Homosex bald Pflicht im Unterricht?

30 Jun

Die Grünen in Baden-Württemberg wollen, dass Homosexualität Pflichtstoff an den Schulen wird.

Oh je, diese Meldung der Stuttgarter Zeitung wird unsere Freunde von links– bis rechtsaußen, über die christlich- und islamischfundamentalistischen bis hin zu den sogenannten Libertären mal wieder auf die Palme bringen. Okay, ein wenig merkwürdig klingt das auf den ersten Blick schon. Was hat Sexualität im Unterricht zu suchen? Und „Pflicht“ klingt für unsereins auch nicht gerade sympathisch. Doch was haben die Grünen tatsächlich gefordert?

Die Thematisierung schwuler und lesbischer Lebensweisen im Unterricht solle

sowohl im Bildungsplan als auch bei der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte verbindlich vorgegeben werden.

Man kann sich nun beklagen, dass die sexuelle Orientierung und wie man sie lebt, nichts im Unterricht zu suchen hätte. Und würde sich nur lächerlich damit machen. Denn wer würde konsequenterweise fordern, dass auch die heterosexuelle Orientierung im Unterricht keinen Platz haben sollte?

Nun, werden Sie vielleicht sagen, Heterosexualität als Schulfach, wo gibt es denn sowas? Oder auch nur als Unterrichtsinhalt? Das ist ja wohl absurd. Ja, Sie haben Recht. Nein, Sie liegen falsch. Und ja, das ist jetzt kein Widerspruch. Natürlich wird Heterosexualität nicht explizit in der Schule gelehrt, aber implizit werden Schüler und Schülerinnen egal welcher sexuellen Orientierung Tag für Tag mit der demonstrativen Zurschaustellung der Selbstverständlichkeit der Heterosexualität penetriert.

Das beginnt im Deutschunterricht, wenn die entsprechende Literatur gelesen wird, setzt sich fort im Englischkurs, wo sich stets „Peter“ und „Mary“ begegnen, aber nicht „Peter“ und „Tom“, im Religionsunterricht, wo der Sinn der Schöpfung verknüpft wird mit dem Sex, den Adam mit Eva hatte, im Geschichtsunterricht, wo die Liaison von Marie Antoinette mit Ludwig XVI. gelehrt wird, in Gemeinschaftskunde, wo die Familie als Keimzelle des Staates stets heterosexuell vorgestellt wird und endet keineswegs in der Mathematik, wenn gefragt wird, wie viel Tage Heinrich arbeiten muss, um für seine Sieglinde eine neue Küche zu kaufen oder – ganz modern – ein neues Motorrad.

Das alles wäre zu homosexualisieren, das Bisherige nicht ersetzend, sondern ergänzend. Am Besten ohne Markierung des/der Homosexuellen als „das Andere“, einfach nur als Teil der Vielfalt von Lebensweisen.

Und sage keiner, das wäre nicht Aufgabe des Staates.

Grundsätzlich wäre das Argument ja richtig. Solange aber der Staat Tag für Tag heterosexuelle Propaganda macht, ist der Einspruch dagegen berechtigt. Und die Behauptung, Homosexualität habe in der Schule kein Thema zu sein, weil Sexualität dort eben überhaupt kein (Unterrichts-)Thema sei, eine Lüge.

Die Frage ist auch nicht, ob man grundsätzlich für oder gegen Homosexuelle ist, wie ich an anderer Stelle schon einmal ausgeführt habe:

Dabei ist die Frage für uns oder gegen uns schon die falsche. Die Frage müßte vielmehr lauten: Ist mir Homosexualität egal? Wenn nicht, bin ich dagegen. Oder dafür. Beides sind ähnlich alberne Haltungen wie ein Pro oder Contra bezüglich der Existenz der Sonne, von Tag und Nacht oder der Feuchtigkeit von Wasser. Homosexualität existiert. Ob einer das gut findet oder nicht.

Und das sollte seinen Niederschlag auch in der Schule finden.

4 Antworten zu “Homosex bald Pflicht im Unterricht?”

  1. Ralf 30. Juni 2010 um 22:21 #

    Und das im homofeindlichsten Bundesland der Republik!

  2. Sascha 1. Juli 2010 um 02:13 #

    Ich persönlich finde wir sollten immerhin schon zufrieden sein das es schon fast normal ist homosexuell zu sein man kann es auch überteiben mit der thematisierung.

  3. Stine 1. Juli 2010 um 02:21 #

    Für den Lateinunterricht fällt mir da so Manches ein…

  4. martin 1. Juli 2010 um 15:46 #

    Latein war von allen meinen Unterrichtsfächern (Martial, Catull) definitiv das schwulste, oder sagen wir genauer: das sexuell variantenreichste.

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