Trialektik

29 Sep

Man lese und staune:

Das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams (London), hat „kein Problem“ mit homosexuellen Priestern und Bischöfen –

doch, zu früh gefreut:

vorausgesetzt sie verzichten auf Sex.

In der römisch-katholischen Kirche bedeutete diese Ansage die Gleichbehandlung mit den heterosexuellen Brüdern, schließlich haben auch diese im Zölibat zu leben. Ein Zölibat extra für Schwule ist dagegen eine klassische Diskriminierung, die m.E. durch nichts zu rechtfertigen ist. Manchem ist jedoch selbst das zu wenig. So wurde Williams‘ Sonderregelung von evangelikaler Seite als „unbiblisch“ angegriffen:

Kanonikus Vinay Samuel vom Oxforder Zentrum für Missionsstudien rief die Kirche auf, die biblische Lehre über Homosexualität aufrechtzuerhalten. Dazu müsse sie ihre Amtsträger verpflichten.

Zur Begründung führte Samuel an, der

Forschung sei es in mehr als zwei Jahrzehnten nicht gelungen nachzuweisen, dass Homosexualität angeboren sei. Außerdem habe die britische Statistikbehörde soeben Zahlen veröffentlicht, die zeigten, dass der Bevölkerungsanteil der Homosexuellen mit 1,5 Prozent viel niedriger sei, als vielfach behauptet.

Ob Samuel, für den sich der Wert eines Menschen offenbar daran bemisst, wie oft seine Subspezies in einer Gesellschaft vorkommt, diese Ansicht revidiert, wenn er eines Tages als Christ zu einer in den Augen der Mehrheitsgesellschaft zu vernachlässigenden Minderheit gehört?  Aber Samuel ist noch nicht fertig. Ausgerechnet er als Vertreter einer theologischen Richtung, die in der Regel keine Gelegenheit auslässt, den Ausschluss von Homosexuellen aus christlichen Gemeinden zu fordern und durchzusezten, stört sich an einer angeblichen Obsession der Kirchen des Westens, die sich nur noch durch Projektion erklären lässt:

Samuel bemängelt eine „Besessenheit“ der Kirchen des Westens mit Fragen der Sexualität. Die große Mehrheit der Weltgemeinschaft wolle nicht, dass dieses Thema ständig in den Mittelpunkt gerückt werde.

Rowan Williams übrigens war es, der sich Anfang 2008 für die Einführung der Scharia in Großbritannien eingesetzt hatte. Da Williams sich bei seinem Vorstoß ausdrücklich auf das Eherecht bezog, könnten schwule anglikanische Geistliche bedauern, dass ihnen aufgrund des Zölibats durch die Religion legitimierte Möglichkeiten für One-Night-Stands entgehen, denn zumindest bei den Schiiten gibt es die Möglichkeit einer Ehe auf Zeit:

Der zeitgebundene Ehevertrag gehört nach muslimischer Systematik zur Gruppe der Miet- und Pachtverträge. Hierbei kann eine Ehe für einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel für einige Stunden geschlossen werden und endet dann automatisch. Auch die Vereinbarung einer bestimmten Anzahl sexueller Begegnungen, mindestens jedoch einer, ist möglich.

Und da sage noch mal einer, der Islam sei rückständig.

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Eine Antwort to “Trialektik”

  1. fatalfraktal 8. Oktober 2010 um 22:22 #

    Damit begibt sich der Herr Bischoff auf katholisches Niveau.

    http://fatalfraktal.wordpress.com/2010/02/07/zenit-die-welt-von-rom-aus-gesehen/

    Die Argumentation der religiösen Dummbatzen hat Orwellsches Niveau.

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