Mein erstes Mal im Café Berio

5 Jul

Alle anderen Lokalitäten waren dicht, fußballtechnisch. Ehrlich. Nur vor diesem seit sieben Jahren standhaft gemiedenen Etablissement waren Plätze frei. Wie hieß es immer so schön, hier seien die Kellner ungemein attraktiv, dafür arrogant. Nach meinem Dafürhalten passten beide Charakterisierungen nicht. Aber dazu später. Zuerste einmal wunderten wir uns über die Farbe der von uns bestellten Schoko-Milchshakes. Sie waren rosa. Nachdem ich mich kurz mit dem Gedanken anzufreunden versuchte, dass hier möglicherweise alle Speisen und Getränke rosafarben serviert würden, aber auch noch unschlüssig war, ob ich dieses merkwürdig aussehende Getränk reklamieren sollte, kamen wir auf des Rätsels Lösung. Direkt hinter uns schwang sich eine Lichterkette mit farbigen Glühbirnen an der Markise entlang und tauchte alles in ein warmes rosa Licht.

Aber hinter uns hing nicht nur die Lichterkette, hinter uns am Tisch saß auch ein Mann. Ein Mann mit Hut. An dem hatte er Federn und er selbst offensichtlich einen an der Waffel. Wie gerne hätte ich den Dialog zwischen ihm und den von ihm zugetexteten Berlinbesucherinnen aufgenommen. Ich versuche es aus der Erinnerung:

Fürs Erste verkündete er, dass die drei baltischen Republiken zu Unrecht ihren Namen trügen. Nur zwei von ihnen seien nämlich echte Balten, die andere sei preußischer  Herkunft. Das erkenne man schon daran, dass „Wowereit“ ein baltisches Wort sei und auf Deutsch „Eichhörnchen“ bedeute. Die Frauen waren begeistert. Was dieser Mann alles wußte!

Dann ging er in die Vollen. Letztes Jahr habe er gedacht, er habe den Mann seines Lebens getroffen, gutaussehend, reich, intelligent, ein Professor! Doch, ach, der Traum zerplatzte. Komisch sei es ihm schon vorgekommen, als der verhinderte Traummann erzählt habe, seine Familie sei nach dem Ende des Franco-Regimes nach Mexiko verzogen. Dann habe er, der Mann mit Hut, ihm ein Foto gezeigt, auf dem er mit einem Schwarzen zu sehen gewesen sei. Da habe der Verhinderte ihn gefragt, ob er sich etwa mit Negern abgebe. Und dann, eines Tages, im alkoholisierten Zustand habe der dann-doch-nicht-Traummann ihm eine goldene Schatulle gezeigt, in der drei Medaillen mit Hakenkreuz gelegen hätten. Die Damen sind jetzt empört und fragen erregt, wie er darauf komme, so einen Mann als intelligent zu bezeichnen. Der Mann mit Hut weiß eine Antwort, manche Menschen seien eben intelligent und dumm. Die Frauen sind beeindruckt. Und so geht das immer weiter.

Mit zunehmendem Fortgang nervt das Geschwafel. Wir wollen zahlen und versuchen den attraktiven, aber arroganten Kellner auf uns aufmerksam zu machen. Doch, leider, ist er gar nicht gutaussehend. Arrogant zwar auch nicht, aber schlecht erzogen, vielleicht auch motorisch unterentwickelt. So lehnt er sich zwischen uns hindurch auf den Tisch, weil es ihm offenbar nicht möglich ist, mit seinen zwei Händen gleichzeitig sein Portemonnaie zu halten und uns das Wechselgeld zu überreichen. Als er dann noch vorbeilaufenden Frauen penetrant auf den Hintern starrt, bin ich mir sicher, dass es sich bei der Unterbrechung meiner siebenjährigen Ignoranz um einen einmaligen Vorgang handeln wird.

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10 Antworten to “Mein erstes Mal im Café Berio”

  1. Keyser Söze 5. Juli 2010 um 20:52 #

    Homosexuelle sind ganz fürchterliche Personen, die unsere Gesellschaft völlig ruinieren – irgendwann sieht es hier noch so aus wie im Ostblock oder Schwarzafrika! Zu diesem Thema mal ein ganz besonders gut recherchierter Artikel: http://elternhilfe.wordpress.com/2010/03/23/wie-in-einem-horrorfilm-der-sohn-ist-schwul/ – da können Sie ganz bestimmt noch eine Menge durch lernen!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Keyser Söze

  2. Ralf 6. Juli 2010 um 02:10 #

    Ich bin unschlüssig, ob „Elternhilfe“ echt ist oder Satire.

  3. Charlie 6. Juli 2010 um 08:52 #

    Es muß Satire sein. So durchgeknallt kommt ja noch nicht mal Kath.net rüber. Wenns auch der gleiche Tenor ist.

  4. Adrian 6. Juli 2010 um 09:50 #

    Wenn es Satire ist, ist sie so lala. Wenn es aber echt ist, dann haben wir es mit einem genialen Irren zu tun.

  5. TimoH. 6. Juli 2010 um 09:55 #

    Es sagt aber einiges über den Zustand dieser Gesellschaft aus, ob man sich ernsthaft fragt, ob dies Satire ist.
    Ich dachte auch einen halben Vormittag lang, das sei total echt… Oder vielleicht doch? Grübel… Auf jeden Fall eher mittellustig…

  6. Keyser Söze 6. Juli 2010 um 17:57 #

    Na! Verrat‘ doch nicht gleich alles!

  7. grobi 6. Juli 2010 um 18:51 #

    du spielst leichtsinnig mit dem feuer, schätzchen. da solltest du dich nicht wundern, wenn die leute wissen wollen, wo der rauch herkommt.

  8. Keyser Söze 6. Juli 2010 um 20:05 #

    Hömma, Schnucki!

    Natürlich ist die Seite Satire – provokant und durchaus mit einem Hang zum Obszönen, ja. Aber was spricht dagegen? Ich halte den wirklich Schlimmen unter den Kommentierenden nur einen Spiegel hin, schaffe gewissermaßen einen Ort an dem sie sich „wohlfühlen“ – zumindest solange bis sie selbst merken, dass eigentlich gar nicht alles so ist wie es auf den ersten Blick schien.

    Und wer weiß? Vielleicht lernen diese gewissen Leute auf dem Weg hin zu dieser Erkenntnis ja sogar noch etwas… Schaden kann es ihnen auf jeden Fall nicht.

  9. grobi 6. Juli 2010 um 21:09 #

    ja, was spricht dagegen?

    wie soll ich dir das erklären… kennst du den unterschied zwischen kitzeln und pfählen?

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