Aufregung im Hühnerstall

9 Nov

Kristina Schröder ist eine selbstbewusste, lebensfrohe, attraktive junge Frau, die es sich leistet, eine eigene Meinung zu haben. So hat sie es tatsächlich gewagt, einige besonders absurde Thesen des Feminismus für nicht relevant zu halten. Was das junge Küken dabei übersehen hat, ist die Deutungshoheit der älteren Hennen auf dem deutschen Bauernhof, die jetzt reihenweise über Schröder herfallen, angeführt von der Oberhenne mit Namen Alice Schwarzer. Soviel Theater gab es im Hühnerstall jedenfalls lange nicht mehr:

Schwarzer wirft Schröder Inkompetenz und „Stammtischparolen“ vor. Seit Schröders fast einjähriger Amtszeit habe sich weder die Lage der Familien verbessert noch sei die Gleichberechtigung der Frau vorangekommen. „Was immer die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen – die Kompetenz und Empathie für Frauen kann es nicht gewesen sein“, schreibt Schwarzer.

Denn Kompetenz und Empathie hat nur Alice Schwarzer, wobei mit „Kompetenz“ eher „Deutungshoheit“ gemeint ist, an die sich gefälligst alle zu halten haben. Schwarzer ist, wie üblich, nicht in der Lage zu argumentieren. Gut, das konnte sie nie, wie ein Blick in ihre Bücher oder die „Emma“ beweist.

Aber das alles macht nichts, wenn Schwarzer gackert, haben die anderen Hühner gefälligst zu parieren. Und die meisten Hennen tun das auch ohne mit der Wimper zu zucken. So auch die besonders lautstarke Renate Künast, Anwärterin auf den Posten des Berliner Bürgermeisters:

„Entgeistert“ sei sie über das Interview von Kristina Schröder im SPIEGEL, poltert sie los. „Krude und altbacken“ nennt sie die Äußerungen der CDU-Politikerin zum Thema Feminismus und unterstellt ihr einen „angewandten Spaltungsirrsinn – was ein anderes Wort für Schizophrenie ist“.

Man hat mich ausgelacht, als ich sagte, diese Frau sei ein gemeines hinterhältiges Biest, arrogant, herzlos, böse. Nun, nach diesen Äußerungen, was ist die Künast denn sonst? Statt zu argumentieren, unterstellt sie Menschen mit anderer Meinung, in bester linker Manier, geistige Defekte. Denn mal ganz ehrlich: Wer wie Schröder meint, der Feminismus hat nicht in allem recht, der muss doch verrückt sein, oder?

Doch nicht nur Künast und Schwarzer, auch andere Hennen sind eifrig am gackern:

„So viel Unsinn im Zusammenhang mit Frauenpolitik habe ich lange nicht mehr gelesen“, sagt SPD-Vizechefin Manuela Schwesig. „Frau Schröder hat keinerlei Verständnis für die historische Bedeutung des Feminismus.“ Auch Schwesig, Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, ist sauer auf die Familienministerin: „Es tut der Sache der Frauen heute überhaupt nicht gut, wenn die jungen Frauen und die Frauenbewegung von damals gegeneinander ausgespielt werden.“

Im Gegenteil, genau das täte der Frauenbewegung gut; sich endlich von dem verworrenen Unsinn zu distanzieren, der damals von Frauen für Frauen verzapft wurde. Aber sich als ewiges Opferlamm des Patriarchats zu betrachten ist natürlich weitaus sexier, als zur Kenntnis zu nehmen, dass sich die Zeiten geändert haben:

Von den tatsächlichen Problemen der Frauen von heute habe die Ministerin „offenbar keine Ahnung“, sagt die SPD-Politikerin. Ungleiche Bezahlung, mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wenig Frauen in Führungspositionen – da gebe es „einen riesigen Handlungsbedarf“. Dass Frauen mit guter Ausbildung deutlich weniger verdienen als Männer, „ist nicht fair und muss geändert werden“. Auch beim Thema Managerinnen-Quote kritisiert sie Schröder: „Freiwillige Vereinbarungen zwischen Politik und Wirtschaft haben zu nichts geführt, wir brauchen eine Quote von mindestens 40 Prozent für Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten.“

Wir konstatieren: Die Probleme der Frauen von heute – es gibt sie schlicht nicht, es sind Worthülsen, Belanglosigkeiten, Trivialitäten. Oder will frau uns wirklich verkaufen, der Umstand, dass Anthroposophinnen weniger verdienen als Ingenieure, sei ein gesellschaftlicher Missstand? Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte? Das soll die Lösung der nicht existierenden Frauenfrage sein?

Katja Kipping, Vize-Chefin der Linken, attackiert Schröder ebenfalls scharf. „Die Familienministerin kritisiert die radikale Frauenbewegung bar jeder Kenntnis“, sagt die Bundestagsabgeordnete. „Dem Feminismus ging es nie um Männerhass, sondern um den Kampf gegen das Patriarchat – also um Strukturen, die Frauen benachteiligen.“

Natürlich nicht, Frau Kipping: Mag ja sein, dass sie gerade erst aus dem Ei geschlüpft sind, aber genau deshalb ist es angebracht, Sie bspw. auf Valerie SolanasManifest zur Vernichtung der Männer“ aufmerksam zu machen, in der die Ausrottung des Mannes als Grundbedingung für eine menschliche Gesellschaft propagiert wird. Gut, Solanas hatte, wie wir heute wissen, tatsächlich einige schwerwiegende psychische Probleme, so schwerwiegend, dass sie später den Künstler Andy Warhol niederschoss. Die Ikone der deutschen Frauenbewegung, Alice Schwarzer, war allerdings sehr gesund als sie das Werk Solanas lobte. Solanas Manifest, so Schwarzer, sei ein

„erster Exzess des Hasses, des begründeten Hasses“. […] Das ist es wohl, was den Frauen, wie allen unterdrückten und gedemütigten Gruppen, am meisten ausgetrieben worden ist: der Mut zum Hass! Was wäre eine Freiheitsbewegung ohne Hass?“

Und nicht nur Valerie Solanas, auch andere Größen der – insbesondere amerikanischen – Frauenbewegung, die auch in Deutschland gerne gehört und gelesen wurden, waren beseelt von ihrem Hass auf Männer. Hier einige Beispiele:

„Meine Gefühle gegenüber Männern sind das Ergebnis meiner Erfahrungen. Ich habe wenig Sympathie für sie. Wie ein Jude, der gerade aus Dachau freigekommen ist, sehe ich den hübschen [!] jungen Nazi-Soldaten mit einer Kugel im Bauch, sich vor Schmerzen krümmend, niedersinken, und ich schaue nur kurz und gehe weiter. Ich muss nicht mal mit den Achseln zucken. Es geht mich einfach nichts an. Männer sind Nazis durch und durch; ihr Tod ist also historisch gerechtfertigt.“1Marilyn French

„Physisch ist die Frau beim Geschlechtsverkehr besetztes Gebiet, im wahrsten Sinne des Wortes ein besetztes Territorium, das im wahrsten Sinne des Wortes eingenommen wird; eingenommen auch dann, wenn es keinen Widerstand gegeben hat, keine Gewalt; ja sogar wenn die eingenommene Frau sagt ja bitte, ja schnell, ja mehr.“2Andrea Dworkin

„Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh in seinen Mund gerammt wie ein Apfel in dem Maul eines Schweins.“3 – Andrea Dworkin

„Ich finde, Männerhass ist eine ehrenwerte und mögliche politische Haltung“4Robin Morgan

„Was ist ein Mann in Salzsäure? – Ein gelöstes Problem.“5 – Witz aus der „Emma“

„Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“ – Gaby Hauptmann

Alice Schwarzer war (und ist?) mit diesem hasserfüllten Feminismus jedenfalls auf du und du. Zwar hat sie sich nie derartig radikal geäußert wie bspw. Solanas oder Dworkin, aber sie hat beide positiv rezensiert, sie hat in ihrer „Emma“ diverse Witze über Männer vom Stapel gelassen und diverse „Analysen“ über die gesellschaftliche und biologische Minderwertigkeit des männlichen Geschlechts verfasst, die umgekehrt, wenn es um Frauen ginge, einen Sturm der Entrüstung provozieren würden. Wer also, wie Katja Kipping behauptet, der Hass gegen Männer sei nie Thema des Feminismus gewesen, hat schlicht keine Ahnung. Der Hass gegen und die Ablehnung des Mannes an sich, waren zeitweise Bedingungen um als „fortschrittlich“ und „emanzipiert“ zu gelten. Und auch heute noch ist Antipathie gegenüber Männern weitaus akzeptierter, als gegenüber Frauen. Ein Gerd Hauptmann hätte z. B. niemals ein Buch „Nur eine tote Frau ist eine gute Frau schreiben können“ ohne dass dies sein gesellschaftlicher Tod gewesen wäre.

Man kann Kristina Schröder nur wiederholt beglückwünschen, dass sie dem Gezeter der Kampfhennen des Vulgär-Feminismus etwas entgegen gesetzt hat. Selbst die Aufregung beim Besuch des Fuchses wäre geringer ausgefallen als das, was Schröder im bundesdeutschen Hühnerstall losgetreten hat.

———————————-

[1] Zitiert nach, Arne Hoffmann „Sind Frauen bessere Menschen“, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH, Berlin 2001, Seite 465 [back]

[2] Zitiert nach, ebenda, Seite 310 [back]

[3] Zitiert nach, ebenda, Seite 470 [back]

[4] Zitiert nach, ebenda, Seite 462 [back]

[5] Zitiert nach, ebenda, Seite 467 [back]

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6 Antworten to “Aufregung im Hühnerstall”

  1. Genesis 10. November 2010 um 00:47 #

    Oje, dass die Schwarzer radikal ist, wusste ich ja, aber dass es so extrem ist, hätte ich nicht gedacht. Alles was auf -ismus endet, kann wohl nicht gut sein. Hatte diese Frau überhaupt jemals Sex? Das sie Männer janicht anfasst und ich nix davon weiß, dass sie auf Frauen steht, wäre meine Diagnose „kronische Untervögelung“. Schröder mag vielleicht nicht alles perfekt rüberbringen, aber sie nur deswegen zu kritisieren, ist unterste Schublade (Opositionelles Gedöns halt)

  2. CK 11. November 2010 um 21:03 #

    @Adrian: Also ich bin oft nicht mit Alice Schwarzer einer Meinung (vor allem nicht, wenn sie nach Zensur von Pornos oder dem schwedischen Modell schreit), aber ihre -lobenswert islamkritische- Laudatio für Necla Kelek fand ich super. Es gibt viel zu wenige Feministinnen, die etwas für die Frauenfrage in der islamischen Welt tun statt nur Unterdrückung durch Stöckelschuhe und Minirock herbeizufantasieren. Schwarzer ist da ne lobenswerte Ausnahme, die intellektuell zudem wohl schon etwas auf dem Kasten hat.

    Was den Männerhass angeht: kollektiv-pauschalisierender Hass ist natürlich immer falsch (wobei ich mich da selbst manchmal bremsen muss, ich ertappe mich bspw. manchmal dabei, eine Abneigung gegen Muslime zu verspüren), aber man muss wohl genau analysieren woher sowas kommt. Je nachdem was die betreffende Frau erlebt hat in ihrem Privatleben, vor allem früher, als Frauen wirklich fast Sklavinnen des Mannes waren, ist dies m.E. durchaus verständlich. Ich empfinde bereits Wut nur beim Lesen von Geschichten unterdrückter Frauen (derzeit bspw. Hirsi Ali, solche Lektüren regen mich wirklich furchtbar auf. Oder so ne Story wie die auf meinem Blog gestern verlinkte.)

    Aber um mal eine Analogie zu konstruieren: wenn mich ein Schwuler vergewaltigen würde, wäre es zwar irrational und falsch, alle Schwulen dafür zu hassen, aber psychologisch eben dennoch wohl erklärbar, ich bräuchte dann allerdings eine therapeutische Behandlung. Der Hass auf den eigentlichen Einzeltäter selbst wäre jedoch immer noch berechtigt und vmtl. würde ich jemandem, der mir sowas antäte, durchaus ähnlich Furchtbares wünschen wie diese Frauen ihren Peinigern.

    Wenn einem Vergewaltiger der Schwanz abgeschnitten wird, gibt es auch den bösen Teil in mir (jeder hat wohl so seinen inneren Mephisto), der sich darüber freut, wenngleich der rationale Teil natürlich sowas eisern ablehnt und gerechte, rechtsstaatliche Vergeltung will. Aber manchmal tut es eben gut, Dampf abzulassen.

    Manchmal verhindern zur Papier gebrachte Gewaltfantasien vielleicht sogar echte, reale Gewalt, weil man seine Emotionen auslebt ohne jemandem zu schaden. Danach geht es einem besser. Ich sage nicht, Du sollst das gutheissen oder nicht mehr bekämpfen, ich sage nur, lern es zu verstehen.

  3. BastI 13. November 2010 um 14:00 #

    “ Denn mal ganz ehrlich: Wer wie Schröder meint, der Feminismus hat nicht in allem recht, der muss doch verrückt sein, oder?“

    Genauso wie damals bei den Kommunisten, wer dagegen war konnte ja nicht gesund sein und wurde in Psychatrien „Umerziehungsanstalten“ behandelt.Bei den Nazis in etwa dasselbe…Besserungslager oder so hieß das dort.

    Dieser Gender Schwachsinn IST definitiv faschistisch. Dieses Wort wird zwar heutzutage inflationär verwendent, aber hier mal nicht zu unrecht.

    Ich frage mich was so schwer dabei sein soll, einfach gleiche Rechte für Jedermann zu installieren? Sicher, die allgemeine Emanzipation der Frau war wichtig und richtig, aber auch Männer wurden und werden diskrimminiert, bei der Wehrpflicht z.b.

    Oder ist es einfach gar nicht gewollt, nach dem Motto „Teile und Herrsche“

    Junge gegen Alte, Frauen gegen Männer, Arbeitslose gegen Unternehmer, Ausländer gegen Deutsche usw…

    Ich glaube das ist alles so gewollt um die Leute in Zwietracht zu halten.

  4. BastI 13. November 2010 um 14:13 #

    @ CK
    Du schreibst, das du manchmal eine Abneigung gegen Muslime spürts.

    Mir geht es genauso, allerdings spüre ich noch viel stärker eine Abneigung gegen die westliche Welt, besonders gegen USA, Israel, England und Deutschland.

    Die Sache hat 2 Gesichter..die Tatsache, das sich hier ein kleiner Teil der muslimischen Ausländer nicht korrekt verhält, aber andererseits im Makrokosmos sich die westliche Welt auf Staatenebene Verbrechen gegen moslemische Länder schuldig gemacht hat.

    Gründe sind bekannt…Kriege, Guantanamo, Uranmunition usw.

    Anders wie manche Deutsche hege ich allerdings keinen Selbsthaß auf mich oder mein Land wegen irgendwelcher Sachen, die vor 65 Sachen passiert sind und bekannt ist das die Sieger die Geschichte schreiben. Da sind die Grünen ja z.B. Meister darin.

    Was jedoch heute passiert in unserem Namen gibt mir allerdings schon zu denken.

    Da heuchelt doch ein Joschka Fischer etwas von Verbrechen des auswärtigen Amtes von Anno dazumal, aber war selbst als Außenminister 99 an den deutschen Bombardierungen in Serbien maßgeblich verantwortlich. Ein Krieg der wie fast alle ebenso mit einer Lüge begann, dem sog. Hufeisenplan.

    Am liebsten würde ich ganz weit weg auswandern, am Besten nach Australien oder Neuseeland.

  5. subcomandante marcus 2. Juni 2011 um 01:43 #

    das zitat von marilyn french ähnelt auffällig dem von einem berühmten amerikanischen rassisten und „humoristen“, der sich ähnlich über indianer äußerte:
    „The picture of a wild free Indian chasing the buffalo may suit some, but I still like life in art. I like the picture of a broad-shouldered, well-formed brave as he lies with his nerveless hand across a large hole in the pit of his stomach.“

    man/vrouw muss nicht mal psychologe sein, um solche charaktere zu durchschauen.
    ich finde menschen generell widerwärtig, die ihre vermeintlichen kontrahenten dermaßen hassen dass sie die am liebsten tot oder im kz sehen wollen. in der fantasie mache ich das sicher auch, aber ich würde solche gedanken nie öffentlichen auf papier erbrechen.

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  1. Die Große Koalition: Ministerposten, insb. Manuela Schwesig | Alles Evolution - 16. Dezember 2013

    […] Gaywest kam ich dann auf diese Aussagen von […]

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