Der Traum des gewöhnlichen Hetero-Mannes

6 Apr

Noch bekommt der gewöhnliche heterosexuelle Mann, der als Tourist durch Berlin spaziert und am Rande des Tiergartens auf einen hässlichen grauen Steinquader stößt, einen Schock, wenn er sich den Film anschaut, der im Inneren dieses Quaders läuft: Knutschende Männer! Wenn der gewöhnliche heterosexuelle Mann aber seinen ersten Schock überwunden hat, lernt er, dass man vom Anblick zweier sich knutschender Männer nicht stirbt, dass dies so schlimm also doch nicht sein kann.

Im September diesen Jahres wird der Lerneffekt des gewöhnlichen heterosexuellen Mannes allerdings auf Null sinken. Dann nämlich knutschen sich endlich zwei Frauen im grauen Steinquader – ein Umstand, der höchstfeministisch durch Königin Alice Schwarzer und Gefolge durchgesetzt und von der deutschen Volksvertretung unterwürfig abgenickt wurde. Nicht wenige Schwule fühlen sich von dieser feministischen Posse, gelinde gesagt, immer noch ein wenig verarscht, kann doch von einer systematischen Verfolgung von Lesben während der NS-Zeit keine Rede sein.

Aber egal, wer wollte bestreiten, dass auch Lesben diskriminert werden und immerhin ist der graue Betonkasten ja nicht nur Erinnerungsstätte an NS-Verbrechen, sondern mittlerweile auch ein Mahnmal gegen Diskriminierung von Schwulen und Lesben im hier und heute.

Der gewöhnliche Hetero-Mann kann sich also freuen, werden doch die doofen Schwulen mit ihrer widerlichen Knutscherei demnächst für wenigstens zwei Jahre entsorgt:

Carsten Mayer, 38-jähriger Tourist aus Mannheim, zuckt mit den Schultern. Frauen findet er schöner als Männer. Und wenn sich zwei Frauen küssen, ist das doppelt schön.

Und wenn der gewöhnliche Hetero-Mann sich freut, dann ist die Welt in Ordnung. Ob das allerdings im Sinne der Schwarzer ist, darf bezweifelt werden.

4 Antworten zu “Der Traum des gewöhnlichen Hetero-Mannes”

  1. pedro luis 6. April 2010 um 23:17 #

    (Sinngemäßes) Zitat aus einem Masku-Blog: „Erst wurden die Lesben beim Vergasen vergessen und dann beim Denkmal“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

  2. greg 7. April 2010 um 00:04 #

    war am sonntag auch da…diesmal erschrak sich eine familie aus süddeutschland, incl. :“IIIIEEEEHHH“!

    was mich aber annervt, ist das jeder sein eigenes denkmal „braucht“.
    das holocaust“denkmal“ ist ja auch zum spielplatz-ausruh-picknick-ding geworden. ich hoffe ja inständig, das die STELEN-SPRINGER sich mal bei den aktionen das genick brechen.

  3. Carsten Penkella 7. April 2010 um 00:12 #

    Was ist ein „gewöhnlicher Hetero-Mann“?

  4. martin 8. April 2010 um 17:54 #

    Ehrlich gesagt geht mir diese Mahnmal-Verteilungsgerechtigkeit ziemlich auf den Senkel. Es ist ja nicht so, dass ich etwas gegen Denk- und Mahnmäler im Allgemeinen hätte, geschweige denn gegen solche, die an Nazi-Verbrechen und ihre Opfer erinnern bzw. gemahnen. Allerdings finde ich dieses Schauspiel: Wenn Gruppe x ein Mahnmal hat, dann muss aber Gruppe y (= meine Gruppe) auch eines bekommen, ziemlich unwürdig. Es fehlt nur noch, dass jemand auf die Idee kommt, die Größe der jeweiligen Mahnmäler oder z.B. die Dauer, in der sich küssende Frauen bzw. sich küssende Männer gezeigt werden, von der Zahl der Opfer oder dgl. abhängig macht. Man kann den Opfern kaum Schlimmeres antun bzw. den selbsternannten Erbschaftsverwaltern der Täter kaum mehr entgegenkommen, als durch dieses Gedenkstätten-Gefeilsche.

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