Queere Päpste

30 Sep

Es war eigentlich logisch. Während früher die Kirche bestimmt hat, inwiefern Sexualität „gut“ oder „böse“ sei, übernimmt das Schnüffeln im Schlafzimmer heute die gesellschaftskritische Linke. Denn Sex ist nicht Sex, nein, Sex ist natürlich politisch, eine gesellschaftliche Aufgabe, eine Sache, für die es Bewusstsein braucht und für die man bestimmte Normen erfüllen muss – zumindest wenn man nicht von von der Vorhut des queeren Zentralkommitees abgemahnt werden will:

Durch uns alle atmet das Patriarchat – also keine Panik: Es gibt keinen richtigen Sex im Falschen. Fakt ist aber: Sogenannter normaler Sex ist politisch unreflektierter Sex, ist schlechter Sex

Also, wer demnächst mit seinem Schatz in die Federn hüpfen will – nicht so schnell! Erst mal sollte man einen Parteitag abhalten um darüber zu reflektieren, ob der zu praktizierende Sex auch ja alle Bedingungen der queeren Avantgarde entspricht. Denn merke:

Roher Genitalsex ist wie verkürzte Kapitalismuskritik mit Hauptwiderspruchskrankheit: zentralistisch, platt und undifferenziert.

Noch wichtiger: Wer sich nicht zum Sklavenhalter im Bett machen will, sollte überdies bedenken:

Monogamie ist ein eigenes Perversionsgenre, da es die hegemoniale Form der Partnerschaft als patriarchale Besitzkonstellation affirmiert, die auch noch Sex an Reproduktion koppelt.

Und wer jetzt glaubt, das sei alles Satire, der irrt. Immerhin ist es seit jeher die Hauptaufgabe der Linken, der Menschheit alles zu verderben was Spaß macht, indem nämlich jede individuelle Vorliebe politisiert und in die müffelnde Möse des Kollektivs gepresst wird.

Und ja, das war jetzt ganz furchtbar sexistisch und patriarchal. Wen juckt’s?

Share

Advertisements

2 Antworten to “Queere Päpste”

  1. Cyrano 1. Oktober 2010 um 12:55 #

    „Und wer jetzt glaubt, das sei alles Satire, der irrt.“
    @ Adrian: Ich glaube, hier irrst du… bzw. stellt sich die Situation nicht so eindeutig dar. Die Jungle World ist eine der wenigen „linken“ Zeitungen, die sich eine Kritik an linken „Konzepten“ zur Sexualität (TM) bisher nicht hat nehmen lassen. In der Ausgabe vom 12. August wurde z.B. ein Dosier der Gruppe les Madeleines zur Kritik der „Definitionsmacht“ veröffentlicht, in dem gerade auch gegen den Regulationswahn bezüglich des sexuellen angeschrieben wird: http://jungle-world.com/artikel/2010/32/41534.html
    Les madeleines gelten in der Szene, soweit ich das überblicken kann, als sexistisch und biologistisch und was weiß ich, weil sie in der Vergewaltigungsdebatte rund um die Jahrtausendwende behaupteten, es gäbe sowas wie Triebe, Verführung, etc…
    Obwohl die Jungle in ihrem Bemühen, ein möglichst großes Publikum zu erschließen gleichzeitig Texte publiziert, die vom Inhalt her mit dem oben zitierten 100% übereinstimmen könnten, legt meines erachtens hier der Duktus nahe, dass das ganze irgendwie Satire sein soll. Natürlich immer mit der Rückzugsoption, dass worauf die Satire zielt nicht wirklich lächerlich gemacht zu haben…

  2. Thommen 3. Oktober 2010 um 09:08 #

    Ich glaube auch, dass Du die Satire wohl nicht verstehst. Egal, wenn sie auch „ernst“ gemeint wurde. Du bist mit Deinem „linken Schuh“ wieder mal ausgerutscht! .P

    Oder betrachtest Du die Sexualität auch als „Privateigentum“, das nur in der Monogamie gepflegt werden kann?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: