Die Rückkehr der Befremdlichkeit

19 Apr

Die Diskussionen um die Missbrauchsvorfälle in Einrichtungen der Katholischen Kirche offenbaren Abgründe. Und die Polarisierung wird immer skuriller: Einerseits wird Rom von Seiten der Linken pauschal der Bigotterie bezichtigt, andererseits den Linken von konservativer Seite vorgeworfen, die Doktrin der sexuellen Befreiung habe zu einer Kultur geführt, die sexuelle Handlungen an Kindern/Jugendlichen erst „salonfähig“ gemacht habe.

Und mitten im Schussfeld stehen die Schwulen, denn kaum eine andere Gruppe wird so sehr mit der sexuellen Befreiung assoziiert, wie eben die Homos. Dieser Umstand hat Folgen bis in die Kreise seriöser Konservativer hinein. So schreibt etwa Jan Fleischhauer:

In der Diskussion um die Odenwaldschule, dem reformpädagogischen Vorzeigeprojekt der siebziger und achtziger Jahre, wird die Frage, welchen Einfluss die sexuelle Befreiung und mit ihr die sich gerade formierende Schwulenbewegung auf die nun in Rede stehenden Lehrer gehabt haben könnte, einfach ausgeklammert.

Obwohl ich es versucht habe, kann ich diesen Satz nicht anders interpretieren, als dass Fleischhauer es für angebracht hält, endlich einmal  die Frage zu stellen, ob Missbrauchsfälle nicht auch eine Folge der Schwulenbewegung sein könnten.

Berücksichtigt man zusätzlich die im Unterbewusstsein von nicht wenigen Teilen der Bevölkerung abgespeicherte Assoziation von Schwulen als von älteren Männern zur Homosexualität verführten, als Menschen mit unnormaler, abweichender, nicht normgerechter Sexualität – kann einem die Stoßrichtung dieser ganzen Debatte nur Angst machen.

4 Antworten zu “Die Rückkehr der Befremdlichkeit”

  1. Barbara 19. April 2010 um 22:08 #

    Hey… ich finde das nimmt grad ganz schön krasse Formen an….

    „Psychiater bestätigt Zusammenhang von Homosexualität und Missbrauch“:
    http://www.kath.net/detail.php?id=26425

    Bei dem Artikel und den Kommentaren dazu packt mich echt die Panik.

  2. Carsten Penkella 20. April 2010 um 00:49 #

    Ich bin dem Link von Barbara gefolgt. Es ist schon erstaunlich, in welch verschiedenen Welten wir leben. Der Artikel selbst ist schon merkwürdig genug, aber manche Kommentare zur Homosexualität sind geradezu grotesk:
    „Desweiteren sollte man Geld in die Forschung investieren, um Hintergründe über mögliche Ansteckungswege herauszufinden. Solange die Ursachenforschung nicht ganz geklärt ist, sollte eine bakterielle Ansteckung zumindest nicht ausgeschlossen werden.“
    Ich tippe ja eher auf Viren als auf Bakterien. Gut, dass ich ein Anti-Viren-Programm auf meinem Computer habe. Das piept immer, wenn ich das Blog „Gay West“ aufrufe.

  3. Blub 20. April 2010 um 00:58 #

    Korrekter ausgedrückt, lieber Adrian, ob sie Folge der sexuellen Revolution und der Öffentlichmachung des Sexuellen sind. Die Schwulenbewegung wird hier nur als Teil genannt, der da mitgemacht hat und damit natürlich auch ein Faktor ist. Zu einem gewissen Teil ist das sogar offensichtlich, dass die gesellschaftliche Propagierung des unbedingten Auslebens einer beliebigen Sexualität und die entsprechende Akzeptanz davon derartige Vorkommnisse begünstigt. Wer das ignoriert, argumentiert unlogisch. Natürlich ist davon auszugehen, dass dies nicht der Hauptfaktor ist und in großen Teil unabhängig davon geschehen wäre. Aber Denkverbote sollten nur Unsinn betreffen und nicht Dinge mit zumindest kleinen Funken von Wahrheit. Genau dadurch werden extreme Ansichten gefördert.

    Dass jetzt Angriffe kommen ist nicht überraschend, man kann nicht Gruppen wie die Kirche permanent anfeinden und dann erwarten, dass die gutmütig und höflich sind. Die müssen das Problem lösen und das heisst, radikal alle sexuellen Umtriebe und Unnormalitäten im Klerus attackieren. Man kann das nicht einerseits erwarten und andererseits darüber wundern.

    Panik halte ich hier nicht für angebracht, da das ganze ja nix ist, im Vergleich, zu dem was alltäglich ignoriert wird. Der Link zu Kath.net zeigt, dass neben esoterischen Spinnern auch Kath.net-Lesern mit wissenschaftlichen und guten Argumenten nicht beizukommen ist. Aber immer gute Lektüre um mein Mitleid mit der katholischen Kirche in Grenzen zu halten, wenns mal wieder einsetzt ;).

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