Von schwulen Dosenöffnern und queerer Inkontinenz

1 Nov

Bauwagen oder Luxusloft? Wie wir wohnen

titelt das Berliner queer-Magazin Siegessäule in seiner November-Ausgabe. Und damit wäre auch umrissen, wer eigentlich mit „wir“ gemeint ist. Queers eben. Was das ist, wissen Sie nicht? Dann passen Sie mal auf: Karl-Heinz lebt auf dem Land. In seinem Garten steht

ein Männerpaar in inniger Umarmung.

Voll queer eben. Ralf lebt in seiner Luxuswohnung,

die gleichzeitig als Showroom und Büro seiner Firma Morgentau Interiors dient.

Voll queer eben. Julia lebt im Bauwagen:

Hier beschäftigt man sich mehr mit Dingen, die das pure Leben betreffen, wie heizen oder den Wagen winterfest zu machen.

Total queer das. Susan und Marty leben im Eigenheim. In Pankow. Prenzlauer Berg mögen sie nicht mehr, wegen

Muttis Mitte 40, drei Kinderwagen nebeneinander.

Einfach queer. Clemens lebt unter der Woche oft in Hotels, am Wochenende in einer 240 qm-Gründerzeitwohnung in Schöneberg:

Hier kann ich entspannen, hier ist der Ort, an dem ich Entscheidungen treffe, und hier muss ich keine Kompromisse eingehen.

Nach dieser Einführung ins queere Leben folgt in der Siegessäule ein Interview mit Architektin Katja Krämer, die ihre Weisheiten über schwule und lesbische Wohnungseinrichtungen zum Besten gibt:

Bei schwulen Männern wirkt eine Wohnung oft wie aus einem Guss. Das geht so weit, dass selbst kleinste Gegenstände wie Dosenöffner [sic!] ins Konzept passen. Bei Lesben ist es meist so, dass alles eher zusammengestückelt wird.

Der queere Chefredakteuer wagt ein verhaltenes

Hört sich sehr nach Klischees an!

Doch Krämer lässt sich nicht beirren:

Das sind empirische Tendenzen und Erfahrungswerte. Natürlich gibt es auch viel Crossover, wenn etwa Lesben Hightech haben und Schwule Schnickschnack bezvorzugen.

Crossover, soso. Könnte es auch sein, dass jeder so wohnt, wie er will oder ist das zu einfach? Jedenfalls ist  das

breite Spektrum der queeren Szene

in Gefahr:

Vor allem Menschen mit geringem Einkommen und solche, die ihre Miete vom Jobcenter oder Sozialamt bekommen, haben es immer schwerer, im Schöneberger Kiez eine Wohnung zu finden. Das wird auch die schwul-lesbische Community mittelfristig in Richtung „Reiche und Schöne“ verändern.

Weshalb sich die Siegessäule in ihrem Titelbeitrag auch weitgehend bereits auf diese beschränkt. Man will schließlich Trendsetter sein.

Aufklärung darüber, wie inhaltsleer die Kategorie „queer“ ist, gibt auch die neue Siegessäule-Serie „Integration“. Demnach glaubt Comedian Serpil Pak,

dass die Türkei oder das muslimische Wertesystem das Queerste ist: Männer hängen nur mit Männern zusammen, Frauen nur mit Frauen.

Alles queer, oder was? Musiker Can „Khan“ Oral weiß:

Ich muss nicht homosexuell sein, um queer zu sein. Es geht um Offenheit für alle Facetten.

Wie war das noch gleich? Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein?

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