Pfaffenschänder statt Kinderschänder

24 Mrz

Liebesdienste und Gefälligkeiten unterscheiden sich bloß durch den Beweggrund von den Diensten überhaupt; sie sind immer freiwillig, man ist sie nicht schuldig, dagegen gibt es auch schuldige und erzwungene Dienste. Liebesdienste werden aus Liebe erzeigt und Gefälligkeiten, um zu gefallen. Bei den Liebesdiensten ist der Beweggrund die allgemeine Menschenliebe, bei den Gefälligkeiten hingegen die besondere Freundschaft, die wir gegen gewisse Personen empfinden, denen wir gern, um ihre Gegenliebe zu verdienen, gefallen wollen. Wir erzeigen daher auch Fremden, besonders Unglücklichen aus mitleidiger Menschenliebe Liebesdienste, aber, wenn wir genau reden wollen, nur Freunden oder Menschen, deren Freundschaft wir nicht verschmähen würden, Gefälligkeiten.

Was hier über Liebesdienste zu lesen ist, könnte einen zu der Annahme verleiten, ein Liebesdienst sei erste Christenpflicht, für Priester also geradezu konstitutiv. Im deutschen Westen sieht man das wohl anders und so geht es hier gerade rund. Die BILD hat es aufgedeckt und die Betroffenen müssen nun dran glauben:

Zwei Priester, die bereits vor Ort tätig sind bzw. ab Juni Pfarrer werden sollten, werden von ihren Bistümern von ihren Aufgaben enthoben, weil sie im Internet auf einem Kontaktportal für Homosexuell ihre Liebesdienste angeboten hatten.

Liebesdienste angeboten? Nun ja:

Auf der Online-Plattform hatte er mit Foto und Angaben seiner Vorlieben nach Partnern für Sextreffen gesucht. Die Bild-Zeitung hatte den Geistlichen direkt mit seiner Anzeige aus dem Internet konfrontiert und darüber berichtet.

Hat man bei der BILD nichts Besseres zu tun? Enthüllungsjournalismus in Ehren, aber wären zur Zeit nicht enttarnte Pädophile in den römischen Reihen thematisch passender? Oder wollte die BILD dem Klerus eine willkommene Abwechslung bieten, damit wenigstens einen Tag lang mal nicht von Kinderschändern die Rede ist, sondern stattdessen von Pfaffenschändern? Schließlich beinhaltet ein weiterer Vorgang

die Vorwürfe gegen einen geistlichen aus Bad Driburg, den der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker ab Mai zum Leiter des Pastoralverbundes Hagen-West machen wollte. Der Geistliche, der in Iserlohn aufgewachsen ist, soll homosexuelle Sexpartys in einem Dortmunder Club organisiert und eine eigene homosexuelle Homepage betrieben haben. Auf dieser soll er zu Workshops eingeladen haben, bei denen den Teilnehmern der „richtige Umgang mit dem Rohrstock” beigebracht werden soll. Eingeschaltet ist in diesem Fall auch die Paderborner Staatsanwaltschaft, die allerdings noch nicht beurteilen kann, ob eine Straftat vorliegt.

Welche Bedeutung hat der Einschub der in Iserlohn aufgewachsen ist? Was um alles in der Welt ist eine homosexuelle Homepage? Darf man diese anders behandeln als eine heterosexuelle Homepage oder verstößt das gegen das AGG? Und schließlich: Um welche Straftat könnte es sich handeln?

Sachdienliche Hinweise bitte über die Kommentarfunktion.

2 Antworten zu “Pfaffenschänder statt Kinderschänder”

  1. Jiri 25. März 2010 um 09:26 #

    als ich die gleiche Meldung gestern in der WAZ las, welche die Meldung fast kritiklos von der BILD übernommen hatte, ist mir schlecht geworden.

    Ich finde es unglaublich, wie die katholische Kirche weiterhin versucht, die Schuld für den jahrzentelang geschehennen sexuellen Missbrauch von ihr wegzuschieben.

    Wieder einmal soll gemäß der katholischen Kirche die Homosexualität Mitschuld an allen sexuellen Rumtreibereien sein.

    Meiner Meinung nach ist vor allem die patriarchalische Struktur der katholischen Kirche mitverantwortlich für das jahrzehntelange Tolerieren von körperlicher und sexueller Gewalt an Kindern.

    In dieser Zeit war der derzeitige Papst Bischof von München und hatte später durch sein Amt in der Glaubenskongragation maßgeblichen Einfluss auf die hierarchische Struktur und die Abläufe in der katholischen Kirche!

  2. Driburger 25. März 2010 um 14:05 #

    Zu dem Fall aus Bad Driburg. Ich glaube es ging darum, dass ja auch Minderjährige bei den Sexpartys hätten anwesend sein können. Und deswegen wurde Anzeige erstattet. Hatte ich irgendwo gelesen.
    Ich kenne den Pfarrer nicht, aber er soll so ziemlich der „beste“ hier in der Gegend gewesen sein. Und wenn ich mir die mir bekannten anschaue, dann kann ich das verstehen 😀

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