„Freiheit und Gerechtigkeit für jeden“

6 Mrz

Will Phillips ist erst zehn Jahre alt, zeigt aber bereits eine ganze Menge Zivilcourage. In den USA wurde der Knirps aus Arkansas kurzerhand bekannt, weil er sich weigerte sich beim allmorgendlichen, schulischen Aufsagen der Pledge of Allegiance zu erheben. Warum?

Am Ende dieses Schwurs ist von „Freiheit und Gerechtigkeit für alle“1 die Rede. Das stimmt aber nicht. In Amerika gibt es sehr viel Rassismus und Sexismus. Schwule und lesbische Paare dürfen bei uns nicht heiraten oder Kinder adoptieren. Also dachte ich mir: Da muss man doch was machen.

Irgendwie cool.

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[1] laut offizieller deutscher Übersetzung heißt es „für jeden“, nicht „für alle“ [back]

8 Antworten zu “„Freiheit und Gerechtigkeit für jeden“”

  1. Ralf 6. März 2010 um 14:24 #

    Das erinnert mich an den „Mainzer Appell“, den der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck vor mehreren Jahren veranlasste. Es handelte sich um ein Dokument, das die üblichen Diskriminierungsmerkmale aufzählte und erklärte, dass solche Diskriminierung abgelehnt und bekämpft werden müsse. Ein Merkmal jedoch fehlte: sexuelle Ausrichtung/Orientierung/Identität. Im Ergebnis war das also eine Erklärung, in der der Ministerpräsident feststellte, dass in Rheinland-Pfalz Schwule, Lesben und Transgender staatlicherseits nicht anerkannt wurden und ihnen die Gleichberechtigung verweigert wurde. Als der Appell in der Behörde, in der ich damals arbeitete, rundging, war ich der Einzige, der ihn nicht unterschrieb. Alle anderen Mitarbeiter(innen) unterstützten es, dass ich weiter als Mensch und Beamter zweiter Klasse behandelt werden sollte. Wenn ich auch einräume, dass dies bei den meisten wohl eher aus Gedankenlosigkeit als aus Vorsatz geschah, war es mal wieder ein Beweis der These, dass die allermeisten Menschen gerne im Strom mitschwimmen und Diskriminierung durch Mehrheitsvotum legitimieren, wenn es nicht um sie selbst geht. Der kleine Junge in den USA jedenfalls hat mehr Mumm als alle die Erwachsenen zusammen, die damals Kurt Becks homofeindlichen Aufruf kritiklos unterschrieben.

  2. DDH 6. März 2010 um 17:49 #

    Ein weiteres Indiz für meine Hypothese, daß man Zivilcourage allenfalls bis zu einem gewissen sozial erwünschbaren Grad anerziehen kann, daß aber ein Individuum schon mit einem gewissen Gerechtigkeitsempfinden ausgestattet auf die Welt kommt oder eben nicht.

    Die meisten Menschen sind nun einmal so gestrickt, daß sie die soziale Isolation mehr fürchten als im Schutze des „Cosi fan tutte“ Unrecht zu begehen/passiv zu dulden.

    Aber erstmal: Hut ab vor dem kleinen Jungen!

  3. christianhannover 6. März 2010 um 19:59 #

    so ehrenwert das ist: wer hats ihm gesagt?
    so etwas fällt doch keinem zehnjährigen kind ein…

  4. DDH 6. März 2010 um 20:38 #

    Doch!

    Also ich hatte mal ein Erlebnis als Kind… aber das würde jetzt zu weit führen. 😉

  5. Marti 6. März 2010 um 21:30 #

    Mir kommt das mit dem Jungen sehr unnatürlich vor. Estens halte ich es für wenig wahrscheinlich, dass sowas einfach so von einem zehnjährigen Jungen kommt, es sei den das Umfeld ist entsprechend drauf.

    Zum anderen, wie kommt sowas in die Medien? Irgendwie wirkt das alles eher dressiert und gestellt und das ist mir nicht sehr sympathisch.

  6. Adrian 6. März 2010 um 21:37 #

    @ Marti

    „halte ich es für wenig wahrscheinlich, dass sowas einfach so von einem zehnjährigen Jungen kommt, es sei den das Umfeld ist entsprechend drauf.“

    Nun ja, wir alle sind doch von unserem Umfeld geprägt, oder?

    Wie so was in die Medien kommt? Den Treueschwur zu verweigern, scheint in den USA eine bemerkenswerte Sache zu sein, und wenn dann noch ein Knirps sagt, er tue das um auf Unrecht aufmerksam zu machen… Mensch, die Medien lieben so was!

  7. DDH 6. März 2010 um 22:05 #

    Ich war als Jungpionier beim Fahnenappell intuitiv DAGEGEN, entzog mich dem Zinnober sogar mehrfach, ohne daß meine – in dieser Hinsicht vorsichtigen – Eltern mich staatsfeindlich konditioniert gehabt hätten!

    Und wenn in der Klasse gefragt wurde, ob die Klasse auch dafür sei, daß ein bestimmter Junge nicht mit zum Wandertag dürfe (weil er was in der Schule ausgefressen hatte) und alle „Jaaaaaaaa!“ brüllten, rief einer laut und vernehmbar „NEIN!“. Jetzt dürft Ihr raten, wer das wohl war! 🙂

    Und das war in der 2. Klasse und der Junge war nicht mal mein Freund! Ich mochte einfach Akklamationen und Kollektiv-Entscheidungen nicht, hinzukommt, daß ich wußte, daß der, den sie am Wickel hatten nicht allein für die Missetat verantwortlich war, aber der Anstifter war ein Bonzensöhnchen, naja).

    Man kommt so oder so auf die Welt, danach kannste kaum noch was Gravierendes verändern, v.a. nicht den Charakter.

  8. Adrian 6. März 2010 um 22:11 #

    Oh Gott, Fahnenapell – man das ist lange her…
    Aber es ist eine gute Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, dass die Bundesrepublik Deutschland mir noch das Rote Halstuch der Thälmann-Pioniere schuldet – genau so übrigens wie einen Trabi, der innerhalb der Familie bestellt, aber nie ausgeliefert wurde 😉

    „Seid bereit“ – „Immer bereit“

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