Juden raus aus Schwulästina!

13 Jun

Es gibt kein Land der Welt das solche Emotionen hervorruft, wie der winzige Staat im Nahen Osten, der sich Israel nennt. Mag in Darfur auch Vertreibung und Völkermord statt finden, mag im Iran auch die Opposition an Baukränen aufgehängt werden, mag Nordkorea auch hungern – egal, an all diesen Konflikten sind Juden nicht beteiligt, weshalb sie auch nicht den Bruchteil der Aufmerksamkeit erlangen, den der Nahostkonflikt einheimst.

Ja, die Ju-, … äh Zionisten, sind schon eine clevere Bande. Wie eh und jeh versuchen sie die progressiven Bewegungen der Welt zu spalten und zu denunzieren, wie eh und jeh verfolgen sie beharrlich ihre Pläne für die Weltherrschaft, nicht nur über die Ostküste, sondern auch über ein Groß-Israel, vom Mittelmeer bis nach Teheran.

Ihre neueste Strategie ist dabei ebenso genial wie perfide. Die einzige Macht, die der jü-, … äh zionistischen, Weltherrschaft noch im Weg steht, ist die schwule Weltverschwörung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, alle Menschen der Welt homosexuell zu machen. Natürlich können das die Ju-, … äh Zionisten, nicht dulden, weil es eben nur eine Weltmacht geben kann. Deshalb haben sie begonnen, die schwule Bewegung zu spalten. In Madrid ist es ihnen bereits gelungen. Und nun nehmen sie das kanadische Toronto ins Visier:

Mehrere Redner und Musiker haben ihre Teilnahme bei der am 25. Juni beginnenden „Toronto Pride Week“ abgesagt, mehr als 20 vom CSD Toronto wegen ihres Engagements geehrte Preisträger haben ihre Auszeichnungen aus Protest zurückgegeben. Grund für die Aufregung: Die CSD-Organisatoren hatten die Gruppe „Queers Against Israeli Apartheid“ wegen ihres Namens ausgeschlossen. Zudem darf der Begriff Apartheid auf der Veranstaltung nicht mit Juden oder Israelis in Zusammenhang gebracht werden, da das antisemitisch sei und zur Gewaltwelle gegen Kanadier jüdischen Glaubens beitragen könnte, so die Organisatoren.

Man wird sich wohl nicht wundern, wenn ich die Entscheidung der CSD-Organisatoren für falsch halte. Ja, ich als zionistischer, pro-israelischer, amerikanisierter, dekadenter, islamophober, faschistoider, imperialistischer, Che-Guevara-hassender Liberaler mit raubtierkapitalistisch-anarchistischem Einschlag finde die Entscheidung überflüssig, da ich der Meinung bin, dass sich jeder selbst zum Deppen stempeln darf. Und wer könnte sich besser zum Deppen stempeln als Homos – sorry: QUEERS!!!(!) – die sich gegen die „israelische Apartheid“ engagieren?

Denn, machen wir uns nichts vor: Um Palästina scheren die sich einen Dreck – ob die Hamas ihre Untertanen aufknüpft ist denen wurscht, ebenso das Schicksal der Palästinenser in arabischen Flüchtlingslagern – nein, das queere Blut kommt erst richtig in Wallung, wenn man Ju- … äh Zionisten beschuldigen kann, auch nicht besser zu sein als, hmm, sagen wir mal rassistische Nazis.

Das ganze hat natürlich überhaupt nichts mit einer Sonderbehandlung von Ju-, äh … Zionisten, zu tun, nein, es ist legitime, gerechtfertigte Israel-Kritik, und irgendeiner muss schließlich mal sagen, dass Israel ein faschistoider Apartheidsstaat ist, denn es macht ja sonst keiner, außer fast alle.

Wie deppert diese queeren Palästinafreunde sind, beweisen sie fröhlich Transparente schwenkend:

Israel ist nach Ansicht der Gruppe kein homofreundliches Land. Vielmehr verschleiere „die „zionistische Propaganda das Ausmaß der Gewalt gegen Schwule und Lesben“. Daher rufen die Aktivisten zum Reiseboykott Israels auf.

Ja, diese perfiden Ju-, … äh Zionisten, sind natürlich im Besitz der neuesten Technologie auf dem Gebiet der Propaganda  und schaffen es daher mühelos der naiven Weltöffentlichkeit zu suggerieren, dass es sich als Homo in Israel gar nicht so schlecht lebt. Dass Schwule und Lesben (und sogar Queers!) in Israel adoptieren dürfen, dass es Antidiskriminierungsrichtlinien gibt, dass es CSD’s gibt, dass man in der Tel Aviver Szene die schönsten Männer des Planeten vögeln kann, bis einem der Schwanz blau anläuft (ziemlich hinterhältig von den Ju-, … äh Zionisten, einen derart scharf zu machen), alles Propaganda, von finsteren Mächten in die Welt gesetzt (ich bekomme übrigen für diesen Artikel 200.000 Euro vom Mossad). Am schlimmsten ist natürlich, dass Schwule in Israel zur Armee dürfen – nein falsch – zur Armee müssen, ein Freizeitspaß der Ju-, … äh Zionisten, bei dem man wehrlose Palästinenser erschießen, aushungern und völkermorden darf, ganz ohne Grund, nur so zum Vergnügen, wie das eben so jü-, … äh zionistische Art ist.

Doch alles Klagen kann nicht verhindern, dass die Ju- … äh Zionisten es mal wieder geschafft haben: die Einheit der Schwulen ist über dem Nahostkonflikt zerbrochen. Unsere Macht wurde zerstört. Und von nun an werden Zeiten der Finsternis herrschen.

7 Antworten zu “Juden raus aus Schwulästina!”

  1. martin 13. Juni 2010 um 18:10 #

    Das ist sowieso alles nur eine subversive Strategie des globalen Finanzkapitals, um die revolutionäre Kampfkraft der Arbeiterklasse und der mit ihr solidarischen Emanzipationsbewegungen zu schwächen und abzulenken. Bei den Linken schreiben sie ja schon Plakate: „Deutsche, kauft nicht bei Juden!“

  2. Hardcorelibertarian 13. Juni 2010 um 23:32 #

    „It is important to understand the essential relationship between socialism and Israel as it has existed since 1948. Were Israel to adopt free-market capitalism, as some American economists urge, the state’s character would change radically. If all land and industry were privately owned, free trade practiced and the government limited to a neutral referee, the country, by definition, could not discriminate. Equal rights and the rule of law are hallmarks of capitalism. There is no second-class citizenship in the free market. This point is more radical than it may appear at first: Israel’s „fundamental laws“ are incompatible with the distinctive Western political philosophy and tradition known as classical liberalism.“ — Sheldon Richman

    Quelle: http://www.washington-report.org/backissues/0390/9003010.htm

  3. Adrian 13. Juni 2010 um 23:52 #

    @ hardcorelibertarian

    Und nun? Welchen Denkanstoß willst Du mir geben?

  4. Tom 14. Juni 2010 um 01:46 #

    Entschuldigung, aber den Artikel im Guardian, indem belegt wurde, dass die heutige israel. Regierung dem Apartheid-Regime Atomwaffen verkaufen wollte und mit denen militärisch kooperiert hat, den gibt es dann wohl nicht?

    Der heutige Permierminister Israels hat seine Unterschrift unter diesen Deal gesetzt. Ferner hat er die Gemeinsamkeiten zwischen Israel und der Apartheid betont. Ein Regierungsmitglied des Apartheit-Regime wurde zitiert mit den Worten, die Apartheit und Israel hätten eines gemeinsam. Sie wären beides Staaten die von schwarzen Aggressoren umzingelt wären und sich dagegen verteidigen müssten.

    Südafrika bezeichnete Israel als Verbündeten des Apartheid-Regimes.

    Es gibt also eine hist. belegte direkte Verbindung zwischen der heutigen Israelischen Regierung und dem Apartheid-Regime sowohl im Sinne einer militärischen Zusammenarbeit, welche die heutigen Regierungsmitglieder damals selbst mitgestaltet haben, als auch auf ideologischer Ebene, wie dokumentierte Aussagen aus den 70ern zeigen. Das ist durch kürzlich veröffentlichte Dokumente einwandfrei belegt.

    Ergo halte ich den Band-Namen zwar für kritisch und unbequem, jedoch für legitim, da er sich kritisch mit den historischen Fakten auseinandersetzt.

    Natürlich kann man die Band aus anderen Gründen ausladen (keine polit. Veranstaltung etc.). Aber ein reines Bashing ist unangebracht.

    Quelle zum Beispiel hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,696467,00.html

    Ob man in Israel besonders freundlich zu Homosexuellen ist, kann ich nicht beurteilen.
    Was ich allerdings weiß ist, dass es dort Gesetze gibt, die es Israelis verbieten Araber zu heiraten. (Reportage auf Phönix über den Heiratstourismus Richtung Zypern.) Insofern zeigt auch dies eine merkwürdige ideologische Gesinnung.

    Nun: darf man Missstände nicht anprangern? Was berichten wir nicht regelmäßig über Überwachung in Schweden, 3-Strikes in Großbritannien, Staatsfinanzen in Griechenland, Banken in Island, schlechte Bedingungen für Einwanderer in Australien (Abschiebelager), über Afghanistan, Pakistan, Irak und auch über Iran wird täglich geschrieben … gar nicht zu denken an die Amerika-Kritik unter Bush! All das war legitim. Aber beim Thema Palästinakonflikt, wo wir in Gaza mit deutschem Geld Schulen gebaut haben, welche zerbombt wurden, wo wir Israel Waffen verkaufen, u.a. Trägersysteme und Waffenplattformen, die auch für Atomwaffen geeignet wären und die wir ja auch finanziell unterstützen, bei diesem Konflikt also, bei dem wir bereits tief involviert sind, möchten wir tunlichst die Klappe halten?

    Gewiss berichtet man andernorts über andere schwere Konflikte zu selten.
    Doch man kann eben nur über Dinge berichten, bei denen ein Reporter vor Ort ist. Im somal. Bürgerkrieg zum Beispiel ist das aufgrund der radikalislam. Rebellen und der instabilen Lage relativ unmöglich, wie eine kürzl. Reportage jüngst wieder gezeigt hat. Kaum in der Staat drohte man mit der Vernichtung der westlichen „Ungläubigen“.
    Außerdem: gegen wen will man protestieren? Da gibt es keine klaren Gruppierungen sondern Banden marodierender Warlords.
    Was sollen wir tun? Die Warlords vor den UN-Sicherheitsrat bringen?

    Ergo: politischen Druck richtet man auf Dinge, die für politischen Druck anfällig sind. Im Moment ist das eben Israel und die deutsche Bundesregierung. Davor war es die Bush-Administration beim Thema Guantanamo. Wer war gleich nochmal davor fällig? Das war Kuba, glaube ich.

    Erinnert ihr euch noch? Ist gar nicht so lange her, da hat man Leute, die den Irak-Krieg und George Bush kritisiert haben in die Nazi-Schublade gesteckt. Aus heutiger Sicht eigentlich unglaublich … und trotzdem fangen wir jetzt schon wieder so an?

    Lasst sie doch protestieren! Vielleicht erreichen sie ja nichts. Vielleicht polemisieren und übertreiben sie auch ein bisschen. Vielleicht sind ein paar von den Leuten auch einfach Idioten. Aber ist denn das nicht immer so, egal bei welchem politischen Thema? Was wurde jemals dadurch erreicht, dass man es gar nicht erst versucht?

  5. Hardcorelibertarian 14. Juni 2010 um 02:04 #

    http://www.counterpunch.com/leupp06082010.html

  6. Adrian 14. Juni 2010 um 10:40 #

    @ Hardcorelibertarian

    Und Helen Thomas sollte zurück in den Libanon gehen, dorthin wo sie herkommt. Ebenso alle anderen Amerikaner, die – ganz ohne UN-Beschluss – ihren Staat auf dem Boden verschiedenster Indianerstämme errichtet haben…

    Die Äußerungen dieser Frau sind eine Absurdität, ich rechne ihr allerdings an, dass sie sich entschuldigt hat. Dass Juden etwas sauer sind, wenn man ihen sagt, sie sollten ausgerechnet nach Polen und Deutschland „ZURÜCK gehen“, kann ich gut verstehen, und jeder mit ein bisschen historischem Wissen, weiß auch warum.

    Im Übrigen werden die nächsten Kommentare, die nur Links und Zitate enthalten nicht mehr freigeschaltet, weil so etwas einfach keine Gesprächskultur ist.

  7. Adrian 14. Juni 2010 um 11:18 #

    @ Tom

    Dass die israelische Regierung Deals mit Südafrika geschlossen hat, kann durchaus sein, und wäre endlich mal ein vernünftiger Ansatzpunkt für harsche Kritik, die sich nicht nur in doppelzüngiger Dämonisierung erschöpft. Regierungen machen stets Ärger, sie bauen beständig Mist, das ist ihr Wesen, das ist ihre Bestimmung.
    Nur: inwiefern belegt das den Vorwurf, Israel sei ein Apartheidstaat?

    „Was ich allerdings weiß ist, dass es dort Gesetze gibt, die es Israelis verbieten Araber zu heiraten. […] Insofern zeigt auch dies eine merkwürdige ideologische Gesinnung.“

    Ehen sind in Israel nicht Angelegenheit des Staates, es gibt dort keine Zivilehe. Der Staat erkennt allerdings im Ausland geschlossene Ehen an (übrigens auch die von Homosexuellen). Ehen können nur unter den Bedingungen der jeweiligen Religionen (Juden, Christen, Moslems) abgehalten werden. Ein israelischer Moslem darf unter den Bedingungen seiner Religion auch keinen israelischen Juden und keinen israelischen Christen heiraten.

    Die ganze Eheangelegenheit wird in Israel harsch und kontrovers diskutiert, ich persönlich finde das Prozedere suboptimal, aber im Grunde zu verschmerzen.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Marriage_in_Israel

    „Nun: darf man Missstände nicht anprangern?“

    Wer sagt denn, das man das nicht darf?

    „und die wir ja auch finanziell unterstützen, bei diesem Konflikt also, bei dem wir bereits tief involviert sind, möchten wir tunlichst die Klappe halten?“

    Deutschland finanziert beide Seiten, obwohl ich nicht ganz verstehe, wieso man unbedingt auch die Hamas unterstützen muss.

    Wer sagt, irgendjemand sollte die Klappe halten?

    „Im somal. Bürgerkrieg zum Beispiel ist das aufgrund der radikalislam. Rebellen und der instabilen Lage relativ unmöglich, wie eine kürzl. Reportage jüngst wieder gezeigt hat. „

    Das heißt also, man kann nur aus ruhigen, friedlichen Ecken berichten – wie aus Israel z. B.?

    „Außerdem: gegen wen will man protestieren?“

    Na gegen die Hamas. Das wäre doch mal was: „Queers against Hamas.“ Das wäre konstruktiv, ehrlich und der Lösung des Konfliktes dienlicher.

    „Erinnert ihr euch noch? Ist gar nicht so lange her, da hat man Leute, die den Irak-Krieg und George Bush kritisiert haben in die Nazi-Schublade gesteckt.“

    Ich, als damaliger Befürworter dieses Krieges, erinnere mich gut, dass (auch) die Befürworter als Nazis bezeichent wurden. Du siehst also: Jeder kann heutzutage ein Nazi sein. Man muss nur auf der jeweilgen falschen Seite der politischen Gesinnung stehen.

    „und trotzdem fangen wir jetzt schon wieder so an?“

    Wer fängt womit an?

    „Lasst sie doch protestieren!“

    Ich lass sie doch. Ich hätte diese Gruppe nicht ausgeladen.

    „Vielleicht polemisieren und übertreiben sie auch ein bisschen.“

    Ja, vielleicht. Und ich polemisiere eben zurück.

    „Vielleicht sind ein paar von den Leuten auch einfach Idioten.“

    Ja, wahrscheinlich stimmt das.

    „Was wurde jemals dadurch erreicht, dass man es gar nicht erst versucht?“

    Ich verstehe bloß nicht, was diese Gruppe erreichen will.

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