Warum ein Antidiskriminierungsverbot keine Diskriminierung verhindert

27 Okt

Die bayerische Landessynode muss im November entscheiden, ob gleichgeschlechtlich lebende Pfarrerinnen und Pfarrer zusammen im Pfarrhaus wohnen dürfen

titelt ideaSpektrum etwas missverständlich in seiner neuen Ausgabe, denn natürlich geht es nicht darum, dass die Lesben mit dem Schwulen eine klerikale WG aufmachen.  Worum es tatsächlich geht, verrät auch der erste Satz des Spektrum-Artikels nicht, heißt es doch dort in der gewohnten Mischung aus Bericht und Meinungsmache:

Zwei Münchner Dekanatsynoden wollen eine angebliche Diskriminierung von eingetragenen Lebenspartnerschaften abschaffen.

Rätselhaft. Wie will man eine angebliche, also gar nicht existierende Diskriminierung abschaffen? Doch es geht immer noch absurder. Ein paar letzte aufrechte Verteidiger des christlichen Abendlandes sind angetreten, um die gar nicht existierende Diskriminierung zu … verteidigen:

mehr als 700 Kirchenmitglieder (…) unterstützen den Antrag des Theologieprofessors Manfred Seitz, dass es keine Notwendigkeit für eine Beschäftigung mit

dem Wunsch nach Antidiskriminierung gebe. Warum? Nicht etwa weil es keine Diskriminierung gibt. Nein, derartige Wünsche

widersprächen Gottes Wort und würden das Antidiskriminierungsverbot über die Heilige Schrift stellen.

Mal abgesehen davon, dass hier natürlich „Diskriminierungsverbot“ stehen müsste und nicht „Antidiskriminierungsverbot“, verstehe das wer will! Eine Diskriminierung, die gar nicht existiert, soll Gottes Wille sein, der sich zu diesem Thema allerdings nie geäußert hat. Oder kennen Sie eine Stelle in der Heiligen Schrift, in der festgelegt wird, welche sexuelle Orientierung zu leben Pfarrern und Pfarrerinnen erlaubt ist? Doof nur, dass die Fraktion die von idea-Spektrum repräsentiert wird, so eindeutig der christlichen Rechten zuzuordnen ist. Linke hätten es viel einfacher damit, den scheinbaren Widerspruch zu erklären. Sie würden es Dialektik nennen.

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Eine Antwort to “Warum ein Antidiskriminierungsverbot keine Diskriminierung verhindert”

  1. Cyrano 28. Oktober 2010 um 01:51 #

    „Warum ein Antidiskriminierungsverbot keine Diskriminierung verhindert“
    Ist doch ganz klar: Ein Antidiskriminierunsverbot verhindert nur Antidiskreminierung… 😉
    Zugegeben, das steht schon so im Artikel. Aber so ein schönes Wort schreit nach einem Kommentar…

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