Gnade vor Unrecht

30 Mai

Das ist mal wirklich eine erstaunliche Meldung:

Malawis Präsident Bingu wa Mutharika hat überraschend ein zu langer Haft verurteiltes schwules Paar begnadigt. Er habe dessen sofortige Freilassung veranlasst, sagte der Präsident am Sonnabend bei einem Treffen mit UN- Generalsekretär Ban Ki Moon in der Hauptstadt Lilonge. Stephen Monjeza (26) und Tiwonge Chimbalanga (20) waren wegen „unzüchtigen Verhaltens“ und „naturwidriger Handlungen“ zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Weiße Haus begrüßte die Entscheidung Mutharikas; es sei zu hoffen, dass sie „einen Dialog eröffnet (…) und weltweit eine Botschaft sendet“.

Nun sollte man daraus jedoch nicht den Schluss ziehen, der Präsident wäre einem moralischen Gewissen gefolgt. Denn das besitzt er nach wie vor nicht. Vielmehr ist es so, dass die bösen Westler, die bösen Imperialisten, die bösen Kolonialmächte von einst, ihm gar keine andere Wahl ließen:

Malawis Staatschef war anzusehen, wie schwer ihm der Gnadenakt fiel. „Die Männer haben falsch gehandelt, falsch gehandelt“, betonte er auf dem roten Sofa im Amtszimmer seines Präsidentenpalastes sitzend. Homosexualität sei ein „Verbrechen gegen unsere Kultur“.

„Kultur“. Was für eine Kultur? Seit wann hat ein Land, das in den Betten seiner Bürger rumschnüffelt so etwas wie Kultur?

Deswegen würde das schwulen-feindliche Gesetz auch nicht geändert. Seine Landsleute dürften gespürt haben, dass ihr Präsident auf den enormen Druck der Weltöffentlichkeit reagierte – denn das vor zehn Tagen gefällte Urteil gegen das schwule Paar hatte international Empörung ausgelöst.

Noch empörender ist allerdings diese unglaubliche Kriecherei vor den Ausbeuterländern der Ersten Welt, die einem jungen aufstrebenden Nationalstaat in bester neokolonialistischer Manier vorschreiben wollen, wie es seine innere Angelegenheiten zu regeln hat, oder?

Doch für die Zukunft Malawis gibt es immer noch Hoffnung. Denn eine andere Welt ist möglich…

5 Antworten zu “Gnade vor Unrecht”

  1. Thommen 2. Juni 2010 um 04:54 #

    Ich erinnere daran, dass Afrika eine alte Männerkultur hatt/te, die von Kolonialisten (das waren oft private Gesellschaften) und ReligionEN mit ihren schwulenfeindlichen Gesetzen bekämpft wurde.

    Wenn ein aufstrebender Nationalstaat mit dem Kolonialismus nicht auch die entsprechenden Gesetze überwindet, dann frage ich mich wirklich, wie verantwortlich diese Regierenden sich fühlen, wenn sie sich hinter spektakulären Aktionen gegen Homosexuelle verstecken müssen. Diese Länder haben wohl grössere Probleme mit Korruption und Ausbeutung durch die eigenen Leute…

  2. JohnnyBoy 2. Juni 2010 um 17:18 #

    Man fragt sich, wie da Urteil begründet wurde, wenn die Tat ja selbst immernoch gesetzeswidrig ist.

  3. Adrian 2. Juni 2010 um 17:33 #

    @ JohnnyBoy

    Eine Begnadigung braucht man nicht zu begründen.

  4. JohnnyBoy 3. Juni 2010 um 15:06 #

    Ah okay. Danke für die Info.

  5. Christian 11. Juli 2010 um 20:27 #

    Wer hat denn die Forderung nach Toleranz von Homosexualität als „Kolonialismus“ gegeißelt?
    Und spielst Du mit „Eine andere Welt ist möglich“ auf Attac an? Wenn ja, wieso?

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