Beeinflussung des Hormonspiegels beeinflussen und zum anderen auf geschlechtsspezifische Hirnstrukturen zurückführen.“

    Ich bestreite dies nicht, es würde auch keinen Sinn machen, da die meisten hochentwickelten Säugetiermännchen aggressiver sind als Weibchen, nur widerspricht das wiederum nicht der These, dass Männer aggressiver sind, als sie sein müssten. Das Nichtausleben von Emotionen, der gesellschaftliche Druck etwas zu leisten und die Rollenerwartungen zu erfüllen, zu tlw. selbstzerstörerischem Verhalten führen können, erscheint mir logisch. Übrigens habe ich mal eine Untersuchung gelesen, dass bei Frauen, die im Management beschäftigt sind, der Grad „männlichen“ Verhaltens steigt. Sie werden aggressiver, härter, emotionsloser. Nur mit biologischen Faktoren lässt sich das nicht erklären.

    „Die Rolle der jungen Männer ist die der Übernahme hochriskanter Aufgaben, der aktiven Bekämpfung von Feinden der Gruppe und der Vorbereitung auf das Rangeln um den Status als Alphamännchen.“

    Eben, es ist ihre „Rolle“ und es wird entsprechend gesellschaftlich unterstützt.

    „Damit hat die Menschheit ziemlich lange überlebt und viele Krisen gemeistert. Das ändert sich nicht innerhalb von ein paar Jahrzehnten.“

    Das bestreite ich nicht.

    „Jugendliche sind wandelnde Hormonbomben. Die suchen sich ihre Vorbilder meist nicht nach der ideologischen Ausrichtung irgendwelcher Genderstudien oder nach der “Ausgewogenheit” einer alle denkbaren Minderheiten explizit aufzählenden Sprachverschwurbelung.“

    Jugendliche sind aber auch Menschen in einer biologisch sehr speziellen Entwicklungsphase, eben „HormonBOMBEN“.

    „In jedem unter Teenagern erfolgreichen Actionfilm wird so gründlich geheult und versagt, daß Psychologen aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr rauskommen.“

    Unter Männern wird geheult? Ich schaue nicht so oft Actionfilme, aber das möchte ich doch bezweifeln. Außerdem sind Filme eben fiktional.

  3. califax 5. März 2010 um 22:07 #

    Bad Boys und Bad Boys II leben hauptsächlich davon, daß einer der beiden Cops weit über jedes normale Maß hinaus entnervt und blamiert wird.
    Lethal Weapon hat mit einem Satz Geschichte geprägt: „Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“ Rambo und Rocky flennen zumindest im jeweils ersten Teil hemmungslos drauflos und müssen gerettet werden, etc.
    In allen Actionfilmen, die ich kenne, wird dem Helden Schwäche und Emotionalität positiv angerechnet. Heldentum strengt nunmal ein wenig an auf Dauer.

    Ich möchte den Beitrag nicht als eine wissenschaftliche Abhandlung, als reine Lehre, oder als Plädoyer für irgendwelche Gender-Experimente verstanden wissen.

    So habe ich es auch nicht verstanden. Aber der Zeitungsartikel hat es der Mode entsprechend vermischt.

    Was nun aus den Hormonlagen Jugendlicher und der biologischen Prädisposition folgt, ist, daß sich vorallem männliche Jugendlich überwiegend Vorbilder suchen, die ein reifer Erwachsener „nicht nötig hat“: Muskelpakete, Kämpfer, imponierende Anführer.
    Werden solche Rollenbilder durch die Pädagogik als rechts oder asozial gelabelt, werden viele Jugendliche nicht etwa das Rollenbild wechseln, sondern die Faszination und den Nachahmungssog der Rolle auf die Labels übertragen – sie wollen dann lieber rechts bzw. asozial sein als so wie der durchsetzungsschwache Lehrer, der selbst für Leute Verständnis äußert, die ihn umbringen wollen.
    Dabei kann ein positives und durchaus testosterongeladenes Vorbild auch von Intellektuellen und Schwulen kommen: Hemingway kann durchaus beeindrucken. Wowereit und Westerwelle sind richtige Männer und keine Schwuchteln. Und wer kämpferische Reden von den beiden hört, merkt schnell, daß das Alphas sind und braucht etwas Lebenserfahrung, um nicht beeindruckt zu sein.
    Im Internet kursieren Photos von deutschen Soldaten, die im Raum Kundus aus tagelangen Feuergefechten ins Lager zurückkommen. Die haben Tränen in den Augen und sind fertig. Das sind Heldenphotos. Sie mögen nicht in die heile Bürowelt der Bundeswehrverwaltung passen, aber sie sind die beeindruckendsten Bilder, die ich seit langem gesehen habe.

    Ich glaube, daß wir tatsächlich ein Pädagogikproblem haben. Starke Männlichkeit wird zusammen mit vielen als typisch männlich empfundenen Symbolen wie zum Beispiel Waffen inzwischen von sehr vielen Menschen pauschal abgelehnt, sogar aktiv bekämpft.
    Aber erstens handelt es sich dabei um notwendige Bestandteile einer lebensfähigen menschlichen Gemeinschaft und zweitens verschwindet dadurch nicht etwa die Anziehungskraft dieser Dinge sondern nur das Wissen um den verantwortungsvollen Umgang damit.
    Wenn sich Menschen panisch empören, weil im Keller neben einer Schule mit Luftgewehren auf Pappscheiben geschossen wird, gleichzeitig aber meinen, uns feindlich gesonnene Leute hätten ein Recht auf Kernwaffen, dann versagen sie als Vorbilder. Und man darf sich nicht wundern, wenn Jugendliche den Sinn von Waffen und Nahkampftraining im Eskalieren kleinlicher Zickenkriege sehen, wenn das alles ist, was sie davon wissen, wenn sie nie gelernt haben, was Ritterlichkeit und Standfestigkeit ist.

  4. Adrian 5. März 2010 um 22:21 #

    Natürlich dürfen Helden auch mal schwach sein. Es sind schließlich Helden, was heißt, dass sie ihrer Männlichkeit schon genüge getan haben. Sie brauchen sich nicht noch mehr zu beweisen, weil der Kinozuschauer ja eh bereits weiß, dass es Helden sind.

    „Wowereit und Westerwelle sind richtige Männer und keine Schwuchteln.“

    Ein interessanter Beleg für die Wirkungsmächtigkeit einer als „männlich“ konnotierten Geschlechtsrolle: Wowereit und Westerwelle sind kämpferische Alphas, „richtige“ Männer also, im Gegensatz zu den „unmännlichen“ Schwuchteln.

  5. califax 5. März 2010 um 22:22 #

    Nochwas: Daß Actionfilem Fiction sind, spielt hier keine Rolle. Denn das sind alle Rollenvorbilder. Holywood lebt in Saus und Braus davon, Rollenbilder zu übersteigern und so darzustellen, daß sich vor allem Jugendliche von den Helden angezogen fühlen. Die Helden von erfolgreichen Actionfilmen sind Idealtypen unserer Jugend.

  6. califax 5. März 2010 um 22:26 #

    Ein interessanter Beleg für die Wirkungsmächtigkeit einer “männlich” konnotierten Geschlechtsrolle: Wowereit und Westerwelle sind kämpferische Alphas, “echte” Männer also, im Gegensatz zu den unmännlichen Schwuchteln.

    Genau. Wobei ich mit den Schwuchteln diese nervtötenden Kaffeekannen meine, die uns seit ein paar Jahren ständig im Fernsehen präsentiert werden. Wowereit und Westerwelle präsentieren der Jugend ein Schwulenbild, daß sehr positiv besetzt ist: Gestandene Kerle mit Verantwortung und Erfolg. Die muß man respektieren, selbst wenn man sie als Gegner hat. So ziemlich das Gegenteil vom traditionellen Schwulenbild.

  7. Adrian 5. März 2010 um 22:27 #

    Die interessante Frage ist doch: Warum sind es gerade Helden, die als Vorbilder der (männlichen) Jugend gelten? Warum nicht der sensible, einfühlsame Softie? Warum gilt der kraftstrotzende Held als „männlicher“, als der zerstreute Professor mit der Nickelbrille?

  8. Adrian 5. März 2010 um 22:38 #

    Oder anders gefragt: Warum empfindest Du, califax, Wowi und Westerwelle als männlicher als die „Kaffeekannen“ im Fernsehen? Welcher Mechanismus treibt Dich zu so einer Anschauung? Erlerntes Rollenverhalten, oder biologische Faktoren?

  9. califax 5. März 2010 um 23:20 #

    Die interessante Frage ist doch: Warum sind es gerade Helden, die als Vorbilder der (männlichen) Jugend gelten? Warum nicht der sensible, einfühlsame Softie?

    Weil Testosteron nunmal den Focus auf Konkurrenzkampf, Aggressivität, Mut, Imponiergehabe und Kraftmeierei lenkt. Sensibilität und Einfühlungsvermögen hängen eher am Östrogen.
    Die Jugendlichen suchen Vorbilder mit einem dem ihren selbst ähnlichen, wenn auch oft weit übertriebenen, Muster an Talenten und Makeln.
    Ich selbst hatte wenige Muckis und eher wenig Testosteron, dafür war ich ein exzellenter Leser – meine Vorbilder waren nicht Rambo und Rocky sondern Einstein und Jähn.

    Warum gilt der kraftstrotzende Held als “männlicher”, als der zerstreute Professor mit der Nickelbrille?

    Weil man mit Geschlechtern nunmal optische und akustische Geschlechtsmerkmale assoziiert. Das sind nicht zuletzt evolutionär verankerte Warnsignale, sie kennzeichnen potentiell gefährliche Gegner, hilfreiche Verbündete, ernstzunehmende Konkurrenten in der Gruppe.
    Dadurch sind ein breites Kreuz, kräftige Oberarme und eine tiefe Stimme fester verankert als graues schütteres Haar, Stolpergang und Fistelstimme. 😉
    Heterosexuelle Frauen reagieren sogar nachweisbar auf nicht mehr bewußt wahrnehmbare Geruchsreste von Männern mit überdurchschnittlichem Testosteronspiegel. Sie riechen also, ob der Kerl, der auf dem Stuhl saß, muskelbepackt, jung und aggressiv war. Und sie wählen dann bevorzugt diesen Stuhl, werden von ihm angezogen.

    Oder anders gefragt: Warum empfindest Du, califax, Wowi und Westerwelle als männlicher als die “Kaffeekannen” im Fernsehen? Welcher Mechanismus treibt Dich zu so einer Anschauung? Erlerntes Rollenverhalten, oder biologische Faktoren?

    Da werden Typen präsentiert, die mit schriller Nasalstimme und weinerlichem Charakter herumzicken, zentnerweise Make-Up auftragen, sich teilweise optisch in Barbiepuppen verwandeln. Leute, die scheinbar die Hälfte ihres Lebens damit verbracht haben, mit affektuiertem Gehabe vor dem Spiegel zu flanieren.
    Leute, die sich den ganzen Körper rasieren, deren wichtigstes Thema die eigene Sexualität, deren wichtigste Ausstellungsstück für Besucher eine Sammlung von Analdildos ist. Die zu keinem Thema etwas sinnvolles und ernsthaftes sagen können, wenn es nicht Make-Up oder Klatsch über das Sexualleben ihnen wildfremder Menschen ist. Diese Leute sind einfach eklig und nervig.

    Wowereit und Westerwelle sind normale Leute. Sie arbeiten. Sie kämpfen für ihre Überzeugungen. Sie setzen sich durch. Sie haben nicht immer Erfolg, aber damit kommen sie zurecht. Sie übernehmen Verantwortung und reden von Dingen, die wichtig sind. Sie verzichten weitgehend auf affektuiertes und gekünsteltes Gehabe. Sie unterscheiden soweit wie möglich zwischen Privatem und Öffentlichem. Sie flößen in ihrem Auftreten und Reden Respekt ein.

    Da kommen sicher gesellschaftliche und biologische Faktoren in einer schönen Wechselwirkung zusammen. Für die Kaffeekannen im Fernsehen gilt zum Beispiel auch, daß ich deren Benehmen auch bei Frauen nicht ertragen kann.

  10. Adrian 5. März 2010 um 23:31 #

    „Weil man mit Geschlechtern nunmal optische und akustische Geschlechtsmerkmale assoziiert. Das sind nicht zuletzt evolutionär verankerte Warnsignale, sie kennzeichnen potentiell gefährliche Gegner, hilfreiche Verbündete, ernstzunehmende Konkurrenten in der Gruppe.“

    Der Satz klingt unheimlich logisch, und macht mir klar, dass ich Biologie vermisse…

  11. jiri 14. März 2010 um 14:47 #

    Hallo Califax,

    zu:
    „Weil Testosteron nunmal den Focus auf Konkurrenzkampf, Aggressivität, Mut, Imponiergehabe und Kraftmeierei lenkt. Sensibilität und Einfühlungsvermögen hängen eher am Östrogen.“

    ich habe das Gefühl, dass du sehr in einer sehr männlich-machomäßigen Argumente, für die es keinerlei wissenschaftliche Beweise gibt, als pseudowissenschaftliche Tatsachen verkaufen kannst.

    Es wäre schonmal gut, solche biologischen Erkenntnisse, dann tatsächlich mit wissenschaftlichen Studien zu verifizieren, dass würde schonmal die ganze Sache etwas nachvollziehbarer machen.

    So bleiben deine Äußerungen Ausdrücke einer (und deiner) patriarlich ausgerichteten Weltanschauung

  12. califax 17. März 2010 um 13:40 #

    @Jiri: Ach, Mensch. Wenn Sie in Biologie sitzen geblieben sind, ist das nicht die Folge irgendeiner Ideologie mit ausnahme Ihrer eigenen Feindschaft gegen die Naturgesetze. Wenn Sie die Details zu den Studien über den Einfluß von Hormonen auf Körperbau und Psyche schwarz auf weiß wollen, gehen Sie doch bitte gleich zum Sportmediziner Ihres Vertrauens. An den Universitäten wird man Sie auch gleich über die Rechtsfrage in Sachen Doping, Körperverletzung und Krebsrisiko bei Manipulation des Hormonspiegels aufklären.
    In Ihrer von „patriarchalischen“ Weltverschwörungen geprägten kleinen Welt mögen der ganze Anti-Doping-Kampf, große Teile der Krebsforschung, Jahrzehnte der Forschung zum Hormonhaushalt des Menschen, große Teile der Pharmakologie, das medizinische Leistungssportprogramm des ehemaligen Ostblocks und so weiter auf „patriarchalisch ausgerichteten Weltanschauungen“ beruhen.
    In der Welt der Naturwissenschaft sind Sie ein ideologisch verblendeter Trottel. 😉

  13. Jiri 25. März 2010 um 18:13 #

    Sehr geehrter Herr Califax

    wie schön, dass testosterongedopte Sportler und insbesondere Sportlerinnen aus dem Ostblock eine so nachhaltige Wirkung auf uns hatten, dass wir uns gerade mal an den Bart der russischen Gold-Kugelstoßerinnen erinnern können.

    Dieses Testosteron muss wohl eine Religion sein, aber ich glaube irgendwie nicht dran.

    Ja gut, ich sach mal, wenn das Verhalten der Menschen ausschließlich auf Testosteron beruhen würde, wozu brauchen wir dann Schulen und Bildungseinrichtungen?

    Es wäre dann doch sinnvoller, direkt Hormonmischungen zu erfinden.

    Vielleicht können Sie da ja ein gutes Geschäft mit machen, lieber califax!

    Dann können Sie mal so richtig zeigen, was ein richtiger Geschäftsmann ist!!!

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