Vatikan neu entdeckt

24 Apr

Und da sage noch mal einer, der Vatikan sei nicht progressiv.

7 Antworten zu “Vatikan neu entdeckt”

  1. martin 24. April 2010 um 19:43 #

    Mal ganz was Neues. Bislang hieß es immer, es sei eigenartig, dass es in Deutschland illegal ist, wenn ein 14-Jähriger mit einer 13-Jährigen einvernehmlich Geschlechtsverkehr hat, aber neuerdings kann das Schutzalter wohl gar nicht mehr hoch genug sein. Leider verrät uns Welt Online nicht, was Prof. Nowak damit sagen will, dass der Vatikan das Schutzalter „bewusst niedrig gewählt habe“. Sollen etwa Priester in den Genuss legaler Sexualkontakte mit Halbwüchsigen kommen? Dies sind Insinuationen, die der Artikel offen lässt.
    Möglicherweise hat der Autor einfach ein wenig in Google recherchiert und bei Wikipedia nachgelesen und ist dabei auf das Protokoll einer Expertenanhörung eines Justizunterausschusses des Österreichischen Nationalrats gestoßen, worin es um die Frage der strafrechtlichen Regelung homosexueller Kontakt ging – im Jahr 1995! Dort wird der genannte Nowak allerdings nur mit der Aussage zitiert, dass das niedrige Schutzalter im Vatikan, auf Malta und in Spanien mit dem dort „herrschenden Einfluß der katholischen Kirche“ zusammenhänge. Was auch immer das bedeutet. Tenor der Anhörung war jedenfalls – auch das lässt sich dem Protokoll entnehmen – dass der Vatikan eine besondere Bestimmung für einvernehmliche sexuelle Kontakt ab dem Alter von 12 Jahren nicht für notwendig halte, übrigens unabhängig von der sexuellen Orientierung. Dagegen nahm sich die österreichische Regelung zum damaligen Zeitpunkt in mehrfacher Hinsicht vergleichsweise rückständig aus: Nicht nur wegen der Sonderbestimmungen für homosexuelle Beziehungen, sondern generell wegen des hohen Schutzalters. Bemängelt hat Nowak das niedrige Schutzalter im Vatikan jedenfalls nicht, eher im Gegenteil.

  2. Fg68at 25. April 2010 um 03:06 #

    Das war nicht der Nowak, sondern der Rotter auf die Frage eines Abgeordneten.

    Klicke, um auf Unterausschuss-Protokoll-1995.pdf zuzugreifen

    Der Welt-Artikel scheint wirklich folgenden („meinen“) Artikel als Hauptquelle zu haben:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualität_in_der_Vatikanstadt

  3. pentas 25. April 2010 um 10:03 #

    Da sich die Kirche strikt gegen vorehelichen Sex ausspricht, ist das Thema Schutzalter heraufsetzen im Vatikan wohl nicht so wichtig.

  4. Ralf 25. April 2010 um 10:35 #

    Minderjährige werden in Deutschland rechtlich unterschieden in Kinder (von der Geburt bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres) und Jugendliche (von der Vollendung des 14. bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres). Sex mit Kindern (Pädophilie) ist verboten, Sex mit Jugendlichen (Ephebophilie) ist erlaubt. Diese Unterscheidung gerät zunehmend in Vergessenheit. In der öffentlichen Diskussion gewinnt man langsam den Eindruck, sogar Sex mit 17jährigen sei Kinderschändung. Weshalb der Vatikan im eigenen Territorium das andere Extrem wählt und Sex mit Kindern von 12 oder 13 Jahren erlaubt, mag er selbst beantworten. Jedenfalls nimmt es seinen Beteuerungen, er verurteile Sex mit Kindern, erheblich an Glaubwürdigkeit, wenn er im eigenen Hause genau das nicht tut.

  5. martin 25. April 2010 um 17:33 #

    @ Fg68at:
    Ja, der Nowak hat nur bestätigt, was der Rotter gesagt hat. Aber der Rotter ist natürlich katholischer Theologe, also parteiisch. Aber das wird der Welt-Autor wahrscheinlich sowieso nicht recherchiert haben. Vermutlich hat er einfach nicht genau gelesen.

    @ Ralf:
    Vielleicht hat der Vatikan bloß erkannt, dass zwischen Recht und Moral ein Unterschied besteht 😉
    Aber die Unterscheidung von „Kindern“ bis 13 Jahren und „Jugendlichen“ ab 14 Jahren ist ja ohnehin willkürlich, und abgesehen davon ist sexueller Missbrauch in jedem Fall strafbar.

    Interessanter wäre die Frage, ob es im Vatikan überhaupt Sex gibt, und wo. Vielleicht zwischen Schweizergardisten unter der Gemeinschaftsdusche?
    Falls der Vatikan tatsächlich seine sexualmoralischen Vorstellungen in Gesetzesform gießen wollte, wäre es am einfachsten, jeden Geschlechtsverkehr einschließlich Selbstbefriedigung zu verbieten. Den heterosexuellen, ehelichen, nicht verhütenden, einvernehmlichen, nicht primär auf Lustgewinn gerichteten und zumindest potentiell mit Kindern gesegneten Geschlechtsverkehr könnte man ja dann „ausnahmsweise“ erlauben.

  6. pentas 25. April 2010 um 19:02 #

    @martin:

    Das gibt es doch schon lange, im Katechismus der katholischen Kirche.

  7. martin 27. April 2010 um 17:30 #

    @ pentas:
    Eben, bloß offensichtlich nicht im Strafgesetz des Vatikan.
    Da sieht man mal, wie weit es mit der Säkularisierung schon gekommen ist: Selbst im katholischsten Staat der Welt sind religiöses und weltliches Recht zweierlei (CP vs. CIC). Jedenfalls ist schwuler Sex in der Vatikanstadt nicht illegal (im weltlichen Recht) und insofern war man dort bereits 1929 weiter als Deutschland bis zum Jahr 1994 – aber natürlich nur „insofern“.

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