Von Bienchen und Blümchen

23 Sep

Kindern beizubringen, wie die Welt tatsächlich funktioniert, ist Konservativen jeglicher Coleur seit jeher ein Gräuel. Denn die Welt enthält auch so schlimme Dinge wie Verhütung, Sex und Homosexualität. Da all dies böse ist, muss man sich logischerweise auch darüber echauffieren, wenn, wie etwa in Tschechien, ein neuer Leitfaden für den Sexualkundeunterricht an Schulen ausgegeben wird:

Gemeinhin gelten die Tschechen nicht gerade als sonderlich prüde. Sexuellen Kontakt per Internet zu suchen, ist völlig unproblematisch. Fernsehwerbung für alle möglichen Produkte hat oft einen schlüpfrigen Unterton. Auch viele tschechische Frauen amüsieren sich darüber. Seitensprünge werden sowohl von den Herren als auch den Damen der Schöpfung oft als normal angesehen und nicht als unmoralisch gegeißelt.

Und nicht nur das: Schwulenpornos mit tschechischen Darstellern sind geradezu legendär. Was die Sache für unsere allseits bekannten prüden Zeitgenossen natürlich auch nicht besser macht, vermutlich eher schlimmer:

Eigentlich geht es um die generelle Frage, ob die Schule überhaupt der richtige Ort sei, Kinder aufzuklären. Die Konservativen verneinen das eindeutig und sprechen diese Aufgabe allein dem Elternhaus zu.

Nun, diese Position ist durchaus vertretbar, nur dann sollte man öffentliche Schulen doch am besten gleich abschaffen und den Unterricht vollständig privatisieren. So würde kein Elternhaus in Gefahr geraten, ihre Kinder weltanschaulich „falsch“ erzogen zu sehen, übrigens auch dann nicht, sollten irgendwann mal wieder die Konservativen die Deutungshoheit über den Staat bekommen.

Doch was ist am Leitfaden für den Sexualkundeunterricht eigentlich auszusetzen? Dreimal darf geraten werden:

Der Leitfaden dagegen verführe die Kinder regelrecht zu ungesund frühen sexuellen Erlebnissen und rede viel zu offen über Praktiken, die als bedenklich eingestuft werden müssten. Generell werde viel zu freizügig über Erotik oder „sexuelle Verirrungen“ informiert. Völlig daneben liege der Leitfaden etwa beim Thema Homosexualität, die keineswegs als „abnorm“, sondern als „normale sexuelle Orientierung einer Minderheit“ dargestellt werde. Es gehe auch nicht an, dass man die Kinder ermutige, zwischen Sex und Liebe zu unterscheiden.

Ein Aufruf zu Sodom und Gomorrha also? Keineswegs:

Freilich wird den Autoren des Leitfadens damit auch Unrecht getan. Immerhin findet sich darin der Satz: „Angenehme sexuelle Erfahrungen macht man am besten in einer langen, stabilen und schönen Beziehung.“

Die Quintessenz des Leitfadens lautet also: Sex existiert; Sex ist nicht schlimmes; Homosexualität ist normal; Liebe und Sex sind  nicht das Gleiche; am Besten ist Sex aber mit einem geliebten Menschen. Wo also liegt das Problem?

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Eine Antwort to “Von Bienchen und Blümchen”

  1. Thommen 23. September 2010 um 23:38 #

    Wenn kein Problem im Sex vorliegt, wird eines gemacht, damit die Ideologie wieder stimmt! 😉

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