Der böse Bengel Overbeck

13 Apr

Immer wieder erstaunlich, mit welchen Äußerungen man hierzulande einen Sturm in Wasserglas provozieren kann. Genau das hat nun Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck bei „Anne Will“ getan. Der Anlass:

Konfrontiert mit provozierenden Aussagen von Regisseur Rosa von Praunheim sagte er: „Homosexualität ist eine Sünde. Das widerspricht der Natur von Mann und Frau.“

Ist nicht wahr, oder? Ein katholischer Bischof hat öffentlich doch tatsächlich die offizielle katholische Doktrin vertreten, dass Homosexualität Sünde sei. Man sollte es kaum glauben!

Sicher, es zeugt von ziemlicher Pietätlosigkeit ein solches Statement ausgerechnet in Anwesenheit von Frau Will zu tätigen, doch wer weiß, vielleicht ist Overbeck einfach nicht auf dem neuesten Stand, oder prinzipiell respektlos.

Wie auch immer, die Äußerung schlug jedenfalls ein wie ein Bömbchen, und ganz so, als könnte man tatsächlich kaum glauben, dass der Vatikan homophob ist, springt man reihenweise über das vom Bischof hingehaltene Stöckchen.

Zunächst Praunheim mit einem Konter, der ungefähr so originell ist wie seine/ihre Filme:

„Sie wissen doch selbst, wie viele Priester homosexuell sind oder etwas mit ihrer Haushälterin haben“

Dann, natürlich die Grünen, in Gestalt des NRW-Landesvorsitzenden Arndt Klocke:

Die Äußerungen Overbecks seien „empörend und diskriminierend. Man fühlt sich an schlimmste längst überwunden geglaubte Ressentiments erinnert.“

Äh, Verzeihung, Herr Klocke, aber diese Ressentiments sind, obgleich in der Tat empörend und reichlich beschränkt, katholische Firmenpolitik und nichts was eigentlich schon längst überwunden wäre.

Klocke betonte, die Aussagen des Bischofs entsprächen nicht der Werteordnung des Landes und verstoßen gegen grundlegende Menschenrechte. „Mit der Streichung des Paragrafen 175, der Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft und der Verabschiedung des Allgemeinen Gleichbehandlungs-Gesetzes hat der deutsche Gesetzgeber eine Gleichstellung aller Lebensformen in Deutschland in der Gesetzgebung festgeschrieben“, erklärt Arndt Klocke in einer Pressemitteilung.

Habe ich das richtig gelesen? Die Meinung des Bischofs, Homosexualität sei Sünde, verstoße gegen die Menschenrechte? Das würde nicht mal dann Sinn machen, wenn für die Katholische Kirche in Deutschland tatsächlich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gelten würde.

Der Grünen-Abgeordnete fordert alle Religionsgemeinschaften – und somit auch die katholische Kirche – auf, diese Gesetze einzuhalten und die dort formulierten Werte an ihre Mitglieder zu vermitteln.

Äh, ich versteh immer noch nicht. An welche Gesetze hat sich der Bischof nicht gehalten? Ist es mittlerweile in diesem Lande verboten, Homosexualität als sündhaft zu bezeichnen?

Sollte das der Fall sein, möchte ich der Katholischen Kirche hiermit meine Unterstützung zusichern im Bemühen, dieses Gesetz aufzuheben. Im Gegenzug hätte ich gerne die Zusicherung Roms, aus Einsicht, Liebe und Menschlichkeit ihrer verfehlten moralischen Doktrin abzuschwören.

5 Antworten zu “Der böse Bengel Overbeck”

  1. Ralf 13. April 2010 um 23:42 #

    Was regt man sich über Overbeck auf? Das der Mann ein elender Hassprediger ist, weiß man doch – sonst wäre er nie in dieses Amt gelangt. Viel schlimmer ist, dass Herr Jörges vom „Stern“ sich nicht entblödete, Homosexualität und Päderastie in einen Topf zu werfen, und damit Overbeck noch rechts überholte. So viel zum Scheinliberalismus gewisser Journalisten und Magazine.

  2. Carl 14. April 2010 um 13:06 #

    Mich würde interessieren, wie Herr Klocke die muslimische Auffassung über Homosexualität definiert, wenn er schon so entrüstet über die kath. Definition ist.
    Schließlich gibt es durchaus Imame, die zum Mord an Homosexuellen aufrufen, was dann wiederum als „Ehrenmord“ verbrämt wird und ggf. auch so eine gewisse Akzeptanz in der Bevölkerung erreicht.

    Schöner Versuch eines übertragens der eigentlichen Thematik auf die kath. Kirche.
    Ich vermute, dass viel zu viele Leute an seinen und anderen grünen Lippen hängen werden und entschlossene Zustimmung signalisieren werden.
    Nur ist die kath. Kirche und ihre Doktrin eigentlich nicht das Problem…
    Die Position der grünen Gutmenschen zum Islam dürfte wohl hinlänglich bekannt sein.

  3. Maria 20. April 2010 um 16:33 #

    Warum regt man sich über die Sprüche auf? Hier wurde lediglich die katholische Lehrmeinung vertreten. Diese Lehrmeinung dürfte eigentlich jedem vernunftbegabten Katholiken bekannt sein, aber was ist schon vernünftig? wenn die katholische Kirche liberal gegenüber Homosexuellen werden soll, müsste auch gleichzeitig Herr Jörges vom Stern gegenüber den Pädophilen liberal sein. Komischerweise flippen ausgerechnet Magazine wie die von Herrn Jörges aus und zerreißen sich ihr Schandmaul über Päderasten, Zoophilisten und sonstige Entartungen, werten aber Entgleisungen wie Homosexualität auf. Wie kann man liberal gegenüber Homosexuellen sein, wenn man andere vermeintliche Entartungen verachtet und auch obendrein noch in der Sendung durcheinanderbringt? Zudem sollte Herr Jörges sich vor solchen Sendungen etwas besser über die zur Sprache gebrachten Themen informieren, sonst hätte er Pädophilie, Homosexualität und Zölibat nicht in einen Topf geschmissen.

  4. martin 20. April 2010 um 17:41 #

    Zunächst einmal bin ich ein Freund der Filme Rosa von Praunheims, soviel Geschmacklosigkeit muss sein. Das will ich betont haben, obgleich ich ihn für einen hemmungslosen Radaubruder halte.

    Herr Overbeck hat die offizielle katholische Doktrin in der Tat ziemlich exakt auf den Punkt gebracht, wenn auch ohne die übliche Unterscheidung zwischen „Veranlagung“ und „Praxis“. Freilich ist er Bischof und ihn mit Herrn Praunheim in einer Sendung zu platzieren, das garantiert für Zündstoff und Quote, ist aber nicht sehr originell. Allerdings gäbe es selbst auf katholisch-episkopaler Seite bessere Radaubrüder, die sozusagen ihres Praunheimschen Widerparts gerechter geworden wären. Origineller noch wäre freilich ein katholischer Laie oder wenigstens ein Nichtbischof, der zu weniger kirchenkonformistischen oder karrierekompatiblen Äußerungen neigt: Da gibt es schließlich eine gewisse Bandbreite zwischen Laienradikalen, die zum Dank für ihre lehramtskonformen Äußerungen keine Ämter zu erwarten haben (z.B. Gabriele Kuby), bis hin zu halbwegs autonom denkenden Theologieprofessoren, die gelegentlich zu beinahe verheißungsvollen Aussagen imstande sind (z.B. Eberhard Schockenhoff).

    Übrigens möchte ich mich entschieden von der Verwendung des Wortes „liberal“ im Beitrag von Maria aussprechen: Liberalität hat mit moralischem Relativismus nichts zu tun, und dass oft z.B. von einem „liberalen Abtreibungsrecht“ oder einem „liberalen Umgang mit Homosexualität“ gesprochen wird, verursacht mir Brechreiz, sofern damit nichts anders als die Verwischung unserer moralischen Urteilskraft gemeint ist. Liberalität impliziert nämlich gerade nicht, dass man es gut findet, was andere Leute treiben. Dass ich nichts gegen Homosexuelle habe, liegt nicht an meiner Liberalität, sondern an meiner Neigung zu Liebe und Mitmenschlichkeit, um die Worte Adrians aufzunehmen (und an meiner Abneigung gegen allzu offensichtliche Schizophrenie – um das noch hinzuzufügen).

  5. hassan shio ali 2. Mai 2010 um 18:02 #

    Hallo adrain, guter Beitrag,

    ich als Nichtkatholik unterstütze auch deine Sicht, wenn ein Bischof einfach mal nicht mehr seine Meinung, sondern die Vorgabe seiner Kirche vertreten kann, wird das als Verstoß gegen die Menschenrechte interpretiert. Wo sind wir in Deutschland hingeraten. Wie verblödet sind eigentlich die früheren Spießer eigentlich geworden. Wenn der Herr Radke (alias Rosa v. P.) in Verbindung mit Frau Will den Herrn Bischof derart provoziert, sollten sie sich nicht wundern, dass er Klartext redet. Als moderater Muslime (Sunit) habe ich jedefalls im fernsehsehenden Lokal in Köln bei dem Bischofsbeitrag laut geklatscht!

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