Nach der Wahl ist vor der Wahl

3 Nov

Die USA haben gewählt, und wie so oft lässt sich beobachten, dass die deutschen Medien offenbar nicht die geringste Ahnung vom politischen System der USA haben. So schreiben sie von „Parteien“, von „Opposition“, gar von „Fraktionen“, ganz so als würden sich diese Begriffe europäischer parlamentarischer Demokratien auf die präsidentielle Demokratie der USA übertragen lassen. Die Journalisten, ja viele Menschen überhaupt, können einfach nicht verstehen, warum Obama, der mit soviel Furor in den Wahlkampf gestartet ist, nicht mehr die Wertschätzung genießt, die er bei Amtsantritt hatte. Sie verstehen die breite Opposition gegen die Gesundheitsreform nicht; sie verstehen nicht, warum amerikanische Arbeiter sich nicht wohlfahrtsstaatlich einlullen lassen wollen; sie verstehen nicht, aus welchen gesellschaftlichen Milieus sich Demokraten und Republikaner konstituieren. Und ganz besonders wichtig: Sie verstehen nicht, was der „Amerikanische Traum“ tatsächlich bedeutet, was er für ein Wirkung im Denken der Amerikaner entfacht.

Es wäre gut, wenn man sich hierzulande eines klar machen würden: die USA sind nicht Europa; Amerikaner ticken nicht wie Europäer – und erst recht nicht wie Deutsche. Und das – man kann es nicht oft genug wiederholen – das ist auch gut so.

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Eine Antwort to “Nach der Wahl ist vor der Wahl”

  1. Martin 3. November 2010 um 17:37 #

    Genau! Und natürlich müssen wir uns jetzt schleunigst den Kopf darüber zerbrechen, wie genau das „P.“ in „G.O.P.“ zu übersetzen ist, oder was es bedeuten könnte. Vor allem sollte man die ‚präsidentielle Demokratie‘ nicht mit den europäischen parlamentarischen Demokratien verwechseln, deren Vorherrschen in Europa erklärt, warum die deutschen Kommentatoren es einfach nicht kapieren. Was? Na die da (orange = Europa):

    Und während sich deutsche Blogger, die sich selbst nicht das geringste mit Deutschland anfangen können, permanent darüber beschweren, wie ideen- und zukunftslos die deutsche Gesellschaft ist, den amerikanischen Traum hochhalten, als hätten sie die Muse über dem kollektiven Kopf der US-Bürger entdeckt, machen sich letztere schon auch mal darüber lustig:

    http://wonkette.com/428957/cnn-money-website-says-american-dream-officially-dead

    Weil die unverstandenen Amerikaner offenbar nicht nur keine Europäer, sondern auch nicht die lebendig gewordenen Projektionen deutscher Kulturpessimisten sind. Ja, auch das ist gut so.

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