Du kommst hier net rein

10 Jul

In Berlin gibt es, wieder mal, Stürme im Wassergläschen, bezüglich der Türpolitik eines bestimmten privaten Clubs, der offenbar Menschen „asiatischer“ Herkunft den Zugang verweigert hat:

Grund: Das „Connection“ ist unter dieser Gruppe besonders populär. Man müsse daher für Abwechslung sorgen, wie der Club auf die E-Mail-Anfrage eines asiatischen Stammgastes erklärte – und ihm vorwarf, die nichtasiatischen Gäste zu vergraulen: „Leider kommen viele Gäste nicht, wenn zuviel Asiaten im Club sind“. Dem „Connection“ sei es dabei nur an „einer guten Mischung“ gelegen, zitiert die „Siegessäule“ DJ Andreas Iserloth.

Dabei ist die Sachlage, wieder mal, ganz einfach: Es gibt kein Recht auf den Besuch eines Clubs, der einem selbst nicht gehört. Wenn einem die Firmenpolitik eines bestimmten privaten Etablissements nicht passt, kann man natürlich dagegen sein, den Anspruch aber, dieses Etablissement müsse sich so verhalten, wie  man es selbst das für richtig hält, diesen Anspruch gibt es nicht.

Völlig unverständlich überdies, wieso dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) attestiert wird, er sei zu unpolitisch. Denn was könnte bitte schön politischer sein, als folgende Pressemeldung, die vor Plattitüden, Halbwahrheiten und belanglosem Politikersprech nur so strotzt?

„Als Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. lehnen wir jegliche Form von Diskriminierung entschieden ab.

Was nicht stimmt, denn genau genommen will der LSVD alle Homophoben diskriminieren.

Als Bürgerrechtsorganisation haben wir uns in den vergangenen Jahren für das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz stark gemacht. Dies muss sich auch in der Lebenswirklichkeit von Menschen widerspiegeln, denn niemand darf aufgrund seines Alters, seiner ethnischen Herkunft oder seiner sexuellen Identität diskriminiert werden.

Warum eigentlich nicht? Ich diskriminiere Menschen ständig auf Grund ihres Geschlechts, Alters und ihrer ethnischen Herkuft, weil ich nun mal nicht auf Frauen, über 50-jährige (zumindest noch nicht) und nicht auf Asiaten stehe, also eine scharfe „Selektion“ vornehme, mit wem ich ins Bett gehe. Damit handele ich auch nicht anders, als besagter Club, der sich ebenfalls aussucht, wen er rein lässt.

Die Clubbesitzer in Berlin stehen in der Verantwortung, sich für ein weltoffenes und diskriminierungsfreies Miteinander stark zu machen.“

Gegenüber wem stehen denn die Clubbesitzer in einer Verantwortung? Gegenüber der Politik? Dem LSVD? Dem „Volk“? Unsinn! Die Freiheit des Einzelnen erlaubt es jedem Menschen, Entscheidungen für sich und über die Verfügung seines Besitzes zu treffen, auch wenn das einem persönlich nicht gefallen mag.

29 Antworten zu “Du kommst hier net rein”

  1. ichgehschlafen 10. Juli 2010 um 18:36 #

    Lächerlicher Beitrag. Anstatt zu kritisieren, wieso es ein Problem darstellt, wenn „zu viele Asiaten“ da sind, wird hier eine offen rassistische Verhaltensweise auch noch legitimiert. Auch keine Erwähnung des AGG, das seit 2006 in Kraft tritt und folgendes besagt:

    „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“

    Interessant, dass man doch noch seinen Weg gefunden hat, gegen die Staatsdoktrin zu sein. Man fällt einfach dahinter zurück.

    • Adrian 10. Juli 2010 um 19:02 #

      Das AGG interessiert mich nicht. Ich lehne es ab.

  2. TimoH. 10. Juli 2010 um 19:10 #

    @ich geh schlafen:

    Du sprichst von Doktrin: schau Dir mal das Wortfeld an, welches sich um diesen Begriff konstituiert: doktirnär, Indoktrinierung… und genau ist das AGG. Peinlich, nutzlos, staatsverliebt.

  3. ichgehschlafen 10. Juli 2010 um 22:31 #

    @Adrian: Spielt überhaupt keine Rolle, wie du dich zum AGG positionierst. Das diente nur als Sinnbild dafür, dass selbst der deutsche Staat, dem man nun nicht wirklich als Integrationsmaschine bezeichnen kann, in diesem Punkt zu unterscheiden weiß zwischen Rassismus und Privatinteresse.

    Nach deiner Logik stellt auch ein „Ausländer unerwünscht“-Schild kein Ärgernis dar, denn:

    „Es gibt kein Recht auf den Besuch eines Clubs, der einem selbst nicht gehört.“

    Vor allem, wenn du dich auf einen Rechtsbegriff beziehst, kommst du nicht das kontextualisierende Rechtsgefüge nicht herum, namentlich Grundrechte. Von daher ist deine Argumentation personifizierter Biedermeier.

    @TimoH.: Deine Einwände mögen zu diskutieren sein, inwiefern man sich gegenüber doktrinären Gesetzen positioniert oder nicht, nur spielt das, aus genannten Gründen, keine Rolle. Zumindest nicht in meiner Argumentation.

  4. Adrian 10. Juli 2010 um 22:36 #

    „Nach deiner Logik stellt auch ein „Ausländer unerwünscht“-Schild kein Ärgernis dar“

    Zumindst keines, das staatlich zu ahnden wäre.

    „Vor allem, wenn du dich auf einen Rechtsbegriff beziehst, kommst du nicht das kontextualisierende Rechtsgefüge nicht herum, namentlich Grundrechte.“

    Eigentlich argumentiere ich eher vom Selbstbestimmungsrecht aus. Und dazu gehört eben nicht, zu einer Party eingeladen werden zu müssen.

    „Von daher ist deine Argumentation personifizierter Biedermeier.“

    Was auch immer das bedeuten mag.

  5. Ralf 10. Juli 2010 um 23:49 #

    Ich kenne das „Connection“ nicht, aber wenn es sich nicht um ein öffentliches Lokal, sondern um einen privaten Club handelt, steht es dem Eigentümer in der Tat frei, handzuverlesen, wen er einlässt.

  6. Adrian 11. Juli 2010 um 00:15 #

    @ Ralf
    Worin besteht denn der Unterschied zwischen einem öffentlichen Lokal und einem privaten Club? Gehört das öffentliche Lokal nicht auch jemandem?

  7. Ralf 11. Juli 2010 um 10:52 #

    Das haben wir hier doch schon mal diskutiert. Wenn ich ein öffentliches Lokal führe, darf ich nicht z.B. Behinderte, Juden oder Schwarze abweisen. Wenn mir das nicht passt, muss ich ja nicht Gastwirt werden. Als Inhaber eines Clubs hingegegen kann ich mir Mitglieder und Besucher aussuchen.

  8. Adrian 11. Juli 2010 um 11:39 #

    „Wenn ich ein öffentliches Lokal führe, darf ich nicht z.B. Behinderte, Juden oder Schwarze abweisen.“

    Warum nicht? Und was ist überhaupt ein öffentliches Lokal? Gehört das jedem? Worin liegt also der Grund, dass der Wirt sich nicht aussuchen darf, wen er bedient?

    „Als Inhaber eines Clubs hingegegen kann ich mir Mitglieder und Besucher aussuchen.“

    Ich verstehe den Unterschied zum Lokal nicht.

  9. Markus 11. Juli 2010 um 13:10 #

    @Ralf: Euer Disput war von vornherein vorprogrammiert, da Adrian Wörter idR. nur so versteht, wie er sie gerade verstehen möchte, obwohl der Kontext eine andere Bedeutung nahelegt. In diesem Fall stellt Adrian auf die Eigentumsverhältnisse ab und möchte „öffentlich“ als „staatlich“ verstehen und „privat“ als „nicht-staatlich, einem Menschen gehörig“ und du, Ralf, stellst darauf ab, wie der Zugang für jedermann möglich ist, also ob sich einfach jeder ohne Hindernisse in den Gastraum bewegen kann (= öffentlich) oder ob es eine „Gesichtskontrolle“ gibt (= privat). Adrian arbeitet gerne mit solchen „Tricks“, für die es auch ein Wort gibt: Rabulistik … 😉

  10. Adrian 11. Juli 2010 um 13:27 #

    Vielleicht versteht Adrian einfach nur die Unterschiede nicht und hat gar nicht die Absicht mit Tricks zu arbeiten.

    Die Frage ist doch ganz einfach: Wieso gilt ein Lokal (das schließlich irgendjemandem gehört) als öffentlich, ein privater Club (der auch irgendeinem gehört) aber nicht?
    Und wieso muss der Besitzer eines Lokals jeden reinlassen?

  11. Ralf 11. Juli 2010 um 15:42 #

    Es ist genau so, wie Markus es beschrieben hat. Dem ist nichts hinzuzufügen.

  12. Adrian 11. Juli 2010 um 17:56 #

    Ist ja schön, dass es genau so ist, wie Markus es beschrieben hat, ich verstehe aber den Unterschied zwischen einem nichtstaatlichen Lokal und einem nichtstaatlichen Club immer noch nicht.

  13. Ralf 11. Juli 2010 um 19:21 #

    Dann hast Du nicht gelesen, was Markus geschrieben hat. Einfacher kann man’s nicht erklären.

  14. Adrian 11. Juli 2010 um 22:17 #

    Ralf, aus Markus „Erklärung“ kann ich lediglich schließen, dass es für Dich legitim wäre, wenn Lokalitäten Gästen den Zutritt verweigern, vorausgesetzt das Lokal bezeichnet sich nicht als „öffentlich“, sondern als „privat“.

  15. Maximilian 12. Juli 2010 um 08:25 #

    Ich finde das absurde am AGG ist, dass ich Menschen diskrimieren darf weil sie häßlich, buckelig, schlecht angezogen, Ossis sind oder an einer Krankheit leidet, aber um himmelswillen nicht wegen den verordneten Tatbeständen des AGG.

    Dieses Gesetz ist disfunktional und diskriminiert darüberhinaus durch die Bevorteilung von den einen die anderen und setzt Zwang anstelle von Akzeptanz. Und wenn der Diskobesitzer sagt, dass seine Gäste Orte meiden, an denen es zu viele Asiaten gibt, verstehe ich nicht warum man vom Besitzer tugenhafteres Verhalten erwartet sollte als von denen, die seine Clubs frequentieren.

  16. MultiGD 12. Juli 2010 um 11:59 #

    Peinlicher Text. Lustigerweise hat Adrian die „Freiheit“ der madrilener CSD-Veranstalter, ihre Veranstaltung judenfrei zu halten, nicht in ähnlicher Weise kommentiert: https://gaywest.wordpress.com/2010/06/08/12184/ Adrian misst mit zweierlei Maß. Clemens Heni würde von sekundärem Rassismus sprechen.

  17. Adrian 12. Juli 2010 um 13:10 #

    @ MultiGD

    Clever. Allerdings habe ich nie bestritten, dass die CSD-Veranstalter in Madrid natürlich die Freiheit haben, ihre Veranstaltung „judenfrei“ zu halten – wenn es denn eine Veranstaltung wäre, die in keinster Weise durch Steuergelder finanziert würde.

    Im Übrigen habe ich auch in keinster Weise verlauten lasse, dass ich die Firmenpolitik des obigen Clubs gut heiße. Was viel Leute offenbar nicht verstehen ist, dass es einen klaren Unterschied gibt, zwischen einem moralischen Anspruch und ihrer Durchsetzung durch das Gesetz. Es ist also durchaus möglich, sich über die Politik eines CSD oder eines privaten Club zu echauffieren und dennoch der Meinung zu sein, dass beide das Recht haben zu tun, was man selbst nicht mag.

    Überdies sehe ich die Sache mit dem Club als ziemlich unproblematisch an, denn ein Club transportiert schließlich keine politische Botschaft, wie das etwa ein CSD tut, der sich schließlich in der Öffentlichkeit bewegt und es darauf anlegt, mit seinen Anliegen Gehör zu finden.

    Man kann eine Veranstaltung wie einen CSD, der für sich in Anspruch nimmt, die Vielfalt der „Community“, oder was weiß ich, hochzuhalten, doch nicht mit dem Gebahren eines kleinen, privaten Clubs vergleichen, der laut offiziellen Presseberichten lediglich linke, „multikulturelle“
    Politik in seinen Räumen durchsetzen will: nämlich eine gute Mischung von Menschen verschiedenster ethnischer Hintergründe zu garantieren, ohne dass eine Gruppe, in diesem Fall „Asiaten“, allzusehr dominiert.

    Das mit dem „sekundären Rassismus“ ist übrigens auch so eine Sache: Ich habe im obigen Beitrag bereits angerissen, dass ich asiatische Männer (rein körperlich) weit weniger sexy finde, als bspw. Europäer, Iraner, Israelis, ja sogar Latinos. In einer utopischen linken Welt, in der niemand mehr irgendwelche Vorlieben haben darf, weil das schließlich diskriminierend gegenüber anderen ist, wäre ich damit natürlich als Menschenfeind sondergleichen entlarvt, den man aus der solidarischen, progressiven Volksgemeinschaft ausschließen muss.

    Doch noch sind wir ja nicht so weit.

  18. MultiGD 12. Juli 2010 um 14:03 #

    „wenn es denn eine Veranstaltung wäre, die in keinster Weise durch Steuergelder finanziert würde“

    Was hat das mit Steuergeldern zu tun? Gestehst Du Privaten mehr Rechte zu als dem Staat? „Juden sind hier unerwünscht“-Schilder wären also völlig in Ordnung, wenn sie im KaDeWe hingen, nicht jedoch, wenn damit die FDP Wahlwerbung machen würde? Diese Logik erklär doch mal genauer.

    „der laut offiziellen Presseberichten lediglich linke, „multikulturelle“
    Politik in seinen Räumen durchsetzen will“

    Seit wann ist Rassismus „links“ und „multikulturell“? Sind „Juden sind hier unerwünscht“-Schilder auch „links“ und „multikulturell“? Schliesslich werden damit doch die benachteiligten Arier gefördert, die doch auch das Recht haben sich ihrer „verjudeten“ Umgebung mal zu entziehen.

    „nämlich eine gute Mischung von Menschen verschiedenster ethnischer Hintergründe zu garantieren, ohne dass eine Gruppe, in diesem Fall „Asiaten“, allzusehr dominiert.“

    Was ist denn Deiner Meinung nach eine „gute Mischung“ von Menschen? Ab wann wird die „Mischung“ ungeniessbar?

    Gibt es eigentlich Clubs in Deutschland oder Berlin, die Weiße abweisen, mit dem Argument es wären schon zuviele Weiße im Club? Nein, gibt es nicht. Derartiger Club-Rassismus richtet sich stets gegen Angehörige von Minderheiten in Deutschland.

    Unabhängig davon wäre es auch sehr hilfreich gewesen, wenn Du – noch bevor Du Partei ergriffen hast für die rassistische Politik dieses Clubs – Dich mal informiert hättest, ob dort tatsächlich eine Majorisierung durch asiatische Gäste stattfindet. Für Rassisten ist schliesslich nicht die Menge an unerwünschten Menschen ausschlaggebend, sondern die Tatsache, dass es diese überhaupt gibt. Aber soviel Investigativrecherche darf man einem Bog wie diesem wahrscheinlich nicht zumuten.

    „In einer utopischen linken Welt, in der niemand mehr irgendwelche Vorlieben haben darf“

    Eine völlig dämliche Phrase. Es geht um eine freie Welt, in der niemand mehr aufgrund seiner Hautfarbe oder sexuellen Orientierung diskriminiert wird. Das Connection definiert sich als schwuler Club. Insofern sollte es Schwule auch reinlassen. Wenn es keine Asiaten mag, dann sollte es sich doch als arisch-schwuler Club definieren und „Asiaten müssen draußen bleiben“-Schilder an seiner Tür anbringen. Soweit will man aber doch nicht gehen. Da bleibt man lieber impliziter – nicht zuletzt aus Angst, das eigene Publikum abzuschrecken. Das ist eine gängige Strategie. Da Rassismus verpönt ist, kann er nur noch in Nischen der Gesellschaft stattfinden, dort freilich in schweigendem Einvernehmen mit der Peer Group. Im Lichte der Öffentlichkeit werden diese Menschen dann schnell sehr kleinlaut. Es sei denn sie heißen Adrian und erblöden sich, Rassismus als Errungenschaft der Freiheit intellektuell zu verbrämen. Das ganze macht natürlich viel Spaß. Jedenfalls solange, wie man selbst nicht zum Opfer solch freiheitlichen Rassismus‘ wird. Vielleicht sollten wir Adrian mal wünschen vom Restaurant seiner Wahl abgewiesen zu werden. „Es tut uns leid, aber Schwuchteln wie Sie möchten wir heute unseren Gästen nicht zumuten. Es sind Familien mit kleinen Kindern anwesend. Beehren Sie uns doch an einem anderen Tag.“

  19. Adrian 12. Juli 2010 um 15:51 #

    @ MultiGD
    „Was hat das mit Steuergeldern zu tun? Gestehst Du Privaten mehr Rechte zu als dem Staat?“

    Natürlich. Weil der Staat die oberste Machtinstanz ist, kann man sich einer Diskriminierung von seiner Seite aus, nicht entziehen. Bei Privatleuten, in einer freien Marktwirtschaft, ist das dagegen anders. Es gibt immer noch andere Clubs, die eine andere Politik betreiben, und zur Not macht man eben selbst einen Club auf.

    Steuergelder sind entscheidend. Denn JEDER muss in irgendeiner Form Steuern zahlen, also hat auch jeder ein Anrecht auf gleiche Behandlung vor dem Gesetz, also dem Staat.

    „„Juden sind hier unerwünscht“-Schilder wären also völlig in Ordnung, wenn sie im KaDeWe hingen, nicht jedoch, wenn damit die FDP Wahlwerbung machen würde?“

    Was heißt hier „völlig in Ordnung“? Nein, das wären sie nicht, aber sie wären m. M. nicht strafrechtlich relevant. Bei der FDP ist das was anders. Sie repräsentiert das System und lebt mit von staatlichen Geldern.

    Noch mal zur Verdeutlichung: Ich unterscheide immer zwischen gesetzlicher Ahndung und moralischer Empörung.

    „Seit wann ist Rassismus „links“ und „multikulturell“?“

    Ich habe nicht geschrieben, dass Rassismus „links“ und „multikulturell“ ist, sondern dass man – polemisch betrachtet – die offizielle Aussage des Clubs, man versuche eine gute Mischung unter den Gästen zu garantieren, sich mit gewissen linken Weltbildern deckt, die das gesamtgesellschaftlich ebenfalls anstreben. Zum Beispiel über Quotenregelungen.

    „Was ist denn Deiner Meinung nach eine „gute Mischung“ von Menschen? Ab wann wird die „Mischung“ ungeniessbar?“

    Ich habe dazu keine Meinung. Es interessiert mich nicht. Frag doch den Club oder die Befürworter von gesetzlichen Quotenregelungen, die offenbar ein genaues Bild von der optimalen Mischung verschiedenster Menschen in einer Gesellschaft haben.

    „Gibt es eigentlich Clubs in Deutschland oder Berlin, die Weiße abweisen, mit dem Argument es wären schon zuviele Weiße im Club?“

    Woher soll ich das wissen? Und inwiefern ist das wichtig?

    „Derartiger Club-Rassismus richtet sich stets gegen Angehörige von Minderheiten in Deutschland.“

    Soll das heißen, Rassismus ist in Deinen Augen nur dann schlimm, wenn es Minderheiten betrifft? Was wäre denn, wenn Weiße aus Clubs ausgeschlossen würden? Ich fände das albern, aber würde es unter Bezugnahme der private Entscheidung der Clubbesitzer ebenso tolerieren, wie ich das obige Gebahren mit den Asiaten toleriere.

    „Unabhängig davon wäre es auch sehr hilfreich gewesen, wenn Du – noch bevor Du Partei ergriffen hast für die rassistische Politik dieses Clubs – Dich mal informiert hättest, ob dort tatsächlich eine Majorisierung durch asiatische Gäste stattfindet.“

    Aber für mich ist das nicht relevant. Ich argumentiere auf der Basis der privaten Entscheidung der Clubbesitzer. Genau so wenig wie es mich interessiert, wer wen, zu seiner privaten Party einlädt, interessiert es mich, wen der Club reinlässt.

    „Es geht um eine freie Welt, in der niemand mehr aufgrund seiner Hautfarbe oder sexuellen Orientierung diskriminiert wird.“

    Wie gesagt, ich halte das für Träumerei, weil ich – und alle anderen auch – ständig „diskriminieren“: Frauen dürfen nicht zu mir ins Bett und Asiaten finde ich im Allgemeinen nicht so attraktiv wie Weiße.
    Aber vielleicht haben wir auch einfach unterschiedliche Definitionen von Diskriminierung. Wenn Du staatliche/gesetzliche Diskriminierung meinst, bin ich auf Deiner Seite, aber warum beschwerst Du Dich dann über das Gebaren eines privaten Clubs?

    „Das Connection definiert sich als schwuler Club. Insofern sollte es Schwule auch reinlassen.“

    Na, das tut der Club doch, oder nicht?

    „Es sei denn sie heißen Adrian und erblöden sich, Rassismus als Errungenschaft der Freiheit intellektuell zu verbrämen.“

    Ich würde es anders formulieren. Ich muss halt damit leben, was andere für eine Meinung oder Gesinnung haben, auch wenn sie mir nicht gefällt.

    „Das ganze macht natürlich viel Spaß.“

    Nee, es ist anstrengend und zuweilen zum Kotzen.

    „Vielleicht sollten wir Adrian mal wünschen vom Restaurant seiner Wahl abgewiesen zu werden.“

    Na dann wünsch es Dir doch. Eines kann ich Dir jedoch versichern. Das letzte was ich tun würde, ist das betreffende Lokal rechtlich zu belangen.

  20. Ralf 12. Juli 2010 um 18:31 #

    Adrian, was Du hier veranstaltest, ist schlimm.

  21. Adrian 12. Juli 2010 um 18:35 #

    Was veranstalte ich denn?

  22. MultiGD 12. Juli 2010 um 19:12 #

    „Genau so wenig wie es mich interessiert, wer wen, zu seiner privaten Party einlädt, interessiert es mich, wen der Club reinlässt.“

    Dieses Desinteresse an jeglicher „privater“ Haltung ist konsequent apolitisch. Wenn nun in vielen Berliner Geschäften, Restaurants, Clubs Schilder mit der Aufschrift „Juden sind hier unerwünscht“ auftauchten, dann interessiert Adrian das nicht. Das ist ja privat. Und alles, was nicht „gesetzlich geahndet“ werden kann, ist unerheblich und uninteressant für Adrian. Man könnte jetzt von grenzenlosem Rechtspositivismus sprechen. Was Recht ist, ist Recht, und der Rest ist unerheblich. Bei so einer Haltung könnte das Parlament freilich morgen einpacken, es wird ja nicht mehr gebraucht. Andererseits ist auch interessant, warum überhaupt ein Blog geführt wird, wenn man sich solch völliges Desinteresse und eine regelrecht dümmliche Meinungslosigkeit auferlegt. Zu Erinnerung: Es geht bei obigem Fall zuvorderst nicht um eine Rechtsstreitigkeit. Wenn es in diese ausartet, dann muss Adrian das natürlich begrüßen, da er wie stets für die „gesetzliche Ahndung“ bestehender Gesetze eintritt. Bis dahin aber ist der Fall ganz eindeutig und völlig unstrittig ein Beispiel für „privaten“ Rassismus. Adrian hat recht – der fällt unter die Meinungsfreiheit, solange er nicht in offene Volksverhetzung ausartet. Aber „private“ Handlungen entziehen sich nicht einer politischen und moralischen und überhaupt meinungstechnischen Beurteilung. Adrian hat seinen Weg gewählt: Er unterstützt diese Art von Rassismus. Und das ist das ekelhafte.

    „Weil der Staat die oberste Machtinstanz ist, kann man sich einer Diskriminierung von seiner Seite aus, nicht entziehen.“

    Doch. Man kann doch auswandern. Hast Du das etwa übersehen?

    „sich mit gewissen linken Weltbildern deckt, die das gesamtgesellschaftlich ebenfalls anstreben“

    Diese Linken haben dereinst durchgesetzt, dass Du beim Ficken „diskriminieren“ darfst ohne in den Knast zu wandern.

    „Zum Beispiel über Quotenregelungen.“

    Aha. Und welche Quotenregelungen auf Basis der Hautfarbe haben wir in Deutschland? Außer im Connection natürlich…

    „Ich habe dazu keine Meinung. Es interessiert mich nicht.“

    Genauso wenig wie es Dich interessiert, wenn im Geschäft um die Ecke plötzlich „Juden sind hier unerwünscht“-Schilder auftauchen. Keine Meinung dazu. Schulterzucken. Interessiert Dich nicht. Antisemitismus in Deutschland? Rassismus? Was? Können wir über was anderes reden?

    „Ich muss halt damit leben, was andere für eine Meinung oder Gesinnung haben, auch wenn sie mir nicht gefällt.“

    Damit leben müssen wir alle. Und, dass Dir die Meinung des Connection nicht gefällt, hast Du nirgendwo deutlich gemacht.
    Unabhängig davon gilt Deiner grenzenlosen Apathie entgegenzuhalten, dass Gesellschaft vom Meinungsaustausch, vom Diskurs lebt. Du musst damit leben, dass andere andere Meinungen haben, aber Du darfst diese Meinungen tatsächlich auch kritisieren. Ist das neu für Dich? Oder hast Du nie gelernt, Dich politisch zu positionieren und legst deshalb ein obrigkeitsstaatliches Gebahren an den Tag?

    „Nee, es ist anstrengend und zuweilen zum Kotzen.“

    Zum Kotzen finde ich eher Rassismus und Antisemitismus. Übrigens auch, wenn sie nicht vom Staate ausgehen. Im Gegensatz zu Dir, habe ich tatsächlich eine Meinung zu rassistischen Haltungen meiner Mitbürger, während Du Dich erblödest ihr Recht auf Rassismus zu verteidigen.

    „Das letzte was ich tun würde, ist das betreffende Lokal rechtlich zu belangen.“

    Schaun wir mal. Du redest aus der subjektiven und selbstbewussten Position eines Angehörigen der Mehrheit heraus. Das ist das gute am Schwulsein – Diskriminierung kann durch Unsichtbarkeit vermieden werden. Asiaten haben diesen Vorteil leider nicht.

  23. Adrian 12. Juli 2010 um 19:57 #

    @ MultiGD
    „Dieses Desinteresse an jeglicher „privater“ Haltung ist konsequent apolitisch.“

    Okay, ein Punkt für Dich, ich habe mich nicht ganz korrekt ausgedrückt. Natürlich interessieren mich gewisse Anschauungen privater Art – wenn dem nicht so wäre, bräuchte ich ja kein Blog zu führen, oder müsste darauf verzichten, homophobe Haltungen kritisieren.

    Was ich meinte war: Ich halte die Entscheidung eines privaten Clubs, Asiaten auszuschließen, nicht für politisch relevant, um dies gesetzlich unterbinden zu müssen, eben weil es sich hier um einen privaten Club handelt.

    Abgesehen davon, halte ich eine apolitische Haltung nicht unbedingt für ein Negativum.

    „Wenn nun in vielen Berliner Geschäften, Restaurants, Clubs Schilder mit der Aufschrift „Juden sind hier unerwünscht“ auftauchten, dann interessiert Adrian das nicht.“

    Nein, noch mal: Ich glaube dass private Institutionen die Freiheit haben, sich antisemitisch zu positionieren. Das bedeutet aber nicht, dass ich das gut heiße.

    „Wenn es in diese ausartet, dann muss Adrian das natürlich begrüßen, da er wie stets für die „gesetzliche Ahndung“ bestehender Gesetze eintritt.“

    Hä? Ich habe doch im Gegenteil klar gemacht, dass es für mich nicht darauf ankommt, was Gesetz ist; ich habe doch klar zwischen Gesetz und Moral unterschieden. Wenn ich meine Anschauungen auf Gesetze stützen würde, müsste ich auch für das AGG sein. Das bin ich aber nicht.

    „Bis dahin aber ist der Fall ganz eindeutig und völlig unstrittig ein Beispiel für „privaten“ Rassismus.“

    Ziemlich wahrscheinlich.

    „Adrian hat recht – der fällt unter die Meinungsfreiheit, solange er nicht in offene Volksverhetzung ausartet.“

    Richtig, auch wenn für mich auch Volksverhetzung unter Meinungsfreiheit fällt – was natürlich nicht heißt, dass ich ein Freund von Volksverhetzung bin.

    „Aber „private“ Handlungen entziehen sich nicht einer politischen und moralischen und überhaupt meinungstechnischen Beurteilung.“

    Natürlich nicht. Aber ich bezog mich im Beitrag auf die Pressemitteilung des LSVD, die diesen Vorteil, politisch genutzt haben um für ihr „Baby“ AGG zu werben.

    „Adrian hat seinen Weg gewählt: Er unterstützt diese Art von Rassismus.“

    Nein, das tue ich nicht. Aber ich halte es für falsch, privaten Rassismus gesetzlich zu ahnden, solange er sich nicht gegen Leib und Leben von Menschen richtet. Das gleiche gilt bei mir für Antisemitismus und Schwulenfeindlichkeit etc. pp.

    „Doch. Man kann doch auswandern. Hast Du das etwa übersehen?“

    Klar, die Juden hätten ’33 doch aus Deutschland auswandern können. Klingt logisch.

    „Diese Linken haben dereinst durchgesetzt, dass Du beim Ficken „diskriminieren“ darfst ohne in den Knast zu wandern.“

    Und deshalb muss ich jetzt links sei, oder was?

    „Aha. Und welche Quotenregelungen auf Basis der Hautfarbe haben wir in Deutschland?“

    Glücklicherweise noch keine. In den USA ist das aber bspw. nicht unüblich.

    „Genauso wenig wie es Dich interessiert“

    Entschuldigung, ich bezog mich hier auf Deine Frage, was ich denn für eine gute Mischung von Menschen halten würde. Und das interessiert mich nicht, weil ich Fragen des Mischverhältnisses von Menschen für irrelevant halte. Es interessiert mich nun mal nicht, ob irgendwo zwei schwule Weiße, drei transsexuelle Schwarze und fünf rothaarige Asiaten miteinander zusammen verkehren, oder ob es sich um einen linkshändigen Weißen, zwei muslimische Asiaten und sechs heterosexuelle Schwarze handelt.

    „Antisemitismus in Deutschland? Rassismus? Was? Können wir über was anderes reden?“

    Blödsinn.

    „Damit leben müssen wir alle. Und, dass Dir die Meinung des Connection nicht gefällt, hast Du nirgendwo deutlich gemacht.“

    Gut, dann ergänze ich das jetzt unstrittig. Ich hätte an Stelle des Clubs anders gehandelt, und jeden rein gelassen, der sich benehmen kann und zahlt.

    „Du musst damit leben, dass andere andere Meinungen haben, aber Du darfst diese Meinungen tatsächlich auch kritisieren.“

    Echt? Ist nicht wahr! Lies doch mal das Blog und die Kommentare. Da kritisiere ich ständig andere Meinungen.

    „Im Gegensatz zu Dir, habe ich tatsächlich eine Meinung zu rassistischen Haltungen meiner Mitbürger, während Du Dich erblödest ihr Recht auf Rassismus zu verteidigen.“

    Okay, ich ergänze: Was das „Connection“ getan hat, halte ich für falsch, aber sie haben die Freiheit so zu handeln. Wo ist denn da der Widerspruch?

    „Schaun wir mal.“

    Da brauchen wir nicht schauen. In diesem Fall kenne ich mich ziemlich gut.

  24. Maximilian 12. Juli 2010 um 20:02 #

    Private Diskrimierung ist nicht schön, es gibt keinen Grund das gut zu heißen – aber es gibt eben auch keinen das rechtlich zu ahnden. Wem nütz es denn, wenn in Neuruppin -dem AGG sei Dank- in Nazikneipe XY nun, Behinderte, Schwule und Ausländer reingeklagt werden. Welches Problem wird gelöst? Es ist nicht die Aufgabe des Staates sondern die der Kundschaft dieses oben gennante Lokal zu meiden, wenn man diese Art von Diskrimierung ablehnt.
    Und jemanden der von der Systematik des AGG oder dem Gesetz als solchen nichts hält zu unterstellen man befürworte Diskriminierung ist zwar bequem, geht aber am Problem vorbei.

  25. MultiGD 12. Juli 2010 um 20:30 #

    Lernfähig bist Du ja, Adrian. Siehst Du, es ist ganz einfach sich gegen Rassismus zu positionieren. Dieses einfache Bekenntnis: Ich finde die Haltung des Conection scheisse, dumm, rassistisch – hat einfach gefehlt. Auch wenn es reizvoll ist, den LSVD zu bashen, sollte man doch nicht die Hauptdiagnose total übergehen.

    Fröhliches Feiern wünsch‘ ich.

  26. xv22 13. Juli 2010 um 02:06 #

    peinlich… diskriminieren = nicht nur unterscheiden (wie das Wort nahelegt), sondern auch ungleiche Rechte gewähren. Wenn du jetzt nicht auf dicke Asiaten stehst und nicht mit ihnen ins Bett willst, hat das nichts mit Rechten gewähren zu tun (oder gibt es ein Recht auf dein Bett?).

    • Adrian 13. Juli 2010 um 09:48 #

      @ xv22
      Gibt es ein Recht auf einene Besuch im Club? Auf ein Essen im Restaurant? Auf eine bestimmte Wohnung, oder Arbeitsplatz?
      Es wäre schön, wenn hier endlich mal jemand zur Kenntnis nehmen würde, dass ich mich bereits mehrfach gegen Ungleichbehandlung durch den Staat ausgesprochen habe, was allerdings widerum nicht bedeutet, dass ich alle Gesetze für legitim halte.

  27. John 14. Juli 2010 um 14:38 #

    Danke für diesen Eintrag, Adrian. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich denke, dass der freie Markt Rassismus wesentlich besser den Garaus machen kann als der Staat. Nur weil der deutsche Staat Gesetze erlässt, die Volksverhetzung oder Diskriminierung verbieten, heißt das noch lange nicht, dass bestimmte Menschen nicht dennoch weiter Rassisten bleiben. Das Schlimme ist, dass diejenigen es nur noch unter der Hand machen. Mir wäre es lieber, sie würden es offen machen. Keine Homos erlaubt? Wunderbar, dann gebe ich mein Geld lieber in einem Laden aus, der mich willkommen heißt.
    Die Folgen einer solch dämlichen Unternehmens- und Kommunikationspolitik (siehe die unterschiedlichen Statements bei der Siegessäule) wird das Connection schon durch den Markt spüren, nämlich dann, wenn man seine Stammgäste verprellt, als auch diejenigen, die mit ihren asiatischen Freunden dort feiern gehen wollen. Wenn das Connection meint, es würde wieder größeren Zuspruch dadurch finden, dass es Asiaten aus seinem Club verbannt, dann sollen sie es gerne machen. Ich würde behaupten, die Probleme des Connection hatten wenig mit der „asiatischen Community“ zu tun, die sich dort angeblich breit gemacht hat, sondern eher mit dem Image eines muffigen Schöneberger Sex-Clubs. Ich begrüße es jedenfalls, dass sich das Connection in der Öffentlichkeit so schön blamiert hat, und uns weiteren Grund geliefert hat, dort nicht mehr hinzugehen. Da braucht es auch keinen Staat mehr, der das durch ein Gesetzt noch weiter ahndet. Die sind durch ihren PR-Gau schon genug gestraft.

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