Gleichwertig aber doof

11 Apr

Wie schaffen es Menschen wie der österreichische Bundespräsidentenkandidat, Rudolf Gehring, Chef der hiesigen Christlichen Partei, eigentlich den Mund aufzumachen, ohne dass sie Frösche spucken?

Nicht unterschrieben hätte Gehring als Präsident das Gesetz über die Eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle. Zwar seien für ihn auch diese „gleichwertige Menschen“, die Gleichstellung mit der Ehe lehne er aber ab, da die Homosexualität ein „Irrweg“ sei, widerspreche sie doch der Natur.

Mit ganz viel Fantasie und noch mehr Alkohol im Blut, ergäbe diese Meinung sogar Sinn. So aber bekommt man lediglich einen Gehirnknacks von derlei postmodernem Geschwurbel.

9 Antworten zu “Gleichwertig aber doof”

  1. Blub 11. April 2010 um 14:40 #

    Und immer wieder das Muster, dass etwas, was in der Natur vorkommt, der Natur widerspreche ….

    Ich glaub langsam, dass derartige widersprüchliche Denkweisen eine große Konstante in der menschlichen Natur ist, denn das zieht sich durch alle Schichten und politische Ansichten, natürlich immer etwas anders ausgeprägt.

  2. martin 11. April 2010 um 16:56 #

    @ Adrian
    Ich verstehe Deine Frage nicht. Sind das keine Frösche?

    @ blub:
    Was heißt hier widersprüchlich? Im Gegenteil: Gehrings Aussagen sind sogar tautologisch: Homosexualität ist nicht natürlich, weil die Natur nicht homosexuell, weil Homosexualität nicht natürlich ist, weil die Natur nicht homosexuell ist… Natürlich ist Homosexualität auch bei Tieren nicht natürlich. Oder so. Ist das Dekonstruktion? Jedenfalls ein Geschwurbel.
    Andererseits hat Gehring in gewisser Weise auch recht. Oder hat jemand schon einmal ein Löwen- oder Pinguinpärchen vor den Altar treten sehen, oder gar vor einen Standesbeamten? Ich bin davon überzeugt, dass ein Präsident Gehring die Ehe als widernatürlich abschaffen lassen würde.

  3. Adrian 11. April 2010 um 17:01 #

    @ martin

    Ich meine echte Frösche, so als Art göttliche Plage à la Moses.

  4. martin 11. April 2010 um 17:34 #

    @ Adrian
    Sagen wir, es sind natürliche Frösche. Natur ist ja vielseitig 😉

  5. Pentas 11. April 2010 um 17:40 #

    Dabei darf ein österreichischer Bundespräsident nur aus Formgründen die Unterschrift verweigern, aber nicht aus inhaltlichen Gründen.

  6. Ralf 11. April 2010 um 17:42 #

    Ich habe das Interview in ORF 2 Europa gesehen und gehört, zufällig beim Zappen hineingeraten. Der Kandidat redete gerade davon, dass die österreichsiche Verfassung dahingehend geändert werden solle, dass der Bundespräsident ein vom Parlament beschlossenes Gesetz ablehnen dürfe, wenn es gegen die Grundrechte verstoße. Zwar schien diese Forderung noch diskutabel (es war nicht näher definiert, ob das als aufschiebendes, vom Nationalrat überstimmbares oder als vor dem Verfassungsgericht anfechtbares Veto ausgestaltet werden solle). Aber einer der beiden anderen Diskutanten hakte ein und sagte, dass für Gehring ja schon das Gesetz über die Eingetragene Partnerschaft grundrechtswidrig sei. Das bestätigte der Kandidat und erklärte, es verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz, ohne diese seine Meinung weiter auszuführen. – Nun, gleichheitswidrig ist es in der Tat, aber nicht so, wie Gehring glauben will, nämlich nicht zu Gunsten, sondern zu Lasten der Schwulen und Lesben, die mit einem drittklassigen Rechtsinstitut abgespeist werden, statt ihnen volle Rechtsgleichheit zu gewähren. Aber es ist wie immer bei solchen Typen: Sobald unsereiner die Rechte haben will oder kriegen soll, die jeder Hetero ganz selbstverständlich hat und tagtäglich in Anspruch nehmen darf, ist das ein Angriff auf Natur, Moral, Menschenwürde, Grundrechte und was es sonst noch alles geben mag, mit einem Wort: der Generalangriff auf den Fortbestand der Menschheit, wenn nicht gar auf das Gleichgewicht des Planeten.

  7. Adrian 11. April 2010 um 17:48 #

    @ Ralf
    „Das bestätigte der Kandidat und erklärte, es verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz“

    Das ist nun wirklich ein starkes Stück. Wenn sowohl Frauen als auch Männer, Männer heiraten dürfen, verstoße das also gegen den Gleichheitsgrundsatz? Gehringer scheint in einem Paralleluniversum zu leben 😀

  8. Kim 12. April 2010 um 00:03 #

    Und schon wieder fremdschämen…seufz

  9. Ralf 13. April 2010 um 23:37 #

    @ Adrian

    Ich denke, er meint, es sei gleichheitswidrig, dass nur Schwule und Lesben diese drittklassige Ehekopie eingehen dürfen, nicht aber Heteros. Damit, dass die Original-Ehe nur für Heteros ist und Schwule/Lesben ausschließt, hat er hingegen kein Problem. Konsequent weitergedacht bedeutet dies französische Zustände. Dort ist die Ehe 3. Klasse für alle offen, die echte Ehe aber bleibt unsereinem verschlossen. Schon seltsam, dass man sich über diesen alpenländischen Dampfplauderer aufregt, aber Sarkozy, der offensichtlich genauso denkt (wenn auch nicht redet), nicht ebenso scharf kritisiert.

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