Judith „Boring“ Butler

2 Jul

Und das soll eine große Denkerin sein? Entschuldigung, aber das Interview dass die nichtidentitäre Queer-Identitäts-Queen Judith Butler der taz gegeben hat ist ja derartig verquer, bzw. verqueer, dass man sich verzweifelt fragt, warum diese Frau so berühmt ist. Kostproben gefällig?

Ich spreche von Inhalten, die zum Beispiel auf Webseiten vertreten werden. Ich betrachte diese Beiträge als Formen von Rassismus, denen man entgegentreten muss. Ich war auch darüber alarmiert, was für ziemlich schreckliche Stereotype unter einigen der prominentesten Figuren beim Berliner CSD zirkulierten. Natürlich haben nicht alle Organisatoren des CSD solche Äußerungen gemacht, aber die Tatsache, dass solche Äußerungen von den jetzigen Organisatoren nicht verurteilt worden sind, war genug, um mich zu überzeugen, dass die Annahme des Preises eine Komplizenschaft mit Rassismus bedeuten würde.

Frau Butler kann zwar auf die schnelle nicht konkretisieren, was sie rassistisch findet, aber was einige beim Berliner CSD so von sich gegeben haben ist auf jeden Fall rassistisch. Natürlich sind nicht alle rassistisch, aber rassistisch ist der CSD in jedem Fall und deshalb musste sie den Preis ablehnen, weil sie sonst selber irgendwie  rassistisch gewesen wäre. Ist doch ganz klar…

Beschuldigen wir alle Juden, wenn eine jüdische Person etwas Falsches getan hat? Beschuldigen wir alle Frauen, wenn eine Frau etwas Falsches getan hat? Wenn jemand etwas Kriminelles getan hat, ist die Handlung kriminell, nicht die Person, und nicht der ethnische oder religiöse Hintergrund einer Person. Eine solche Taktik ist bestrebt, Minderheiten für Handlungen verantwortlich zu machen, die sicherlich genauso häufig von rechtsextremen Deutschen begangen werden, deren nationale Zugehörigkeit nicht erwähnenswert ist.

Munter werden hier Ethnie, Religion und Weltanschauung in einen Topf geworfen, ganz so, als könnte man alles zusammen gleichermaßen analysieren. Natürlich ist der ethnische Hintergrund für kriminelle Taten irrelevant, aber wer würde bitte schön bei Osama bin Laden behaupten, dass seine religiöse Weltsicht mit seinen Taten nichts zu tun hätte? Und wieso darf man bestimmte Minderheiten nicht für Handlungen verantwortlich machen, wenn Butler doch das Gleiche mit der Minderheit der Rechtsextremisten macht, deren Nationalität zwar nicht erwähnenswert sei, bei denen sie aber dennoch betonen muss, dass es sich hier um Deutsche handelt?

Es ist eine Art und Weise, ein rassisches Profil zu erstellen, was eine Beschneidung der Menschenrechte bedeutet. Hochinteressant und dringend wäre es erstens, alle Formen homophober Gewalt zu berücksichtigen, inklusive derer, die von Rechtsextremen begangen werden – und zu gucken, wie die „Fakten“ aussehen würden, wenn wir diese Frage stellen. Und zweitens mit Gruppen farbiger Queers, die aus Migrantencommunitys kommen, zusammenzuarbeiten, die immer mit der Frage von Rassismus innerhalb der „queer community“ umgehen müssen sowie mit der Frage von Homophobie innerhalb und außerhalb der Minderheitencommunitys. Nur dann können wir ein echtes Bild sich überschneidender Unterdrückungen bekommen und eine weitreichende und wirksame Koalition gegen Gewalt ermöglichen.

Es ist nicht ganz klar, was Butler sagen will, außer dass man sich endlich mal mit der Homophobie der Rechtsextremisten beschäftigen sollte und mit dem Rassismus gegenüber farbigen „Queers“, wobei letzteres zwar eigentlich nichts mit Homophobie zu tun hat, irgendwie aber schon, weil letzlich alles darauf ankommt, wie oft sich die Unterdrückungsmechanismen innerhalb und außerhalb der „Minderheitencommunitys“ überschneiden.

Wir sollten uns für die Homophobie innerhalb der CDU oder innerhalb der katholischen Kirche interessieren, aber auch unter Liberalen der Mittelklasse und neuen rechtspopulären Organisationen.

Hat Frau Butler nicht eben noch erzählt, dass es quasi rassistisch ist, für die Beurteilung einer Tat den religiösen Hintergrund zu berücksichtigen? Und nun kolportiert sie plötzlich, man solle sich besonders für die Schwulenfeindlichkeit christlicher Parteien und Katholiken interessieren. Ganz wichtig ist natürlich auch, das liberale Bürgertum und „rechtspopuläre“ Organisationen unter verschärfte Beobachtung zu stellen, weil schließlich jeder weiß, dass Liberalismus Kapitalismus ist, und Kapitalismus zum Faschismus führt.

Wenn wir dann vielleicht Homophobie innerhalb von Migrantencommunitys in Betracht ziehen, würden wir eine Art und Weise des Nachdenkens über Homophobie haben, die Rassismus nicht wiederholt.

Im Klartext: Erst wenn man sich dahingehend abgesichert hat, weiße Christen, weiße Katholiken, weiße Liberale und weiße Rechtspopulisten der Homophobie bezichtigt zu haben, dann kann man sich unter Umständen der Homophobie unter (nichtweißen?) Migranten widmen.

Mir ist klar, dass einige Leute mich in der Weise zitiert haben, dass ich Hamas und Hisbollah als links verstehen würde. Bei dem Statement in seiner Gänze betrachtet, als Antwort auf eine Frage, die aus dem Publikum kam, ging es allerdings darum, dass diese Bewegungen zwar als links beschreibbar sind, aber dass man, wie mit jeder Bewegung auf Seiten der Linken, entscheiden muss, ob es eine Bewegung ist, die man unterstützt oder nicht. Ich habe niemals eine dieser Bewegungen unterstützt, und da ich mich selber zur Gewaltlosigkeit verpflichtet fühle, wäre es für mich auch unmöglich, eine von ihnen zu unterstützen. Es ließe sich viel dazu sagen, wie sie sich gebildet haben und was ihre Ziele sind und in welcher Weise sie einen Kampf gegen Kolonialismus und Imperialismus darstellen. Aber dabei geht es für mich um analytische und beschreibende Arbeit – nicht um Anhänglichkeit oder Unterstützung.

Im Grunde genommen  unterstützt die Butler also keineswegs Hamas und Hisbollah, obwohl man beide – rein analytisch betracht – natürlich als irgendwie „links“ verstehen könnte, sie also irgendwie die Guten sind. Und natürlich ist es ebenso wichtig zu betonen, dass beide Organisationen – rein beschreibend formuliert – natürlich irgendwie gegen Kolonialismus und Imperialismus kämpfen, sie also irgendwie die Guten sind.

Für mich ist „queer“ eine aktive Bewegung unter Minderheiten, die zu Koalitionen führen sollte, und wenn eine Minderheit im Namen einer anderen geopfert wird, hat die Bewegung ihren politischen Anspruch auf Gerechtigkeit und Gleichheit verloren. Ich bin für Spaß und Genuss, und ohne Frage genieße ich auch kommerzielle Vergnügen, aber ich denke nicht, dass das Recht auf Vergnügen wichtiger ist als das Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit. Ich habe sozusagen deutlich gemacht, wozu ich mich verpflichtet fühle.

Gut, dass Butler nichts zu sagen hat, sonst würde sie wahrscheinlich eine Gesetz ins Leben rufen, dass Spaß und Vergnügen nur dann erlaubt, wenn  man sich auch ausreichend zur „sozialen Gerechtigkeit“ bekennt – was immer das auch sein soll. Deutlich gemacht hat die Butler allerdings, dass sie es glänzend versteht Worthülsen und klassische linke Phrasen aneinanderzureihen, was zumindest ihren Kultstaus in gewissen Kreisen erklärt. Denn in diesen gilt es ja schon als intelligentes Statement, darauf hinzuweisen, dass es rassistisch ist, Homophobie mit religiösen Ansichten in Verbindung bringen zu wollen – allerdings nur dann, wenn die Betreffenden weder christlich noch weiß sind.

10 Antworten zu “Judith „Boring“ Butler”

  1. Lars 2. Juli 2010 um 19:07 #

    hat sie jetzt eigentllich irgendwo mal ganz konkret gesagt, wer da wo was rassistisches von sich gegeben hat????

  2. martin 2. Juli 2010 um 19:53 #

    Offen gestanden scheint mir das alles ein wenig inkonsistent. Man sollte also nicht alle Juden beschuldigen, wenn eine jüdische Person etwas Falsches getan hat. Ebenso wie man nicht alle Personen eines religiösen oder ethnischen Hintergrundes für die Missetaten einer bestimmten Person dieses Hintergrundes beschuldigen sollte. Das ist natürlich eine sensationelle Feststellung. Sie trifft freilich nicht für den Berliner CSD zu, der nämlich rassistisch ist, solange auch nur einer seiner Organisatoren etwas rassistisches (im Sinne von Judith Butler) gesagt oder auch nur gedacht haben mag.
    Es ist sowieso ein Unterschied, ob Butler irgendetwas denkt oder sagt, oder ob Person XY etwas denkt oder sagt. Erstere betreibt nämlich nicht mehr und nicht weniger als „analytische und beschreibende Arbeit“, wenn sie irgendeinen Bockmist verzapft, bei Person XY handelt es sich dagegen um „Anhänglichkeit oder Unterstützung“ – für Rassisten und Homophobe, versteht sich, nicht für antikolonialistische und antiimperialistische Bewegungen wie Hamas und Hisbollah, deren Pläne betreffend Israel mit Imperialismus und Kolonialismus natürlich nichts zu tun haben.
    Man könnte meinen, wenn ich einmal etwas holzschnittartig argumentieren darf, dass sich die Geschichte in etwa so entwickelt hat, wie Butler es verlangt: Erst hat man über Jahrzehnte hinweg in erster Linie auf Homophobie und/oder Rassismus bei der politischen Rechten und zumal Rechtsextremen, bei Christen und speziell Katholiken, schließlich generell bei Weißen geachtet. Dann ist einem plötzlich aufgefallen, dass es Homophobie und/oder Rassismus überraschenderweise auch bei der politischen Linken gibt, bei Atheisten, bei Muslimen, Nicht-Weißen und am Ende gar auch noch bei Homosexuellen. Irgendwie hat man also festgestellt, dass alle Menschen irgendwie alle anderen Menschen aus irgendwelchen Gründen Scheiße finden können, und dass es nicht besonders glaubwürdig ist, das „Böse“ stets nur beim konservativen, katholischen, weißen Hetero-Mann zu suchen. Was eine umwerfende Erkenntnis, bloß Judith Butler möchte gerne wieder bei Null anfangen. Für sie bleibt es rassistisch, wenn man feststellen muss, das Schwule eben neuerdings eher selten von konservativen, katholischen, weißen Hetero-Männern durch Straßen gejagt und zusammengeschlagen werden, als von Angehörigen gewisser anderer Bevölkerungsgruppen.
    Judith Butler ist ein schlagendes Beispiel für intellektuelle Verantwortungslosigkeit im 21. Jahrhundert. Nein, die Versuchungen, sich als (Links-) Intellektuelle_r auf Spielchen mit Mördern und Verbrechern einzulassen, sind scheinbar noch nicht ausgegangen.

    • Adrian 2. Juli 2010 um 20:18 #

      „Sie trifft freilich nicht für den Berliner CSD zu, der nämlich rassistisch ist, solange auch nur einer seiner Organisatoren etwas rassistisches (im Sinne von Judith Butler) gesagt oder auch nur gedacht haben mag.“

      Guter Punkt 🙂

  3. TimoH. 2. Juli 2010 um 20:29 #

    Dieses inkohärente Geblubber erinnert mich fatal an ein Video mit Ulrike Meinhof, auf das ich immer wieder gerne zurückgreife, um Leuten/Studenten ein Beispiel zu liefern für
    1. die Banalität von Ungeheuerlichkeiten
    2. eine grottige Rhetorik
    3. unzusammenhängendes Geschwafel und Aneinanderreihung von linken Gemeinplätzen .

    Ich will die beiden gar nicht vergleichen, aber die Rhetorik ist in vielem sehr ähnlich:

  4. Adrian 2. Juli 2010 um 20:31 #

    @ Lars
    Das einzige konkrete was ich bislang gehört habe ist, dass die Butler sich daran stört, dass Opfer von Übergriffen beim schwulen Überfalltelefon Maneo angeben können, ob es sich bei den Tätern um Migranten handeln könnte. Was natürlich gar nicht geht, denn Opfer homophober Gewalt haben gefälligst zu berichten, dass die Täter Rechtsextremisten oder – noch besser – bürgerliche Liberale waren.

  5. lalibertine 2. Juli 2010 um 21:35 #

    Irgendwie muss ich bei Butler immer an dieses Lied denken:

  6. Ralf 2. Juli 2010 um 23:32 #

    Frau Butler ist eine Kronzeugin für die Richtigkeit der Aussage von Peter Scholl-Latour, dass der menschlichen Dummheit keine Grenzen gesetzt sind.

  7. Elize N. 3. Juli 2010 um 23:16 #

    @lalibertine: Ich finde es schon fast rassistisch, Schwarze, Behinderte und Frauen mit Judith Butler gleichzusetzen. Das ist nicht nur Profiling, sondern auch noch inkorrektes Profiling, weil Butler nichts von alldem ist. Das einzig korrekte wäre daran die „Frau“, aber dies zu sagen ist ebenfalls rassistisch, weil es nur das weibliche Konstrukt ist, dass du ihr sozusagen in einem Akt des Doppelrassismus auch noch aufzwängst. Die einzige Möglichkeit für dich da jetzt noch rauszukommen wäre eine Konferenz von Schwarzen, Behinderten und Leuten zu organisieren, die sich nicht „Frauen“ nennen lassen wollen (Frauen?!) und auf dieser dafür zu sorgen, dass Judith Butler sich für den Vergleich und ihre Existenz, die den Vergleich erst ermöglichte, entschuldigt. Ganz eindeutig ist, dass diese böse Polemik natürlich noch viel rassistischer gegenüber schwarzen Frauen?!, schwarzen Behinderten, behinderten Frauen?! ist, weil sich hier irgendwie Minderheiten überschneiden und diese damit natürlich das Anrecht auf 2 Entschuldigungen, sprich 2 Konferenzen haben. Kann man dafür nicht irgendwie Fördermittel vom Staat kriegen?

  8. anti 5. Juli 2010 um 16:14 #

    „Natürlich ist der ethnische Hintergrund für kriminelle Taten irrelevant, aber wer würde bitte schön bei Osama bin Laden behaupten, dass seine religiöse Weltsicht mit seinen Taten nichts zu tun hätte? “

    Judith Butler, fürchte ich.

  9. anti 5. Juli 2010 um 16:24 #

    Kleiner nachtrag.

    „Ich habe niemals eine dieser Bewegungen unterstützt, und da ich mich selber zur Gewaltlosigkeit verpflichtet fühle, wäre es für mich auch unmöglich, eine von ihnen zu unterstützen. “

    Man beachte an dieser Stelle auch, dass es für sie kein Problem ist mit faschistischen, sexistischen, homophoben und Vernichtungsantisemitischen Bewegungen zusammenzuarbeiten – solange sie bei der Umsetzung ihrer Ziele gewaltfrei bleiben. So gesehen ist die boykott israel Kampagne ja durchaus konsequent. Lang lebe der stumme Zwang. 🙂

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