Hut ab, ZdK …

29 Apr

… dafür, dass Du Leute wie Felix Neumann in Deinen Reihen hast. Dessen Beitrag „Homosexualität: Widerspruch aus Loyalität“ empfehle ich allen Lesern, die sich für „Homosexualität und Kirche“ interessieren. Selten findet jemand so deutliche Worte der Kritik, der selbst in der Kirche ist, selten spürt man so deutlich die Liebe zu den Menschen, nicht den Strukturen, in einem Text, der beklagt, daß

die Lehre der katholischen Kirche Homosexualität und damit die Liebe zwischen Menschen diffamiert und so die Würde dieser Menschen in den Dreck zieht.

Was Du, Felix,  schreibst, macht Mut, auch mir als Protestanten, der die Diskussionen in der katholischen Kirche nur „von nebenan“ wahrnimmt:

Dieses Interview zeigt für mich einen Klimawandel in der Kirche: Schweigen aus Furcht weicht einem Widerspruch aus Loyalität zum christlichen Auftrag. Bisher war es so, daß man manche Themen einfach nicht angesprochen hat aus einer falschverstandenen Solidarität mit der Institution (kultiviert durch halbstarkes Einprügeln auf abweichende Meinungen), über die man die dringend nötige offen vertretene Solidarität mit Schwulen und Lesben unterlassen hat (aber praktisch durchaus gelebt hat). In den letzten Wochen nehme ich auch an ganz verschiedenen Orten war, daß etwas gärt. Ich glaube, daß in nächster Zeit noch einige eine christliche Lehre zur Homosexualität anstelle der geltenden katholischen einfordern werden.

Du begründest, warum die Wertschätzung verbindlicher schwuler (und lesbischer) Partnerschaften Konsequenzen hat:

Natürlich hängt daran noch mehr: Wer das vertritt, kann Homosexualität nicht als »in sich nicht in Ordnung« bewerten. Wenn dieser erste Schritt gemacht ist, dann ist klar, daß im Katechismus menschenverachtender Unsinn steht: »[Homosexuelle Handlungen] entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit«, heißt es da. Das ist pures Ressentiment und leugnet jede Erfahrung von Schwulen und Lesben.

Ist das eigentlich schon Befreiungstheologie, die Erfahrungen von „Betroffenen“ einzubeziehen und sich nicht mit der Verkündung von Gesetzen ex cathedra zufrieden zu geben?

Wie Du nachweist, warum die übliche Unterscheidung zwischen gutem Sünder und böser Sünde nicht funktioniert, sondern automatisch zum Hass gegen Menschen führt, auch das verdient zitiert zu werden:

Immer wieder wird angeführt, man solle die Sünder lieben, aber die Sünden hassen: Das trifft aber gerade bei Homosexualität nicht; wenn man Homosexualität als »objektiv ungeordnet« bezeichnet (wie es die Kirche tut), dann zeigt sich, daß die Verurteilung von Homosexualität eben niemals nur Haß gegen »die Sünde« sein kann: Damit wird das Unwerturteil über die gesamte Person gefällt – weil Homosexualität gerade eine Form der geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit ist, die den Menschen grundlegend ausmacht.

Wie mir beim Lesen des folgenden Absatzes das Herz aufging, kann jeder ermessen, der weiß, wie sehr uns hier Kollektivismus zuwider ist:

Die kirchliche Lehre spielt ein allgemeines Sittengesetz, eine Behauptung über die menschliche Natur aus gegen das je einzigartige Wesen von konkreten Menschen. Eigentlich skandalös für eine Kirche, die aus gutem Grund aus ihrem Menschenbild heraus gegen jeden Kollektivismus stehen müßte. »Moralischer Relativismus« ist gerade, die Sexualität eines Menschen, also etwas, was elementar das Wesen ausmacht, zu relativieren vor einer vorgeblichen allgemeinen Natur. »Moralischer Relativismus« ist, Kontexte zu ignorieren: Moral nicht an der Würde von Menschen, die jeweils einzigartig sind, sondern an Kasuistiken zu messen, als könnte man die Komplexität des Lebens in ein Regelwerk pressen.

Die Frau, die Du im Anschluß mit einem durchaus sympathischen Gedanken zitierst, ist übrigens in Baden-Württemberg, ausgerechnet unter dem Konservativen Stefan Mappus, Staatsrätin für interkulturellen und interreligiösen Dialog sowie gesellschaftliche Werteentwicklung. Auch sie hat sich zum Thema „Homosexualität und Kirche“ äußerst vernünftig geäußert.

Dir, lieber Felix, herzlichen Dank für diesen engagierten und kompetenten Artikel. Es ist immer wieder ein Vergnügen, Deine Beiträge zu lesen und ich wünsche Dir viele Leser!

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